Sie können uns unterstützen

29.05.2026, Lokalredaktion
Stadt Nordenham informiert über aktuellen Stand zum Rathausturm, zur Zwischenlösung und zum geplanten Teilneubau in der Innenstadt Bürgermeister Nils Siemen: „Das Projekt geht weiter – wir passen den Weg an die neuen Rahmenbedingungen an.“
Die Zukunft des Nordenhamer Rathausturms beschäftigt Stadtverwaltung, Politik und Öffentlichkeit seit mehr als 13 Jahren. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass der Rathausturm in die Jahre gekommen und umfassend sanierungsbedürftig ist. Nach langen Diskussionen über verschiedene Lösungswege hatten sich der Rat der Stadt Nordenham und Bürgermeister Nils Siemen parteiübergreifend darauf verständigt, einen Ersatzneubau in der Innenstadt am Peterleeplatz auf den Weg zu bringen.
„Dieses Projekt ist für Nordenham von großer Bedeutung – damit unsere Bürgerinnen und Bürger eine moderne Verwaltung erhalten, für gute Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Entwicklung unserer Innenstadt“, betont Bürgermeister Nils Siemen. „Wichtig ist: Es gibt keinen Stillstand. Wir müssen den Weg an neue Rahmenbedingungen anpassen, aber wir bleiben handlungsfähig und arbeiten konsequent weiter.“
Nach dem bisherigen Modell sollte ein Investor gesucht werden, der das Gebäude errichtet und anschließend an die Stadt vermietet. Bestandteil der damaligen Überlegungen war auch eine Kindertagesstätte, um den seinerzeit prognostizierten zusätzlichen Bedarf an Betreuungsplätzen abzudecken. Die Kommunalaufsicht hatte dieses Vorhaben im Juni 2025 genehmigt – verbunden mit der Auflage, die Wirtschaftlichkeit erneut zu prüfen, falls sich wesentliche Bedarfe ändern.
Dieser Fall ist nun eingetreten. Die aktuelle Kita-Bedarfsprognose des Landkreises kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit kein zusätzlicher Kita-Bedarf in dem bislang zugrunde gelegten Umfang besteht. Die Stadtverwaltung hatte deshalb Kontakt mit der Kommunalaufsicht aufgenommen, um die Auswirkungen auf das genehmigte Modell zu klären. Inzwischen hat ein konstruktives Gespräch zwischen Kommunalaufsicht, Bürgermeister und Vertretern der Stadtverwaltung stattgefunden.
Im Ergebnis wurde klargestellt: Ohne die zusätzliche Kita ist die bisher vorgesehene Mietlösung nicht mehr die wirtschaftlichste Variante. Stattdessen kommen nun insbesondere zwei Wege in Betracht: ein Anbau am bestehenden Verwaltungsriegel oder weiterhin ein Teilneubau in der Innenstadt – dann jedoch nicht mehr als Mietmodell über einen Investor, sondern in kommunaler Eigenregie.
Bürgermeister Nils Siemen spricht sich dafür aus, den eingeschlagenen Weg in die Innenstadt fortzusetzen: „Ich halte den Teilneubau am Peterleeplatz weiterhin für die richtige Lösung. Dort können wir publikumsintensive Bereiche wie das Einwohnermeldeamt gut erreichbar ansiedeln und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten. Wir würden damit nicht nur die Ersatzlösung für den maroden Rathausturm umsetzen, sondern auch Stadtentwicklung aktiv gestalten.“
Die Fläche in der Innenstadt bietet neben einer Erweiterungsmöglichkeit für die Verwaltung
zudem Entwicklungsmöglichkeiten über den Rathausbau hinaus. Denkbar ist, dass ergänzend
weitere Nutzungen entstehen – etwa barrierefreie Wohnungen, auch für Menschen mit
Behinderungen, sowie Angebote, die zusätzlich Frequenz in die Innenstadt bringen.
„Gerade deshalb sollten wir diesen Standort nicht vorschnell aufgeben“, so Bürgermeister Siemen.
„Die Innenstadt braucht einen Mix aus verschieden Nutzungsarten. Ein moderner Verwaltungsstandort ist dafür ein wichtiger Baustein.“
Unabhängig von der weiteren Entscheidung über die endgültige Bauvariante schreiten die notwendigen Maßnahmen rund um den bestehenden Rathausturm voran. Anfang 2026 hatte sich die Situation zugespitzt: Ein neues Statikgutachten kam zu dem Ergebnis, dass Teile der Außenfassade abbrechen können. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Passantinnen und Passanten zu schützen, wurden unverzüglich Bereiche des Rathauses gesperrt, Beschäftigte in andere Büros verlagert und das Umfeld des Rathausturms gesichert. Dazu gehört auch die Sperrung der Walther-Rathenau-Straße in diesem Abschnitt.
Parallel wurde gemeinsam mit der Politik entschieden, Ersatzräumlichkeiten anzumieten und herzurichten, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitnah aus dem Turm ausziehen können, bis eine dauerhafte Lösung bezugsfertig ist. Die ehemals von der Kreisvolkshochschule genutzten Räumlichkeiten wurden inzwischen angemietet und werden derzeit vorbereitet. Weitere Beschäftigte werden im Altbau des Rathauses sowie in einer weiteren Liegenschaft in der Feldstraße untergebracht. Ratssitzungen finden seitdem in der Stadthalle Friedeburg statt. Auch der Abriss des maroden Rathausturms wird weiter vorbereitet. Die Verwaltung arbeitet hierzu mit einem Fachbüro zusammen. Der Rückbau kann beginnen, sobald der Turm geräumt ist und die Mobilfunkbetreiber eine Ersatzlösung für die Mobilfunkantennen geschaffen haben, die sich derzeit noch auf dem Rathausturm befinden.
In der letzten Sitzung des Bauausschusses sollten ursprünglich die Ergebnisse des Markterkundungsverfahrens für den geplanten Ersatzbau vorgestellt werden. Drei Unternehmen hatten ihr Interesse bekundet. Zudem sollten die Zuschlagskriterien für das weitere Verfahren beraten werden. Aufgrund der neuen Kita-Bedarfsprognose und der daraus folgenden Neubewertung der Wirtschaftlichkeit wurde der Tagesordnungspunkt abgesetzt und durch einen Sachstandsbericht ersetzt.
„Ich verstehe sehr gut, dass manche Bürgerinnen und Bürger nach der langen Vorgeschichte ungeduldig sind und sich fragen, warum es erneut Anpassungen gibt“, sagt Bürgermeister Nils Siemen. „Gleichzeitig müssen wir bei einem Projekt dieser Größenordnung sorgfältig mit öffentlichen Geldern umgehen. Wenn sich zentrale Grundlagen ändern, müssen wir das ernst nehmen. Entscheidend ist aber: Wir wissen jetzt, welche Konsequenzen aus der veränderten Bedarfslage zu ziehen sind, und können daraus eine tragfähige Beschlussgrundlage für die Politik entwickeln.“
Die Verwaltung bereitet nun die weiteren Unterlagen für die politischen Beratungen vor. Der Rat der Stadt Nordenham wird darüber zu entscheiden haben, welcher Weg weiterverfolgt wird und welche Mittel im kommenden Haushalt bereitzustellen sind.
„Meine Empfehlung ist klar: Wir sollten den Teilneubau in der Innenstadt weiterverfolgen – angepasst an die neuen Rahmenbedingungen, aber mit derselben Zielrichtung“, so Bürgermeister Nils Siemen. „Nordenham braucht eine moderne Verwaltung, verlässliche Arbeitsbedingungen und Impulse für die Innenstadt. Genau daran arbeiten wir weiter.“ (pm/lr – Foto: Kerstin Seeland)