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25.03.2026, Lokalredaktion
Großartige Würdigung einer herausragenden Leistung: Das Museum Moorseer Mühle ist vom Museumsverband für Niedersachsen und Bremen mit dem renommierten Museumsgütesiegel ausgezeichnet worden. Landrat Stephan Siefken gratulierte gestern Leiterin Gesche Neumann und ihrem Team zu diesem Erfolg.
Die Auszeichnung würdigt Museen, die ihre Arbeit konsequent an anerkannten Qualitätsstandards ausrichten und ihre Angebote nachhaltig weiterentwickeln. Für Stephan Siefken ist es folgerichtig, dass dieses Gütesiegel nun der Einrichtung verliehen wird. „Das Museum Moorseer Mühle ist ein kulturelles Aushängeschild unseres Landkreises. Es bewahrt nicht nur Geschichte, sondern macht sie für die Menschen erlebbar. Diese Auszeichnung belegt eindrucksvoll, mit welchem Engagement und welcher Professionalität hier gearbeitet wird.“
Mit der erfolgreichen Erstzertifizierung durch den Museumsverbund hat das Museum einen grundlegenden Wandel vollzogen: Weg von einer rein reaktiven Instandhaltung hin zu einer proaktiven, strategisch ausgerichteten Entwicklung. Die Anforderungen des Gütesiegels zwangen zur systematischen Auseinandersetzung mit allen betrieblichen Bereichen – von Sammlungspflege über Marketing bis hin zur Personalstruktur. Dabei wurden zentrale Defizite identifiziert, die nun gezielt angegangen werden.
Die Zertifizierung für die nächsten sieben Jahre erforderte realistische Konzepte für alle Kernbereiche des Museumsbetriebs, deren Umsetzbarkeit durch externe Prüfungen bestätigt wurde. Die bevorstehende Rezertifizierung nach fünfeinhalb Jahren wird die tatsächliche Umsetzung dieser Konzepte bewerten – ein Prozess, der bereits jetzt strategische Weichenstellungen verlangt.
Museumsleiterin Gesche Neumann meint, dass die Lagerung der Sammlungsobjekte besonders kritisch war, da diese bislang in ungeeigneten Räumen wie Keller, Dachboden und Feldscheune erfolgte. Mit der Bereitstellung eines professionellen Magazins in der Zinzendorfschule, in Tossens, durch den Landkreis Wesermarsch, wurde ein entscheidender Schritt zur Sicherung der Exponate getan. Ein Monitoring-System zur Klimakontrolle und Schädlingsprävention ist bereits beauftragt.
Auch infrastrukturell wurden Fortschritte erzielt: Die Sanierung des Schweinestalls im Rahmen des LEADER-Projekts, verbessert die Erschließung des Mühlenensembles. Der Umbau des ehemaligen Cafés zum neuen Kassenbereich erhöht die Barrierefreiheit und schafft Raum für einen erweiterten Museumsshop und das Personal. Zudem wurde eine neue Kassenkraft eingestellt.
Trotz dieser Fortschritte steht das Museum weiterhin vor zentralen Herausforderungen:
- Die Leitung und Verwaltung arbeiten derzeit mitten im Ausstellungsbereich des Müllerhauses – ein Zustand, der Datenschutzprobleme verursacht und Fortbildungsprogramme sowie Praktika unmöglich macht. Langfristig müssen separate Büroräume geschaffen werden.
- Der unkontrollierte Zugang zum Gelände führt zu Einnahmeverlusten und Diebstählen. Eine vollständige Schließung ist nicht möglich, da ein Nachbar dieselbe Zufahrt nutzt. Als Lösung werden „grüne Grenzen“ wie Hecken diskutiert, um den Zugang zu kanalisieren und den Ensemblecharakter der Mühle zu erhalten – insbesondere im Hinblick auf geplante Erweiterungen, wie einen Themenspielplatz.
- Der Cafébetrieb wurde eingestellt, da er sich weder mit Pächtern noch im Eigenbetrieb wirtschaftlich tragen ließ. Die Umnutzung zum Kassenbereich und Museumsshop löst mehrere betriebliche Probleme und stärkt die wirtschaftliche Basis.
Gesche Neumann plant in diesem Jahr die Pflanzung von Hecken zur Geländebegrenzung. Weitere Maßnahmen wie die Erweiterung des Museumsshops und die Prüfung digitaler Angebote wie Audioguides sind in Vorbereitung.
Das Museum versteht sich nicht länger als passives Kulturerbe-Objekt, sondern als aktiver Wirtschaftsbetrieb mit musealem Auftrag. Die strategische Steuerung von Gelände, Gebäuden und Besucherströmen ist dabei ebenso essenziell wie die kulturelle Vermittlung. Die Erstzertifizierung war der Startpunkt – nun gilt es, die Transformation nachhaltig zu gestalten. (Foto und Text: Kerstin Seeland)