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10.02.2026, Lokalredaktion
Nach dem überraschenden Scheitern der geplanten Übernahme durch Rio Tinto wächst in Nordenham erneut die Sorge um die langfristige Zukunft der Zink- und Bleihütte. In einem Gespräch mit den beiden Betriebsräten Klaus Garlichs und Andre Bening und Jochen Luitjens von der Gewerkschaft IG Metall machten die Drei deutlich, dass die aktuelle Situation die Beschäftigten in große Unsicherheit stürzt – und dass der Konzern Glencore weiterhin zentrale Antworten schuldig bleibt.
Geplatzte Fusion verstärkt Zweifel an Konzernstrategie
Wie Klaus Garlichs und Andre Bening erläuterten, habe sich bereits im Vorfeld abgezeichnet, dass Glencore seine strategische Ausrichtung zunehmend auf Kupfer verlagert und sich von Teilen des Zinkgeschäfts trennt. Weltweit wurden in den vergangenen Jahren Hüttenstandorte geschlossen oder verkauft, Minen stillgelegt und Investitionen zurückgefahren. Mit dem Scheitern der Übernahme sei nun „alles wieder auf Null“, so die Arbeitnehmervertretung. Eine klare Perspektive für den Standort Nordenham gebe es nicht.
Klimaschutzverträge als entscheidender Baustein – aber ohne verbindliche Zusagen
Besonders kritisch sehen Betriebsrat und die Gewerkschaft die ausbleibende verbindliche Zusage Glencores zu den Klimaschutzverträgen des Bundes. Diese Verträge – mit einem Fördervolumen von bis zu 360 Millionen Euro – gelten als zentrale Voraussetzung für die Dekarbonisierung des Standorts und damit für dessen Zukunftsfähigkeit.
Zwar habe Glencore öffentlich erklärt, die Teilnahme weiterhin zu prüfen, konkrete Schritte blieben jedoch aus. Termine wurden verschoben, Unterlagen nicht nachgereicht, Gespräche fanden ohne Beteiligung der Arbeitnehmerseite statt. „Diese Mittel sind unsere Lebensversicherung“, betonte Klaus Garlichs, „Wenn Glencore das auslaufen lässt, ist das ein fatales Signal.“
Investitionen bleiben reine Bestandserhaltung
Aktuell laufende Maßnahmen – etwa der Austausch des über 50 Jahre alten Wirbelofens in der Röstung oder sicherheitsrelevante Arbeiten an der Bleiseite – seien reine Ersatzinvestitionen, die von Behörden vorgeschrieben wurden. „Das ist nicht der große Wurf“, sind sich Klaus Garlichs und Andre Bening einig, „Ohne einen echten Zukunftsplan in dreistelliger Millionenhöhe bleibt der Standort nicht wettbewerbsfähig.“
Bedeutung für Niedersachsen und die Region enorm
Die Zink- und Bleihütte ist einer der letzten verbliebenen Standorte dieser Art in Deutschland und spielt eine zentrale Rolle für Wertschöpfungsketten in Niedersachsen – von der Stahlindustrie über die Batterieproduktion bis zur chemischen Industrie. Auch die regionale Wirtschaft wäre massiv betroffen: Die Hütte zählt zu den größten Gewerbesteuerzahlern, sichert rund 900 Arbeitsplätze direkt und viele weitere indirekt durch die Zulieferbetriebe.
Betriebsrat fordert Alternativen – auch Verkauf an neuen Investor denkbar
Angesichts der unklaren Konzernstrategie prüft der Betriebsrat inzwischen aktiv Alternativen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, den Standort an einen anderen industriellen Partner zu veräußern oder ein Joint Venture zu bilden. Ziel sei es, einen Eigentümer zu finden, der langfristig an der Zink- und Bleiproduktion interessiert ist und bereit ist, in die Modernisierung zu investieren.
Appell an Politik und Konzernführung
Die Klaus Garlichs, Andre Bening und Joachim Luitjens fordert Glencore auf, endlich klare Aussagen zur Zukunft des Standorts zu treffen – und die Verantwortung gegenüber Beschäftigten und Region ernst zu nehmen.
Zugleich setzt man auf Unterstützung aus Land und Bund. Niedersachsen habe bereits in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt, etwa bei der Übernahme der Bleiseite. Auch jetzt sei politische Rückendeckung entscheidend, um die Zukunft der Hütte zu sichern. (Text und Foto: Kerstin Seeland)
Titelfoto: Jochen Luitjens (IG Metall), Andre Bening und Klaus Garlichs