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28.09.2025, Lokalredaktion
Nach über 40 Jahren erhält das Denkmal neben der Reithalle, in Ovelgönne, eine neue Bedeutung: Mit der Enthüllung einer Infotafel und der offiziellen Benennung des Standortes als „Platz der Verbundenheit“ wird ein starkes Zeichen für Respekt, Toleranz und gelebte Gemeinschaft gesetzt. Uwe Lehmann, Vorsitzender des Bürgervereins Ovelgönne, hat die Feierlichkeiten und auch die Tafel in Zusammenarbeit mit Sophia Wolfram von der Gemeinde Ovelgönne und Arman Džaferagiċ, Leiter des Handwerksmuseums Ovelgönne, vorbereitet.

Die neue Tafel erklärt die historische und kulturelle Bedeutung des Denkmals, das aus einem Hufeisen und einem Wagen mit Pferd besteht. Während das Hufeisen für den Pferdemarkt, den Pferdehandel und die Expertise der Sinti steht, symbolisiert der Wagen die Reisen und Herausforderungen, die die Sinti auf sich genommen haben, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Viele Passanten vermuteten bislang, die Objekte gehörten zur Reithalle – die Infotafel schafft nun Klarheit und lädt zum Nachdenken ein.

Besonders bemerkenswert: Im Gegensatz zu vielen Gedenkstätten, die auf Verfolgung und Unterdrückung hinweisen, hebt dieses Denkmal die positiven Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen den Ovelgönner Bürgerinnen und Bürgern und den deutschen Sinti hervor. „Diese Perspektive ist in Europa nahezu einzigartig und verdient besondere Aufmerksamkeit“, unterstrich Uwe Lehmann.
„Dieses Denkmal soll lebendig bleiben – als Symbol für gegenseitiges Verständnis und als Erinnerung daran, wie wichtig Dialog und Offenheit sind“, betonte der Initiator der Tafel während der Veranstaltung. „Ich habe in den Vorbereitungen viel gelernt, neue Perspektiven gewonnen und erkannt, wie wertvoll es ist, Fragen zu stellen und zuzuhören.“

Ein besonderer Dank richtete Uwe Lehmann an alle Helferinnen und Helfern, die beim Aufbau und der Vorbereitung unterstützt. Der „Platz der Verbundenheit“ lädt ab sofort dazu ein, innezuhalten, sich zu informieren und ins Gespräch zu kommen. Denn nur durch Austausch und Verständnis kann ein faires Miteinander entstehen. Für das leibliche Wohl im Anschluss war gesorgt und Uwe Lehmann lud zu guten Gesprächen ein.
Dieter Kohlmann, stellvertretender Landrat und stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Ovelgönne drückte seine Freude über die Veranstaltung aus. „Der neu benannte „Platz der Verbundenheit“ in Ovelgönne steht nicht nur für Erinnerung, sondern für eine gelebte Beziehung zwischen der Gemeinde und einer Gruppe von Menschen, die über viele Jahre hinweg Teil des Dorflebens waren“, betonte er. Diese Gruppe – insbesondere die Sinti – war eine Bereicherung für den Pferdemarkt und andere Anlässe. Ihr Wegbleiben geschah nicht im Streit, sondern aus anderen Gründen. Dennoch bleibt die Verbundenheit bestehen.
Die Initiative zur Errichtung des Denkmals und der neuen Infotafel geht auf den Bürgerverein zurück, der bereits vor 40 Jahren den Grundstein für dieses Zeichen der Gemeinschaft gelegt hat. Dass das Denkmal mitten im Dorf steht – an einer vielbefahrenen Straße – ist bewusst gewählt: Es soll sichtbar sein, zum Nachdenken anregen und Gespräche fördern.
„Ovelgönne zeigt sich als weltoffene Gemeinde. Dies wird auch durch den Erhalt des jüdischen Friedhofs deutlich, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal in der Region“, sagte Dieter Kohlmann. Die Pflege und die Verbindung zur jüdischen Gemeinde sind Ausdruck von Respekt gegenüber Minderheiten, die in der Geschichte oft verfolgt wurden – sei es durch den Holocaust oder andere Formen der Ausgrenzung.
„Gerade in Zeiten, in denen wieder Ängste und Vorurteile aufkommen, ist es wichtig, sich zu erinnern und bewusst zu machen, wie wertvoll Vielfalt und gegenseitige Bereicherung sind. Niemand hat sich ausgesucht, wo er geboren wurde – aber wir alle tragen Verantwortung dafür, wie wir miteinander leben“, appellierte Dieter Kohlmann.
Der „Platz der Verbundenheit“ ist ein Symbol für diese Haltung: Für Offenheit, Respekt und das gemeinsame Gestalten einer Zukunft, in der Unterschiede nicht trennen, sondern verbinden. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)