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10.10.2026, Lokalredaktion
„Klimaschutz im Moor gelingt nur mit unseren landwirtschaftlichen Familienbetrieben, nicht gegen sie. Genau hier setzt das Projekt ‚NewGreenCover‘ an: Es zeigt, wie wir wirksamen Moorbodenschutz und den Erhalt unserer traditionsreichen Milchwirtschaft in der Wesermarsch zusammenbringen können“, betont Karin Logemann, Landtagsabgeordnete für die Wesermarsch und agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. „Ich habe mich mit voller Überzeugung für die Unterstützung dieses Vorhabens starkgemacht, weil wir für unsere Region praktikable Lösungen statt reiner Stilllegungskonzepte brauchen.“
Mit dem Projekt „NewGreenCover“ geht das Grünlandzentrum Niedersachsen / Bremen e.V. mit Förderung durch das Land Niedersachsen einen innovativen Weg, um den Ausstoß von Treibhausgasen aus Moorböden drastisch zu verringern, ohne die landwirtschaftliche Nutzung aufzugeben.
Die Idee einfach erklärt: Den Moorboden schützen – und oben drüber weiter wirtschaften
Trockengelegte Moorböden setzen bei Kontakt mit Sauerstoff große Mengen Kohlendioxid (CO₂) frei. In Niedersachsen, insbesondere im Nordwesten, liegen viele dieser Flächen in Regionen mit starker Milchviehhaltung. Wird das Moor einfach nur wieder unter Wasser gesetzt, ist der Boden zu nass und weich – Traktoren versinken und Kühe können nicht mehr darauf weiden.
Hier setzt das neue Verfahren an:
- Moor nass halten: Die Moorfläche wird wieder vernässt, damit der Torf unter Luftabschluss bleibt und kein weiteres CO₂ entweichen kann.
- Schlickdecke auftragen: Auf den nassen Moorboden wird eine Schicht aus natürlichem Flussschlick (Sediment, wie er etwa bei Unterhaltungsbaggerungen anfällt) aufgetragen. Im Versuch werden Schichtdicken von 40 Zentimetern und 100 Zentimetern getestet.
- Fester Boden für die Landwirtschaft: Auf dieser Schlickauflage wächst eine neue Grasnarbe. Der Boden wird dadurch wieder so stabil und tragfähig, dass er von Landwirtinnen und Landwirten weiterhin als Weide oder zur Futtergewinnung genutzt werden kann.
Gleichzeitig bietet das Projekt eine sinnvolle Weiternutzung für Flusssedimente, die ohnehin anfallen, und schlägt damit eine Brücke zwischen Küstenschutz und Moorbodenschutz.
Praxistest direkt vor Ort in der Wesermarsch
Erprobt wird das Verfahren ganz praktisch auf rund zwei Hektar Fläche eines Milchviehbetriebs im Bereich des Hammelwarder Moores in der Wesermarsch. Über eine Laufzeit von zwei Jahren (Gesamtvolumen: ca. 2,4 Millionen Euro) untersuchen Fachleute unter anderem, wie viel Treibhausgase tatsächlich eingespart werden, wie sich der Boden biologisch verändert und wie das Wassermanagement vor Ort optimal geregelt werden muss.
Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums Niedersachsen / Bremen, hebt die ökologischen Zusammenhänge hervor: „Wir sind dem Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für die Förderung sowie Karin Logemann für ihren engagierten Einsatz sehr dankbar. Fachlich betrachtet machen wir hier etwas, das ohne den Menschen ohnehin geschehen würde: Ohne die Deiche – die ja auch ein menschlicher Eingriff in die Natur sind – wäre die Schlickablagerung auf diesen Flächen im Laufe der Zeit ganz natürlich durch Überflutungen passiert. Wir greifen dieses Prinzip jetzt gezielt auf. Das Projekt schafft eine echte Win-win-Situation für den Gewässerschutz und für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen: Ausgebaggerter Schlick aus Flussläufen wird sinnvoll als wertvoller Rohstoff verwertet, während wir gleichzeitig den Moorboden dauerhaft schützen und den Betrieben ihre wirtschaftliche Grundlage erhalten.“ (pm/lr – Foto: Rebekka Bolzek)
Titelfoto: Karin Logemann, MdL (links) und Arno Krause (rechts) im Grünlandzentrum