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24.01.2026, Lokalredaktion
„Lieblingsbilder“: Ein Ausstellungsprojekt, das Menschen verbindet
Wie entsteht eigentlich eine Ausstellung, wenn nicht Künstlerinnen und Künstler bestimmen, was gezeigt wird – sondern die Menschen aus der Region selbst? Diese Frage, die Die Vorsitzende es Kulturzentrums Seefelder Mühle schon seit Jahren umtrieb, war der Ausgangspunkt für das Projekt „Mein Bild“, das nun im soziokulturellen Zentrum Seefelder Mühle präsentiert wird.

Die Idee reifte über mehrere Jahre: Warum nicht die Bewohnerinnen und Bewohner aus Seefeld, Reitland, Stadland und die Vereinsmitglieder fragen, welches Bild in ihrem Zuhause eine besondere Bedeutung hat? Welches Kunstwerk ihnen wichtig ist, begleitet, berührt sie oder erinnert an etwas?

Zum Ende ihrer 39-jährigen Tätigkeit in der Seefelder Mühle konnte die Projektinitiatorin diese Vision nun verwirklichen – unterstützt von einem engagierten Team und vielen Menschen aus der Region. „Es könnte eines meiner Lieblingsprojekte überhaupt werden“, sagte sie bei der Vernissage, am Freitagabend.
Ein Projekt, das Menschen öffnet
Bereits im September begann die Suche nach Teilnehmerinnen und Teilnehmern – über Zeitungsaufrufe, Newsletter, persönliche Gespräche und Vereinskontakte. Schnell fanden sich fast 40 Menschen, die bereit waren, ihr Lieblingsbild für zwei Monate zur Verfügung zu stellen. Die Altersspanne reichte von der jüngsten Bildgeberin, der kleinen Jule Christoffers, bis zum 92‑jährigen Eugen Böning.
Von Anfang an war klar: Es geht nicht um teure Kunst oder große Namen. Entscheidend ist allein der persönliche Wert eines Bildes. Zwischen Oktober und Dezember besuchte das Projektteam die Teilnehmenden zu Hause. Dort entstand jeweils ein Foto: die Person neben ihrem Bild, an dem Ort, an dem es normalerweise hängt. Wohnzimmer, Küchen, Flure – und manchmal auch Schlafzimmer, Räume, die man sonst kaum betritt.
Diese Besuche öffneten Türen in private Lebenswelten. Viele Menschen kennt man seit Jahren – aber selten so persönlich wie am eigenen Küchentisch. Die einfache Frage „Warum ist das dein Lieblingsbild?“ entfaltete oft erstaunliche Gespräche, Erinnerungen und Emotionen.
Die Gründe für ein Lieblingsbild sind so vielfältig wie die Menschen selbst:
– Reiseerinnerungen: Ein Gleitschirmflug in den Dolomiten, festgehalten als winziges orangefarbenes Pünktchen im Gebirge. Oder ein Familienfoto aus dem Sommerurlaub.
– Beruf und Lebenswege: Ein Bild, das an die eigene Kindheit erinnert – wie die Katze, die für eine Teilnehmerin seit dem dritten Lebensjahr ihrer Tochter ein treuer Begleiter war.
– Familiengeschichte: Eine Kutschfahrt mit den Kindern, strahlende Gesichter beim Spielen, ein Brautkranz der Großmutter von 1922 oder ein altes Familienporträt, das vier Generationen von Malern zeigt.
– Künstlerische Verbundenheit: Werke regionaler Künstlerinnen und Künstler, die man besonders schätzt – etwa Gisela Bartels oder Jörg Wilke.
– Selbstgeschaffenes: Bilder, die die Besitzerinnen und Besitzer selbst gemalt haben – wie das Traum-Bild eines schlafenden Kindes, ergänzt durch eine eigene musikalische Komposition, abrufbar per QR‑Code.
Auch Rahmen, Materialien und Techniken erzählen Geschichten: Holz vom Pazifik, handgefertigte Rahmen vom Großvater, bewusst rahmenlose Bilder, Acryl, Aquarell, Keramik, Schwarz-Weiß-Fotografie – die Vielfalt ist groß. Manche Bilder sind mit ihren Besitzerinnen und Besitzern umgezogen, andere hängen seit Jahrzehnten am selben Ort.
Einblicke, die bleiben
Die letzte Frage im Interview lautete stets: „Wirst du dein Bild irgendwann weitergeben?“
Ältere Menschen antworteten häufig: „Das sollen meine Kinder entscheiden.“ Jüngere hatten sich darüber meist noch keine Gedanken gemacht.
Für das Projektteam waren die Begegnungen tief berührend. Viele Gespräche dauerten länger als geplant – manchmal einen ganzen Nachmittag. Jede Geschichte, jedes Bild öffnete eine neue Perspektive.
Cornelia Iber-Rebentisch beschreibt es so: „Ich bin jedes Mal bereichert nach Hause gefahren. Dieses Projekt zeigt, dass nicht nur jeder Mensch, sondern auch jedes Bild seine ganz eigene Geschichte trägt.“ Unabhängig davon, ob ein Bild gekauft, geerbt, geschenkt oder getauscht wurde – für die Menschen ist es ihr Lieblingsbild. Und diese besondere Beziehung durften sie nun mit der Öffentlichkeit teilen. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)