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28.03.2026, Lokalredaktion
Ein musikalisches Zeichen der Gemeinschaft
In der St.-Matthäus-Kirche in Rodenkirchen hat ein außergewöhnliches Chorprojekt am Sonntag gezeigt, welche Kraft Musik entfalten kann, wenn Menschen sich mit Freude und Offenheit zusammentun. Unter dem Titel „Jeder kann singen“ fanden sich über 90 Sängerinnen und Sänger zusammen – so viele, dass sogar eine Warteliste entstand. Das Projekt war bewusst nicht als dauerhafter Chor angelegt, sondern als einmalige Einladung an alle, die Lust haben, gemeinsam zu singen, unabhängig von Vorerfahrung oder Stimmbildung.

Ein Neubeginn nach einem schweren Verlust
Besonders bewegend war der Hintergrund des Projekts. Der vor vier verstorbene Ehemann Pastorin Birgit Faß war viele Jahre für die Chor- und Orgelmusik in der Gemeinde verantwortlich. Sein Tod hinterließ eine große Lücke – musikalisch wie menschlich. In ihrer Ansprache erzählte die Pastorin, dass es für sie das erste Mal seit seinem Tod war, dass wieder Musik in dieser Fülle und Lebendigkeit die Kirche erfüllte.

Die Idee für das Projekt entstand, als Melina „Melooline“ Röben – Musikerin, Sonderpädagogin und vielen als Hochzeitssängerin bekannt – den Impuls gab, wieder etwas Musikalisches in der Gemeinde zu wagen. Anfangs war die Skepsis groß: Würden sich überhaupt genug Menschen melden? Doch das Gegenteil trat ein. Die Nachfrage war so überwältigend, dass das Gemeindehaus und selbst die Kirche an ihre Kapazitätsgrenzen stießen.
Von der Idee zum Konzert – mit nur wenigen Proben
Trotz krankheitsbedingter Ausfälle und insgesamt nur wenigen Proben entwickelte sich eine beeindruckende musikalische Qualität. Die Teilnehmenden wählten gemeinsam Balladen aus, die Melina Röben arrangierte und mit der Gruppe einstudierte. Die Freude am Singen war in jeder Probe spürbar – und sie trug das Projekt bis zum Konzertabend.

Ein Abend, der die Kirche füllte – und die Herzen
Beim Abschlusskonzert war die St.-Matthäus-Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Atmosphäre war dicht, warm und voller Erwartung. Die Sängerinnen und Sänger präsentierten ihr Programm mit einer Begeisterung, die das Publikum sofort ergriff. Am Ende gab es Standing Ovations und Zugabe, die die Pastorin mit einem Lächeln ankündigte: „Den Abschlusssegen gibt es jetzt – und die Zugabe natürlich auch.“
Was bleibt – und wie es weitergehen könnte
Das Projekt ist offiziell beendet, doch die Resonanz war so positiv, dass bereits eine neue Warteliste besteht. In der Euphorie des Konzertabends entstand die Idee, sich künftig einmal im Monat zu treffen, um die erarbeiteten Lieder weiter zu singen und die Gemeinschaft zu pflegen. Ob daraus irgendwann ein neuer Chor entsteht oder eine offene Singgruppe – das bleibt offen.
Klar ist jedoch: Das Projekt hat gezeigt, wie groß der Wunsch nach gemeinsamer Musik in Rodenkirchen ist. Nach Jahren ohne Chorleitung und vergeblichen Versuchen, eine neue musikalische Leitung zu finden, hat „Jeder kann singen“ einen Funken entzündet. Einen Funken, der Hoffnung macht, dass die Kirchenmusik in Rodenkirchen wieder einen festen Platz bekommt – getragen von Menschen, die einfach Freude am Singen haben. (Text: Kerstin Seeland, Foto: Madita Hessler)