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27.07.2026, Lokalredaktion
Mit einem festlichen Gottesdienst hat die Weltgruppe Rodenkirchen am Sonntag ihr 30‑jähriges Bestehen gefeiert. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung und erlebten eine Veranstaltung, die Musik, Rückblick und Zukunftsvisionen eindrucksvoll miteinander verband. Schon der Auftakt setzte einen besonderen Ton: „Die fröhliche Musik war ein schöner Kontrast zu den ernsten Worten zum Eingang“, wie Dr. Ulrike Riesener von der Weltgruppe, bemerkte.
Ein Blick zurück: Von der „Dritten Welt“ zur Weltgruppe
In ihrem ausführlichen Rückblick erläuterte Dr. Ulrike Riesener, wie sich die Idee des fairen Handels und der Weltläden über die Jahrzehnte entwickelt hat. Sie erinnerte daran, dass die Arbeit ursprünglich aus der Solidarität mit Ländern des globalen Südens entstand – mit dem Ziel, Produkte wie Kaffee, Kakao oder Tee unter fairen Bedingungen zu vermarkten und den Produzenten eine verlässliche Lebensgrundlage zu ermöglichen.

Aus den frühen „Eine-Welt-Läden“ wurde später der Begriff Weltladen, getragen von der Überzeugung, dass es nur eine Welt gibt. Da die Gruppe in Rodenkirchen kein eigenes Ladengeschäft betreibt, nennt sie sich seit vielen Jahren Weltgruppe – und ist Mitglied im bundesweiten Weltladen-Dachverband.
Riesener würdigte die Gründungsmitglieder wie Gerda Schnieder und Elke Kuik-Janssen und erinnerte an Heidrun Lücke, die die Arbeit lange prägte. Seit 2015 führt sie selbst die Gruppe weiter.
Fairtrade als gesellschaftliche Aufgabe
Dr. Ulrike Riesener betonte die Bedeutung der internationalen Fairtrade-Bewegung, die sich für existenzsichernde Löhne, demokratische Kooperativen, Schulbildung statt Kinderarbeit und Verbot von Zwangsarbeit einsetzt. Sie verwies auf Organisationen wie die WFTO, Fairtrade Deutschland und Engagement Global, die politische und strukturelle Arbeit leisten und Ehrenamtliche unterstützen.
Besonders hob sie die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Stadland hervor, die sich zur Fairtrade-Gemeinde entwickelt hat. Vertreter aus Wirtschaft, Schulen, Kirche und der Weltgruppe arbeiten in einer Steuerungsgruppe zusammen und organisieren Aktionen wie das beliebte „Faire Frühstück“ auf dem Marktplatz.
Neun Menschen, ein starkes Team
Die Weltgruppe besteht heute aus neun ehrenamtlich Engagierten, die sich monatlich treffen, den Wochenmarktstand organisieren und gemeinsam über Sortiment, Aktionen und Termine entscheiden. Riesener beschrieb die Gruppe als „wunderbare Menschen unterschiedlichster Art“, die sich respektieren und gemeinsam für die Idee des fairen Handels eintreten. Sie unterstrich zudem die Bedeutung des Ehrenamts: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Ehrenamt etwas unfassbar Wichtiges ist für unsere offene, freie Gesellschaft.“
Fair handeln – lokal und global
Die Weltgruppe verkauft ihre Produkte zu fair kalkulierten Preisen und erwirtschaftet kleine Überschüsse, die für Material oder Aktionen genutzt werden. Dank ehrenamtlicher Arbeit und der Unterstützung der Kirchengemeinde entstehen kaum Kosten.
Riesener zeigte Beispiele aus dem Sortiment und erklärte, dass Fairtrade-Produkte heute nicht nur im Weltladen, sondern auch bei Discountern erhältlich sind – ein wichtiger Schritt, um die Idee in die Breite zu tragen.
Zum Jubiläum erhielt die Gruppe ein Paket ihres langjährigen Lieferanten El Puente, verbunden mit einem Glückwunsch für „30 Jahre Engagement für fairen Handel“.
Ein geistlicher Impuls zum Jubiläum
Pastorin Birgit Faß würdigte die Arbeit der Weltgruppe aus theologischer Perspektive. Sie beschrieb die 30 Jahre als „gelebte Hoffnung“ und als Ausdruck der Entscheidung, nicht wegzuschauen, sondern im Kleinen Verantwortung zu übernehmen. „Wir glauben daran, dass unser kleines Handeln hier einen Unterschied machen kann.“ Sie betonte, dass Gottes Gerechtigkeit dort Gestalt gewinnt, wo Menschen sich für Fairness einsetzen – und dankte dem Team der Weltgruppe für sein langjähriges Engagement.
Ein Jubiläum mit Ausstrahlung
Die Feier zeigte eindrucksvoll, wie sehr die Weltgruppe Rodenkirchen in der Gemeinde verankert ist. Sie ist Motor der Fairtrade-Gemeinde, Teil eines Netzwerks für fairen, regionalen und saisonalen Handel – und ein Beispiel dafür, wie Ehrenamt über Jahrzehnte hinweg Wirkung entfalten kann.

Musikalisch wurde der Gottesdienst mit Klezmer-Musik von Doris Schulz und Lutz Müller begleitet. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)