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02.07.2026, Lokalredaktion
Der Rat der Gemeinde Stadland hat am Donnerstag einstimmig eine Resolution zum Wolfsmanagement und zur Unterstützung der Weidetierhaltung verabschiedet. Die Gemeinde fordert darin praxistaugliche und realitätsnahe Regelungen, die den besonderen Bedingungen der Wesermarsch gerecht werden – insbesondere den kleinen Weidebetrieben und der Deichschafhaltung.
Ratsmitglieder und Bürgermeister unter dem Eindruck jüngster Wolfsrisse
Die jüngsten Wolfsrisse in der Region prägten die gesamte Debatte. Alle Ratsmitglieder sowie Bürgermeister Harald Stindt machten deutlich, dass die aktuellen Ereignisse ihre Haltung und die Dringlichkeit der Resolution maßgeblich beeinflussen. Die Situation belaste Weidetierhalter und Gemeinden gleichermaßen und erfordere aus Sicht des Rates ein entschiedenes Handeln.
Eindrücke aus der Praxis prägen die Diskussion
Bürgermeister Harald Stindt betonte, dass der Resolutionsentwurf die Argumente des Kreislandvolks, der Kreisjägerschaft und des Landkreises aufgreife. Die zum 1. Juli 2026 in Kraft tretenden Landesregelungen seien jedoch „für die Realität der Wesermarsch nicht ausreichend“. Schutzmaßnahmen ließen sich im Deich- und Weidekontext vielfach nicht umsetzen. Er unterstrich die Notwendigkeit „realitätsnaher Lösungen“ und sprach sich für eine breite öffentliche Diskussion sowie eine gemeinsame Aktion der Gemeinden aus.
Deutliche Kritik aus dem Rat
Sigmar Wollgam (SPD) bezeichnete die aktuellen Maßnahmen als „nicht ausreichend“ und „wenig realistisch“. Kompromisse führten zu Verzögerungen, während die Lage für Weidetierhalter zunehmend schwieriger werde.
Günter Busch (CDU) hingegen übte scharfe Kritik am neuen Landesjagdgesetz. Die geforderten 1,60‑Meter‑Zäune seien „gar nicht machbar“. Die Wesermarsch solle daher als wolfsfreie Zone geprüft werden. Die Debatte zeige, dass „Ideologie und Realität“ auseinanderdriften.
Einstimmige Entscheidung – klare Aufgaben
Mit der einstimmigen Annahme der Resolution setzt Stadland ein deutliches Zeichen für den Schutz der Weidetierhaltung und für ein Wolfsmanagement, das regionale Besonderheiten berücksichtigt.
Herausforderungen im Fokus
Die Gemeinde betont, dass die Praxistauglichkeit der Schutzmaßnahmen im Deich- und Weidekontext zentral ist. Die Resolution soll dazu beitragen, dass Landesregelungen künftig stärker an den realen Bedingungen der Region ausgerichtet werden.
Resolution der Gemeinde Stadland zum Umgang mit dem Wolf in der Wesermarsch
Die Rückkehr des Wolfs nach Niedersachsen stellt auch die Gemeinde Stadland und die gesamte Wesermarsch vor erhebliche Herausforderungen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz bestehen grundsätzlich Möglichkeiten, bei Schadensereignissen schneller und rechtssicher zu reagieren. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung vor Ort mit wiederholten Wolfsrissen und zunehmenden Sichtungen eine wachsende Belastung für die Weidetierhaltung und die Bevölkerung.
Die Weidetierhaltung ist ein zentraler Bestandteil der Kulturlandschaft der Wesermarsch. Sie sichert landwirtschaftliche Existenzen, erhält die offene Landschaft und ist unverzichtbar für den Küstenschutz. Insbesondere die Beweidung durch Schafe übernimmt eine tragende Rolle für die Stabilität und Funktionsfähigkeit der Deichanlagen und ist darüber hinaus auch prägend für unser Landschaftsbild.
Die praktischen Erfahrungen vor Ort zeigen, dass Herdenschutzmaßnahmen in der Fläche nur begrenzt umsetzbar sind. Große Weideflächen, Deichlinien, Entwässerungsstrukturen sowie wirtschaftliche und technische Grenzen führen dazu, dass ein flächendeckender Schutz nicht gewährleistet werden kann. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass auch kleine Betriebe mit den möglichen Schutzmaßnahmen überfordert sind oder aber die Umsetzung schlichtweg nicht möglich ist.
Es besteht ein grundlegender Zielkonflikt zwischen dem Schutz des Wolfs und der Aufrechterhaltung der Weidetierhaltung sowie des Küstenschutzes. Dieser Zielkonflikt verschärft sich insbesondere in Küstenregionen wie der Wesermarsch.
Die Gemeinde Stadland stellt fest, dass das derzeitige Wolfsmanagement die tatsächlichen Entwicklungen und Herausforderungen vor Ort nicht ausreichend abbildet. Maßnahmen greifen häufig erst nach Schadensfällen, während präventive Steuerungsinstrumente fehlen oder nicht ausreichend genutzt werden. Insbesondere die besonderen Rahmenbedingungen der Küstenregion und die Anforderungen von Kleinbetrieben. (Text: Kerstin Seeland, Foto: Symbolbild pixabay)
Die Gemeinde Stadland fordert:
- Die Einrichtung einer wolfsfreien Zone in der Wesermarsch, um die Weidetierhaltung
und den Küstenschutz langfristig zu sichern. - Die konsequente Anwendung der bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten, insbesondere
des Bundesjagdgesetzes. - Ein regional angepasstes, wirksames Wolfsmanagement unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten der Küstenregion und auch die Berücksichtigung von kleineren
und familiengeführten Betrieben. - Schnellere und präventive Eingriffsmöglichkeiten bei auffälligen oder schadensverursachenden Wölfen.
- Eine realistische Neubewertung der Möglichkeiten und Grenzen des Herdenschutzes in
der Wesermarsch.
Die aktuellen Vorfälle im Gemeindegebiet zeigen deutlich, dass das neue Wolfsmanagement
im Land Niedersachsen die Realität vor Ort derzeit nicht ausreichend erfasst. Hier besteht
ein unmittelbarer Anpassungsbedarf.
Die Gemeinde Stadland appelliert an die Landespolitik, die notwendigen rechtlichen und
praktischen Maßnahmen zügig umzusetzen, um die Weidetierhaltung zu sichern, den Küstenschutz zu gewährleisten und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten.