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25.11.2025, Lokalredaktion
Wenn draußen das Grau des Winters dominiert, bringen die Bilder in der Seefelder Mühle Farbe an die Wände. Sie sind ein lebendiger Kontrapunkt zur Tristesse und erinnern daran, dass Kunst nicht nur schmückt, sondern auch belebt. Das betonte auch Stadlands stellvertretender Bürgermeister Hans Schwedt, bei der Vernissage zur Ausstellung „Phantastische Landschaften – In Bewegung“.
Die Kunstpädagogin Meike Janßen führte in die Ausstellung in Form eines Interviews mit den beiden Künstlerinnen ein.
Die Werke von Jutta Caspers, aus Ovelgönne, entstehen selten auf einer „blanken Leinwand“. Sie arbeitet mit Sand, Marmormehl, zerstoßenen Eierschalen oder Obstnetzen – Materialien des Alltags, die sie sammelt und in ihre Werke integriert. „Ich brauche eine Struktur, bevor die Farbe kommt“, erklärt sie. So entstehen Oberflächen, die Geschichten erzählen und den Bildern eine besondere Tiefe verleihen. Für Jutta Caspers ist jedes Werk ein Experiment. Sie probiert neue Materialien aus, verwirft sie wieder und entwickelt daraus einen fortlaufenden Prozess. „Ich bin noch lange nicht fertig“, sagt sie lachend. Ihre Kunst bleibt offen, wandelbar und voller Überraschungen.
Neben ihrer eigenen Malerei arbeitet Angelika Kung, aus Oldenburg, auch mit Schülern. Sie leitet Kinder und Jugendliche zum intuitiven Malen an. „In der Schule ist vieles leistungsorientiert. Kreatives Arbeiten braucht dagegen Muße und Zeit“, betont sie. Ihr Ziel ist es, den Schülern zu helfen, das Innere nach außen zu bringen – durch Farbe, Form und eigene Ideen.
Bäume und Figuren, Horizonte – Angelikas Kungs Kunst bewegt sich zwischen gesellschaftspolitischen Themen und poetischen Naturmotiven. „Manchmal schummeln sich Bäume einfach hinein“, sagt sie über ihren Arbeitsprozess. Ihre Werke entstehen aus Skizzen, Beobachtungen und Erinnerungen, die sie in Notizen festhält und später in Malerei oder Objekten weiterentwickelt.
Die ersten Arbeiten von Jutta Caspers waren hingegen geprägt vom Horizont – einer Linie, die automatisch Landschaften entstehen ließ. Doch sie hat sich bewusst davon gelöst. „Es war ein schwerer Akt, den Horizont hinter mir zu lassen und die Senkrechte zu wagen“, erzählt sie. Heute entstehen fantastische Landschaften, die sich von der klassischen Darstellung entfernen und neue Räume eröffnen.
Ein wichtiger Schritt war die Erweiterung ihrer Kunst in den Raum. Statt nur auf Leinwänden zu arbeiten, begann Angelika Kung Stühle zu bemalen und Installationen zu schaffen. „Ein bemalter Stuhl verändert sich, wenn man ihn benutzt – die Farbe nutzt sich ab, und das ist Teil des Werkes“, erklärt sie. Später entstanden nicht mehr besitzbare Objekte, Installationen mit Spiegeln und Scherben, die den Betrachter einbeziehen und eine Wechselwirkung zwischen Bild und Außenwelt erzeugen.
Ihre Kunst ist oft politisch inspiriert, zugleich aber voller Fantasie. Menschen, Tiere und Landschaften erscheinen in neuen, unerwarteten Formen. „Ich möchte Bewegung sichtbar machen – sei es in Beziehungen, im Vogelschwarm oder im Windrad“, sagt Angelika. Für sie ist Stillstand langweilig; ihre Werke leben von Dynamik und Veränderung.
Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Januar 2026 zu sehen. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind dienstags bis freitags von 9 bis 13.30 Uhr und zusätzlich zu den Öffnungszeiten des Mühlencafés, mittwochs bis samstags, von 12 bis 17 Uhr und sonntags, von 10 bis 17 Uhr. (Foto und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: Angelika Kung, Meike Janßen und Jutta Caspers