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03.11.2026, Lokalredaktion
Mit einer ausführlichen Rückschau auf die zu Ende gehende Wahlperiode hat Ratsvorsitzender Michael Sander die letzte Sitzung des Rates der Gemeinde Stadland in der aktuellen Besetzung eröffnet. Dabei würdigte er insbesondere die sachorientierte Zusammenarbeit ohne feste Mehrheitsgruppe und bezeichnete die vergangenen fünf Jahre als gelebte Demokratie.
„Wir mussten bei allen Themen Mehrheiten finden. Das war manchmal herausfordernd, hat aber der Sache geholfen“, sagte Sander. Der offene Austausch unterschiedlicher Meinungen habe zu tragfähigen Entscheidungen geführt. Trotz kontroverser Diskussionen seien Professionalität, Respekt und Zielorientierung stets erhalten geblieben.
Zugleich erinnerte der Ratsvorsitzende an die großen weltpolitischen Ereignisse der vergangenen Jahre – von der Corona-Pandemie über internationale Konflikte bis hin zu politischen Veränderungen in Deutschland und den USA. In einer Schweigeminute gedachte der Rat der Opfer von Krieg und Gewalt.
Investitionen in Bildung, Feuerwehr und Infrastruktur
In seinem Rückblick hob Michael Sander zahlreiche Projekte hervor, die während der Wahlperiode umgesetzt oder auf den Weg gebracht wurden. Dazu zählen die Modernisierung der Feuerwehrhäuser in Rodenkirchen, Reitland und Seefeld sowie die nahezu abgeschlossene Erweiterung des Feuerwehrhauses in Schwei.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Schulen. Die Grundschulen wurden an die Anforderungen des Ganztagsbetriebs angepasst. Besonders prägend sei der Brand der Grundschule Schwei gewesen. Die daraus resultierende Entscheidung zur Schließung des Standortes und zum Ausbau der Grundschule Seefeld sei schwierig und emotional gewesen, habe aber eine langfristige Perspektive für den Schulbetrieb geschaffen.
Auch in den Kindertagesstätten wurden verschiedene Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt. Im Straßenbau verwies Sander darauf, dass es trotz der Abschaffung der Straßenausbaubeiträge gelungen sei, die Verkehrsinfrastruktur in einem guten Zustand zu halten. Als wichtiges Projekt der kommenden Jahre nannte er die Sanierung der Schulstraße in Schwei.
Darüber hinaus entstanden neue Wohnbauflächen in Reitland, Seefeld und Schwei. Für Rodenkirchen seien die Planungen für weitere Baugebiete bereits angelaufen.
Über 200 Sitzungen in fünf Jahren
Anhand einer statistischen Bilanz verdeutlichte Sander den Umfang der kommunalpolitischen Arbeit. In den vergangenen fünf Jahren tagten Rat und Ausschüsse insgesamt 211 Mal. Dabei wurden 206 Beschlussvorlagen, 173 Anträge, 184 Mitteilungen der Verwaltung sowie 25 Personalangelegenheiten behandelt.
Der Verwaltungsausschuss kam auf 55 Sitzungen, der Rat einschließlich der aktuellen Sitzung auf 47 Zusammenkünfte. Bei einer durchschnittlichen Sitzungsdauer von drei Stunden summiere sich allein die offizielle Gremienarbeit auf rund 633 Stunden.
Dank an Bürger, Verwaltung und Ehrenamtliche
Besonderen Dank richtete der Ratsvorsitzende an die Bürgerinnen und Bürger, die sich regelmäßig an Ratssitzungen beteiligt oder die Einwohnerfragestunde genutzt hätten. Ebenso würdigte er die Berichterstattung der Presse sowie die Arbeit der Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung.
Ausdrücklich bedankte sich Sander bei Bürgermeister Harald Stindt, Kämmerin Verena Huppert, den ehrenamtlichen Stellvertretern des Bürgermeisters sowie seiner stellvertretenden Ratsvorsitzenden Monika Hirdes.
Zum Abschluss zitierte er Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und unterstrich die Bedeutung demokratischer Werte: „Den Verächtern der Freiheit dürfen wir diese Farben niemals überlassen.“
Bürgermeister berichtet über erfolgreiche Veranstaltungen und laufende Projekte
Im anschließenden Bericht des Bürgermeisters blickte Harald Stindt auf zahlreiche Veranstaltungen und Entwicklungen der vergangenen Wochen zurück. Besonders positiv fiel seine Bilanz des diesjährigen Rodenkircher Marktes aus, der von gutem Wetter, hoher Besucherzahl und einem gelungenen Festumzug geprägt gewesen sei.
Weitere Themen waren die erneute Auszeichnung der Unterweser als Fairtrade-Region, Fördermittel für innovative Maßnahmen in den Häfen sowie verschiedene Sport- und Dorfgemeinschaftsprojekte.
Für den Volkstrauertag kündigte Stindt erstmals eine zentrale Gedenkveranstaltung für die gesamte Gemeinde am 15. November 2026 in Seefeld an.
Gemeinde bereitet Stellungnahme zur A20 vor
Im Rahmen der Einwohnerfragestunde erkundigte sich das künftige Ratsmitglied Matthias Münzinger nach dem aktuellen Stand des Planfeststellungsverfahrens zur A20.
Bürgermeister Stindt erklärte, die Gemeinde habe die ausgelegten Unterlagen geprüft. Viele bereits in früheren Stellungnahmen vorgebrachte Forderungen seien inzwischen berücksichtigt worden. Weitere Hinweise, etwa zu Lärmschutz und Verkehrsbelastungen, würden ergänzend eingebracht.
Bauamtsleiter Hans-Rasmus Steinke ergänzte, dass insbesondere der Schutz kommunaler Straßen und die Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe weiterhin im Fokus der Stellungnahmen stünden.
Diskussion über Nachnutzung des Kernkraftwerksgeländes
Ebenfalls thematisiert wurde die mögliche Nachnutzung des Geländes des Kernkraftwerks Unterweser. Nach Angaben der Verwaltung laufen derzeit Gespräche zwischen Eigentümern und potenziellen Investoren über verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, darunter Rechenzentren für Künstliche Intelligenz oder Energiespeicherlösungen.
Konkrete Entscheidungen gebe es bislang jedoch nicht. Die Gemeinde werde bei weitergehenden Planungen beteiligt.
Merkblatt für Grundstückseigentümer beschlossen
Einstimmig, mit zwei Enthaltungen, beschloss der Rat, auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die Erstellung eines verständlichen Merkblatts für Haus- und Grundstückseigentümer sowie Mieter. Ziel ist es, über Pflichten und Verantwortlichkeiten im Gemeindegebiet zu informieren und Missverständnisse zu vermeiden.
Elke Kuik-Janssen betonte, dass viele Regelverstöße nicht auf bösen Willen, sondern auf Unkenntnis zurückzuführen seien. Das Informationsangebot solle deshalb bewusst bürgerfreundlich und leicht verständlich gestaltet werden.
Zusätzliche Mittel für Feuerwehrhaus Schwei
Einstimmig votierte der Rat zudem für die Umschichtung von 300.000 Euro aus dem Projekt „Komplettsanierung Großsporthalle Rodenkirchen“ zur Erweiterung und Instandsetzung des Feuerwehrhauses Schwei. Hintergrund sind gestiegene Baukosten und zusätzliche Anforderungen im Projektverlauf.
Neues Wohngebiet in Rodenkirchen auf den Weg gebracht
Ebenfalls einstimmig beschloss der Rat die 44. Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 66 „Karl-Heinrich-Dettmers-Land“ in Rodenkirchen. Auf einer rund 3,37 Hektar großen Fläche soll künftig neuer Wohnraum entstehen.
Bauamtsleiter Hans-Rasmus Steinke berichtete, dass inzwischen auch die Zustimmung des Landkreises für den Grunderwerb vorliege. Mehrere Ratsmitglieder hoben hervor, dass damit nach langer Suche wieder neue Entwicklungsmöglichkeiten für Familien, Senioren und den Mietwohnungsbau geschaffen würden.
Blick auf die konstituierende Sitzung
Abschließend informierte Bürgermeister Stindt über die nächsten Termine. Die konstituierende Sitzung des neu gewählten Rates findet am Donnerstag, 5. November 2026, um 18 Uhr, in der Markthalle statt. Dort sollen auch die ausscheidenden Ratsmitglieder offiziell geehrt und verabschiedet werden.
Mit Dankesworten für die Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren endete die letzte reguläre Ratssitzung der laufenden Wahlperiode. Mehrere Ratsmitglieder würdigten dabei die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung zum Wohle der Gemeinde Stadland. (Foto und Text: Kerstin Seeland)