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13.12.2025, Lokalredaktion
Kultur im ländlichen Raum bewegt sich in einem Spannungsfeld. Sie lebt von Nähe, Gemeinschaft und der Verwurzelung der Menschen mit ihrem Ort. Wenn etwas stattfindet, kommen die Leute oft verlässlicher als in der Stadt. Gleichzeitig fehlen die Dinge, die städtische Kulturangebote selbstverständlich mitbringen: eine hohe Publikumsdichte, spontane Besucherströme und ein professionelles Umfeld.
Genau hier entsteht der Konflikt. Die große Stärke der ländlichen Kultur, ihre Gemeinschaftsorientierung, wird zunehmend zur Schwachstelle. Denn sie ist auf engagierte Ehrenamtliche angewiesen. Wie es mit der Kultur im „platten Land“ weitergeht, war daher auch Thema einer neuen Dialogreihe der „Landesgruppe Niedersachsen der Kulturpolitischen Gesellschaft“ in der Seefelder Mühle. Auf der Bühne diskutierten der CDU-Landtagsabgeordnete und ehemalige Kulturminister Björn Thümler sowie Bernt Wach, Vorstandsmitglied im Landesverband Soziokultur und Geschäftsführer der Kulturetage Oldenburg. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jens Enders, Sprecher der Landesgruppe.
In Zeiten knapper öffentlicher Kassen, wachsender sozialer Ungleichheit und zunehmender politischer Polarisierung wird der Wert von Kultur neu austariert zwischen gesellschaftlicher Teilhabe, künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichen Zwängen. Niedersachsen hat darauf reagiert. Laut Thümler verfügt das Land seit 2022 über ein eigenes Kulturfördergesetz. „Das Gesetz legt erstmals verbindlich fest, dass Kulturförderung eine öffentliche Aufgabe des Landes ist“, betonte Thümler. Gerade für den ländlichen Raum sei das ein starkes Argumentationsfundament. „Es verpflichtet das Land, Kultur dauerhaft, verlässlich und strategisch zu fördern und hebt ausdrücklich die Bedeutung ländlicher Räume hervor.“ Allerdings müsse dieses Gesetz nun auch „mit Geld unterfüttert“ werden. Derzeit liege es faktisch auf Eis.
Thümler riet den vielen Akteurinnen und Akteuren der Kulturszene, ihre Kräfte zu bündeln, um mit einer Stimme sprechen zu können. Wie Thümler forderte auch Bernt Wach mehr Kontinuität in der Finanzierung, damit Kultur auf dem Land verlässlich bleibt. Man müsse weg von der ständigen Projektlogik, die immer neue Anträge erfordert. Ein weiteres Hindernis im ländlichen Raum sei die eingeschränkte Mobilität.
„Kultur fördert die Gemeinschaft und stärkt die Demokratie“, betonte Wach. Gerade in Zeiten wie diesen brauche es Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Wer sich beteilige, stehe für die Gemeinschaft ein und gestalte sie aktiv mit. Kultur auf dem Land funktioniert noch. Sie ist vielfältig, lebendig und in der Region verankert. Veranstaltungen mit regionalen Bezügen sind ein Markenzeichen der Wesermarsch und sollen es auch künftig bleiben. Ein ehrenamtliches Engagement ist dazu unverzichtbar. (pm/lr – foto: Büro Thümler)
Foto (von links): MdL Björn Thümler (CDU), Jens Enders sowie Bernt Wach