Sie können uns unterstützen

31.08.2026, Lokalredaktion
Rund 200 bis 250 Menschen und etwa 20 Boote beteiligten sich in Nordenham an einer Protestaktion gegen eine weitere Vertiefung der Weser. Das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung, unterstützt unter anderem vom BUND und dem Verein Weserschutz, warnte vor weiteren Folgen für Natur, Wasserqualität und Hochwasserschutz.
Kritisiert wurden insbesondere zunehmende Verschlickung, eine stärkere Versalzung des Weserwassers sowie wachsende Risiken für Deiche und Häfen. Mit einer Menschenkette vom Leuchtturm bis zum Segelclub setzten die Teilnehmer ein sichtbares Zeichen gegen weitere Eingriffe in den Fluss.
Zum Abschluss wurde gemeinsam ein umgedichtetes Lied gesungen, das die zentrale Botschaft der Veranstaltung aufgriff: Die Weser könne auch ohne weitere Vertiefung für die Schifffahrt genutzt werden.
Wirtschaftsverband Weser fordert Generalplan Wesermarsch
Der Wirtschaftsverband Weser appelliert an die Parteien, die Mitglieder des Kreistages und die Stadträte von Brake und Nordenham, sich zu folgenden Grundsätzen zu bekennen:
- Das reguläre Planfeststellungsverfahren wird nicht politisch vorweggenommen.
- Alle ökologischen, wasserwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen werden vollständig und transparent untersucht.
- Die verlässliche nautische Erreichbarkeit der Häfen Brake und Bremerhaven bleibt ein zentrales Ziel der regionalen Politik.
- Der Generalplan Wesermarsch und weitere Maßnahmen zum Wasser-, Hochwasser- und Sedimentmanagement werden zügig und unabhängig vom Ausgang des Planfeststellungsverfahrens umgesetzt.
- Die Zukunft der Region wird nicht durch vereinfachende Gegensätze zwischen Wirtschaft und Umwelt bestimmt, sondern durch gemeinsam entwickelte und finanzierte Lösungen.
Keine Entscheidung über unsere Zukunft ohne ein ordentliches Verfahren.
Der Wirtschaftsverband Weser steht für eine sachliche Debatte. Der Verband respektiert unterschiedliche Auffassungen. Er erwartet jedoch, dass Behauptungen überprüfbar sind und politische Entscheidungen auf den Ergebnissen der vorgesehenen Untersuchungen beruhen.
Die Menschen in Brake, Nordenham und der gesamten Wesermarsch haben Anspruch auf: einen wirksamen Umwelt- und Gewässerschutz und auf eine wirtschaftliche Zukunft ihrer Hafen- und Industriestandorte. Der Verband bittet, sich im Kommunalwahlkampf und darüber hinaus hierfür einzusetzen.
Fakten prüfen. Weser schützen. Häfen sichern.
Am 13. September 2026 werden der Kreistag des Landkreises Wesermarsch sowie die kommunalen Vertretungen in Brake, Nordenham und den übrigen Städten und Gemeinden neu gewählt.
Die Zukunft der Weser, der Häfen und der davon abhängigen Arbeitsplätze werden im Kommunalwahlkampf eine wichtige Rolle spielen. Das ist richtig. Die Diskussion muss jedoch auf nachvollziehbaren Fakten beruhen. Sie darf nicht durch pauschale Behauptungen, unbewiesene Kausalzusammenhänge oder eine politische Vorfestlegung bestimmt werden.
Das Ergebnis des Weserverfahrens sollte nicht politisch vorweg genommen werden
Die geplante Anpassung der Außenweser und der Unterweser ist ein reguläres Infrastrukturvorhaben des Bundes. Ziel der Anpassung der Unterweser ist es, dass der Seehafen Brake künftig von Schiffen mit einem Abladetiefgang von bis zu 12,80 Metern tideabhängig erreicht werden kann.
Über die Zulässigkeit und die konkrete Ausgestaltung des Vorhabens wird in einem rechtsstaatlichen Planfeststellungsverfahren zu entschieden. In diesem Verfahren müssen die wirtschaftlichen, ökologischen und wasserwirtschaftlichen Auswirkungen umfassend untersucht, öffentlich erörtert und gegeneinander abgewogen werden.
Wer das Vorhaben bereits vor Vorlage und Prüfung der vollständigen Untersuchungen ablehnt, entscheidet nicht auf Grundlage der Ergebnisse des Verfahrens. Er trifft eine politische Vorfestlegung.
Die Sorgen der Menschen müssen ernst genommen werden.
Fragen zur Verschlickung, zur Salzbelastung, zur Tideentwicklung, zum Hochwasserschutz, zur Entwässerung und zur Süßwasserversorgung sind berechtigt. Sie dürfen weder heruntergespielt noch ignoriert werden. Es ist jedoch ebenso wenig sachgerecht, sämtliche heutigen Probleme der Weser und der Wesermarsch allein früheren oder geplanten Fahrrinnenanpassungen zuzuschreiben.
Die Weser ist ein komplexes Ästuarsystem. Tide, Oberwasserabfluss, Sedimente, Meeresspiegel, Sturmfluten, klimatische Veränderungen, wasserbauliche Anlagen und Einträge aus dem gesamten Einzugsgebiet wirken zusammen. Gerade deshalb brauchen wir belastbare Untersuchungen, ein dauerhaftes Monitoring und konkrete technische Lösungen. Pauschale Schuldzuweisungen helfen der Region nicht.
Wirtschaft und Umwelt dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Die Weser ist seit Jahrhunderten die Lebensader der Region.
Die erste große Weserkorrektion von 1887 bis 1895 war eine wesentliche infrastrukturelle Voraussetzung dafür, dass sich die Unterweser von einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Region zu einem international vernetzten Hafen-, Industrie- und Logistikstandort entwickeln konnte.
Diese Entwicklung hatte viele Ursachen. Dazu gehörten technischer Fortschritt, Bildung, soziale Sicherung, industrielle Investitionen und bessere Verkehrsverbindungen. Eine leistungsfähige Wasserstraße war jedoch eine entscheidende Voraussetzung.
Heute sichern die Häfen in Brake und Bremerhaven unmittelbar und mittelbar zahlreiche Arbeitsplätze in:
- Hafenwirtschaft und Umschlag,
- Industrie und Handwerk,
- Logistik und Schifffahrt,
- Land- und Ernährungswirtschaft,
- Handel und Dienstleistungen.
Unternehmen können nur dann langfristig investieren, wenn sie auf die Erreichbarkeit ihres Standortes vertrauen können.
Schiffe werden größer. Wenn sie Brake nicht mit einer wirtschaftlich ausreichenden Ladung erreichen können, verlieren der Hafen und seine Kunden Ladung, Verbindungen und Investitionen an konkurrierende Standorte, die sich in den Niederladen und Belgien befinden.
Brake braucht Schiffe, die auch voll beladen ankommen.
Die Fahrrinnenanpassung ist deshalb kein Sonderinteresse eines einzelnen Unternehmens. Sie betrifft die wirtschaftliche Grundlage der gesamten Region und dient der Versorgungssicherheit Deutschlands. Ohne eine erreichbare Weser gibt es keine leistungsfähigen Häfen. Ohne leistungsfähige Häfen verliert die Unterweserregion Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Zukunftsperspektiven.
Der Generalplan Wesermarsch muss umgesetzt werden.
Der Wirtschaftsverband Weser unterstützt ausdrücklich die Umsetzung des Generalplans Wesermarsch. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässersituation, der Süßwasserverfügbarkeit sowie der Be- und Entwässerung sind unabhängig von der abschließenden Entscheidung über die Fahrrinnenanpassung erforderlich.
Das Land Niedersachsen hat die Umsetzung des Generalplans bewusst von der späteren Entscheidung über das Einvernehmen zur Weseranpassung entkoppelt. Über das Vorhaben soll erst am Ende des Verfahrens auf Grundlage der ökologischen und ökonomischen Fakten entschieden werden.
Auch ein modernes Sedimentmanagement, wirksamer Hochwasserschutz und verbindliche Lösungen für betroffene Häfen, Landwirtschaft und Wasserverbände müssen Bestandteil einer gemeinsamen Zukunftsstrategie sein. (pm/lr – Foto: J.Müller/Brake)