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02.05.2026, Lokalredaktion
Einstimmig wurde der Vorstand auf der Jahreshauptversammlung des Refugium Wesermarsch gewählt. Nachdem Beata Hellmers nach 4-jähriger Vorstandstätigkeit auf eigenen Wunsch ausgeschieden ist, rückte für sie Ufuk Yola (2. von rechts) nach. Die Interkulturalität konnte hier auch im Vorstand erhalten werden.
Der Verein blickte auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück mit einem Ausbau der Beratungstätigkeit und vielen passgenauen Integrationsangeboten. Doris Ammermann zeigte als Leiterin die gelungene Arbeit, aber auch die Herausforderungen in der Zukunft auf. Rüdiger Galli (Schatzmeister), Sivalingam Sireetharan (Vorsitzender), Zeliha Aykanat (stellvertretende Vorsitzende) und Stephan Goltermann (weiterer Vorstand) wurden in ihre Ämter wiedergewählt.
Der Verein Refugium Wesermarsch hat in 2025 ca. 480.000 Euro an externen Fördermitteln (Bund, Land, EU) für die Integrationsarbeit in den Landkreis eingeworben.
Derzeit verfügt der Verein über 1,6 Stellen Migrationsberatung für Erwachsene (MBE, Bundesministerium des Innern und für Heimat), 1 Stelle Jugendmigrationsdienst (JMD, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), 3 Stellen Migrationsberatung nach der Richtlinie Migration (Land Niedersachsen), 1 Stelle Beratung zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten (ESF-Plus-Projekt NETWIN PLUS), 1 Stelle Integrationsarbeit (Landkreis Wesermarsch) sowie ab September 2025 0,7 Stellenanteile Beratung zur freiwilligen Rückkehr (Land Niedersachsen).
Im vergangenen Jahr wurden im Refugium zugewanderte Ratsuchende in 11.576 Beratungsgesprächen unterstützt. Die verschiedenen Controlling-Instrumente der Beratungsdienste zählen insgesamt 3.615 Personen (Hier sind Doppelnennung enthalten, wenn Klienten verschiedenen Dienste in Anspruch nehmen (müssen)).
In den Kommunen Berne, Stadland, Brake, Nordenham, Lemwerder und Ovelgönne waren sechs Flüchtlingsbetreuer*innen in Teilzeit tätig. Sie gewährleisten eine niedrigschwellige, kontinuierliche Betreuung vor Ort.
Zudem wurden Sprachmittler*innen mit insgesamt 2.520 Stunden (2024: 4360 Sunden) eingesetzt, davon 721 Stunden (2024: 1050 Stunden) im medizinischen Bereich. Ferner hat das Refugium insgesamt 18.520 Stunden Lernförderung nach dem Bildungs- und Teilhabepaket für zugewanderte Kinder durchgeführt und damit ihre nachhaltige Integration und Teilhabe entscheidend gefördert.
Das Leistungsspektrum des Vereins umfasst Arbeitsmarktintegration, Deutschkurse, Ehrenamtlichenarbeit, Fahrradkurse für Frauen, Frauentreff, Frauentanzabende, Familiencafés, Flohmärkte, Flüchtlingsbetreuung, Integrationsberatung, Interkulturelles Sommerfest, Interkultureller Treff, Jugendmigrationsdienst, Kreatives Malen, Kulturmittlung, Lernförderung, Migrationsberatung, Nähtreffs, Patenschaftsprogramm, Rückkehrberatung, Sprachmittlereinsätze und die Teilnahme am Weltfrauentag.
Das Refugium Wesermarsch ist ein unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Infrastruktur des Landkreises. Durch professionelle Beratung, starke Vernetzung und flexible Projektarbeit leistet der Verein einen nachhaltigen Beitrag zur Integration und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
„Im 1. Quartal 2026 blicken wir mit Sorge auf die vielen Konfliktherde weltweit. Der Ukrainekrieg ist in seinem fünften Jahr, ein Ende ist nicht abzusehen, ein neuer Krieg mit dem Iran hat begonnen. Im Nahen Osten sind neue Krisenherde entstanden, die Lage im Libanon ist äußerst prekär. Die Situation in Afghanistan hat sich weiter verschlechtert, eine Zuwendung zu Demokratie ist nicht in Sicht. Es ist unklar, wie sich die Lage in Syrien – nach einer kurzzeitigen Ahnung von Zuversicht – weiter entwickelt. Viele Menschen leiden unter politischer Verfolgung, die meisten suchen noch heimatnah Schutz“, berichtet Doris Ammermann, „Kriminelle Banden dominieren den Lebensalltag in vielen Ländern, auch davor fliehen Menschen. Klimaveränderung und wirtschaftliche Not macht das Überleben mancherorts unmöglich, Betroffene migrieren. Es ist zu erwarten, dass Flucht und reguläre Migration nach Deutschland weiterhin stattfinden wird.“
Von den 10.791 Ausländern im Landkreis haben etwa 4.000 einen Fluchthintergrund, rund 1500 kommen aus südosteuropäischen EU-Ländern mit deutlich überproportional prekären Beschäftigungsverhältnissen und Lebenssituationen in Deutschland. Besonders diese Gruppen benötigen Unterstützung und Aufklärung bei der Orientierung und Einfindung in die deutsche Gesellschaft. Nur das Vorhandensein einer belastbaren Integrationsstruktur mit verlässlichen
Trägern und Akteuren ermöglicht eine konstruktive, friedliche Integration Zugewanderter in die Gesellschaft vor Ort. Als leistungsfähiger Träger akquiriert das Refugium jährlich erhebliche Fördermittel für die Integrationsarbeit in der Wesermarsch – allein im Jahr 2025 über 480.000 Euro. Um diesen wichtigen Beitrag weiterhin mit Mehrwert für den Landkreis leisten zu können, bleibt eine kontinuierliche Förderung des Trägers durch den Landkreis essenziell. (pm/lr – Fotos. Refugium)