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07.08.2026, Lokalredaktion
Die Konzertreihe „Berner Abendmusiken“ wird am Sonntag, den 16. August 2026 fortgesetzt. An der Orgel ist die Berner Organistin Natalia Gvozdkova zu hören.
Für das Programm hat die Solistin Orgelwerke deutscher und französischer Komponisten ausgesucht.
Im Zentrum des Programms steht die herausragende Komposition über das Magnificat von Melchior Schidt (1592 o. 1593 – 1667). Das Magnificat von Schildt hat fünf Teile und zeigt die meisterhafte Kompositionskunst von Melchior Schildt. Er entstammte einer Organistenfamilie aus Hannover. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater waren Organisten. 1609 reiste Schildt nach Amsterdam, um dort bei dem großen Meister Sweelinck Orgel zu studieren. Nach dem Schildt den Organistenposten in Wolfenbüttel und am Hof von Christian IV von Dänemark in Kopenhagen bekleidet hatte, wurde er 1629 und bis zu seinem Lebensende Organist an der Marktkirche in Hannover. Interessant ist, dass Schildt in seinem Testament über die Ausbildung für seinen Sohn folgendes geschrieben hatte: „Er solle was redtliches undt nutzliches studieren…“, jedoch „auf keinem musicalischen instrumente, eß sei, laute, geige, fleute oder clevicordi, oder sonste dergleichen, durch auß nicht lernen sol“. Seinem Nachlass nach war Melchior Schildt ein wohlhabender Mann. Leider sind uns nur wenige seiner Orgelkompositionen überliefert.
Dagegen sind uns von seinem Zeitgenossen, dem berühmten Hamburger Organisten und Orgellehrer Heinrich Scheidemann (um 1596 – 1663), zahlreiche Orgelwerke erhalten geblieben. Im Konzert erklingen zwei Choralbearbeitungen und eine fröhliche Canzona in G von ihm.
Die französische barocke Musik wird mit zwei Komponisten vertreten: Lius Couperin (um 1626 – 1661) und François Roberday (1624 – 1680). 1653 trat L. Couperin als Erster seiner Dynastie das Organistenamt an St-Gervais in Parsi an. Er war zudem ein herausragender Cembalist und Geiger. Aus seiner Sammlung Fantasien für Orgel hat N. Gvozdkova vier Stück ausgesucht, die für die Berner Orgel, die auf keiner Weise französisch ist, gut passen. Weniger bekannt ist heute der Name von François Roberday. Aber zu seinen Lebenszeiten genoss er in Paris einen guten Ruf als Organist und wirkte in Notre-dame-des-Victoires und in les-Petits-Pères. Ein Stück aus seiner Sammlung „Fugues et Caprices à 4 parties“ (Fugen und Capricen zu 4 Stimmen) wird an dem Abend zu hören sein. Einige Stücke dieser Sammlung besieren auf Themen von anderen berühmten Komponisten.
Natalia Gvozdkova studierte Klavier am Saratower Konservatorium in der damaligen Sowjet Union. Das Interesse an der barocken Cembalo- und Orgelmusik führte sie 2004 nach Deutschland. An der Bremer Hochschule für Künste hat sie Orgel, Cembalo und Kirchenmusik studiert. 2010 – 2014 war sie als Kreiskantorin im Kirchenkreis Salzwedel in Gardelegen (Altmark) tätig. Unter anderem beschäftigte sich N. Gvozdkova in der mitteldeutschen Region mit Fragen der Pflege und des Erhalts der kleinen historischen Dorfinstrumente. Durch Praktika in verschiedenen Orgelbaubetrieben erwarb sie umfangreiche Kenntnisse im Orgelbau.
Nach der Ausbildung zur Orgelsachverständigen hat sie im November 2024 die Stelle als Kantorin in Berne (LK Wesermarsch) und Orgelsachverständige der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg angetreten. Im Kirchenkreis Wesermarsch ist Natalia Gvozdkova für Vermittlung und Pflege der Orgelkultur und Orgelmusik beauftragt. Im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Oldenburgischen Orgellandschaft ist sie auf die Besonderheiten der Entwicklungen in der Orgelgeschichte der Region spezialisiert. Gvozdkova konzertiert auf verschiedenen historischen Orgeln und als Cembalistin in kammermusikalischen Besetzungen. Sie betreut als künstlerische Leiterin zwei Konzertreihen der Region „Langwarder Orgelsommer“ und „Berner Abendmusiken“.
Der Eintritt ist frei. (pm/lr – Foto: Chr. Debus)
Wann: 16.08.2026, 19:00 Uhr
Wo: Am Breithof 5 , 27804 Berne