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16.04.2026, Lokalredaktion
Am morgigen Freitag präsentiert das Blauschimmel-Atelier um 11:30 Uhr im Hotel „König von Griechenland“ eine inklusive Theaterperformance, die im Rahmen des landesweiten Förderprogramms zur Demokratiebildung entstanden ist. Unter der künstlerischen Leitung der Theaterpädagoginnen Ute Bommersheim und Theresa Ehmen hat ein heterogenes Ensemble aus Schüler:innen der BBS Varel (Heilerziehungspflege) und Bewohner:innen der Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle ein Stück entwickelt, das sich mit zentralen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens auseinandersetzt.

Das Blauschimmel-Atelier arbeitet seit vielen Jahren als unabhängige, öffentlich geförderte Institution an der Schnittstelle von Kunst, Inklusion und politischer Bildung. Sein Ansatz: künstlerische Arbeit ohne Etiketten. Alle Mitwirkenden werden als Schauspieler:innen und Musiker:innen wahrgenommen – unabhängig von Alter, Herkunft, Orientierung oder Behinderung. Diese Haltung prägt auch das aktuelle Projekt, das sich dem Jahresthema Demokratieförderung widmet. Leitfragen wie „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ und „Wie gestalten wir ein gutes Miteinander?“ bildeten den Ausgangspunkt für die gemeinsame Entwicklung des Theaterstücks.

Dies erfolgte über improvisatorische Methoden: gemeinschaftsstiftende Übungen, Impulsarbeit, emotionale Ausdrucksformen und konkrete Spielsituationen. Daraus entstanden Szenen zu Themen wie Barrieren im Alltag, Diskriminierungserfahrungen, Einschränkungen persönlicher Freiheiten und der Frage, wie schnell demokratische Strukturen ins Wanken geraten können. Trotz der Kürze der Projektzeit gelang es dem Ensemble, persönliche Erfahrungen einzubringen und Bezüge zu realen Lebenssituationen – etwa Fahrten mit dem Bus, Ämtergänge oder Wahlen – herzustellen.

Besonders herausfordernd war die Übersetzung abstrakter Demokratiethemen in ein Ensemble mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Gleichzeitig zeigte sich, wie stark die Teilnehmenden auf dystopische Szenarien reagieren – und wie wichtig es ist, gemeinsam utopische, positive Zukunftsbilder zu entwerfen. Das Stück wagt diesen Schritt und öffnet Räume für konstruktive Visionen eines solidarischen Zusammenlebens.
Die Aufführung findet an einem Ort statt, der seit Jahrzehnten als Modell gelebter Inklusion gilt: Die Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle vereint Wohnen, Werkstätten, Landwirtschaft, Dorfladen, Hotelbetrieb und ein eigenes Orchester. Für das Blauschimmel-Atelier ist es der erste Einsatz vor Ort – verbunden mit dem Eindruck eines „inklusivsten Ortes“, an dem künstlerische Arbeit unmittelbar auf gelebte Vielfalt trifft.
Zum Publikum werden u. a. eine weitere BBS-Klasse, Mitarbeitende der Bereiche Keramik und Landwirtschaft sowie eingeladene Werkstattbeschäftigte erwartet. Nach der etwa 15‑minütigen Performance ist ein Publikumsgespräch vorgesehen. Das Ende der Veranstaltung ist gegen 12 Uhr geplant.
In Zeiten, in denen kulturelle Bildungsarbeit zunehmend unter politischen Druck gerät, setzen Projekte wie dieses ein deutliches Zeichen: für Offenheit, Teilhabe und die Stärkung demokratischer Werte. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Wann: 17.04.2026, 11:30 Uhr
Wo: Breite Straße 20, 26939 Ovelgönne