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20.03.2026, Lokalredaktion
Immer mehr Berufsbetreuer im Landkreis Wesermarsch geben ihr Mandat zurück. Grund: Sie müssen oft monatelang auf ihr Geld warten, das sie von den Amtsgerichten bekommen. Die Folge: Die Menschen, die dringend Unterstützung und Begleitung in ihrem Alltag benötigen, geraten in Not.
Dieses Thema beschäftigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der jüngsten Sitzung des Kreisbehindertenbeirates (KBR) Wesermarsch im Kreishaus in Brake.
Wenn Berufsbetreuer ihre Tätigkeit aufgeben, ist das auch deshalb dramatisch, weil es viel zu wenige gibt und der Landkreis Wesermarsch intensiv nach ihnen sucht. Zugleich steigt die Zahl derjenigen Menschen, die eine Berufsbetreuung beantragen.
Berufsbetreuer übernehmen für Menschen, die ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln können, eine gesetzlich geregelte Verantwortung. Sie handeln nicht wie Vormünder früher, sondern als rechtliche Vertreter auf Augenhöhe, mit klar definierten Aufgaben und Grenzen.
Die Gruppe der Klienten setzt sich unterschiedlich zusammen. Es sind zum Beispiel Menschen mit psychischen Erkrankungen, Personen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, ältere Menschen mit Demenz, Menschen in sozialen Krisen wie zum Beispiel Obdachlosigkeit oder Überschuldung und Personen nach schweren Unfällen oder Krankheiten.
Der stellvertretende KBR-Vorsitzende Lukas Handelshauser unterstrich anhand von persönlichen Nachrichten von Berufsbetreuern, wie dringend die Lage ist. Das Amtsgericht Nordenham lässt sich nach KBR-Informationen besonders viel Zeit beim Bezahlen der Berufsbetreuer.
Der KBR will das Thema auf seiner nächsten öffentlichen Sitzung am 20. April um 16.30 Uhr im Braker Kreishaus erneut aufgreifen. Hierzu werden auch Vertreter der zuständigen staatlichen Stellen eingeladen.
Auf der KBR-Sitzung wurden noch weitere Themen behandelt. So ging es um die vergangene Wetterlage mit Schnee und Eis, die vor allem für Menschen mit Behinderungen und für Senioren mit großen Einschränkungen verbunden war.
Zum Teil kamen die Bürgerinnen und Bürger ihren Räumpflichten nicht nach, wie der KBR beobachtet hat.
Der KBR-Vorsitzende Albert Mumme forderte die Ordnungsämter zu stärkeren Kontrollen auf. Auf Vorschlag des stellvertretenden KBR-Vorsitzenden Hermann Noelcke kommt das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Bürgermeister-Runde, zu der der KBR in diesem Jahr einlädt. Noelcke regte einen Winteraktionsplan für die Städte und Gemeinden an.
Das Thema des bezahlbaren und barrierefreien Wohnraumes beschäftigte den KBR ebenfalls erneut. Nach Auffassung des KBR-Mitglieds Sven Janßen spitzt sich die Situation immer weiter zu. „Selbst Menschen mit gutem Einkommen finden keine Wohnungen mehr“, so Janßen. Das sei auch für die Suche nach Fachkräften ein großer Nachteil.
Der Kreisbehindertenbeirat sucht weiterhin den Austausch mit den Wohnungsbaugesellschaften und der Politik. (pm/lr)
Wann: 20.04.2026, 16:30 Uhr
Wo: Poggenburger Straße 15, 26919 Brake