Mieter im Kompetenzzentrum des ehemaligen St.-Bernhard-Areals befürchten einen Ausverkauf von medizinischen Kompetenzen am Standort Brake. Sie „vermissen einen Aufschrei der Braker“ und beklagen das angeblich fehlende Engagement beim Landkreis und bei der Stadt. Diesem Eindruck möchte Hans Francksen, als Abgeordneter der SPD-Fraktion im Kreistag und als Mitglied der 7-köpfigen „Arbeitsgruppe Gesundheit 2040“ deutlich entgegentreten:
- Zur Ausgangslage: Am 7. Juli, zu Beginn der Parlamentsferien, wurde durch St.-Bernhard völlig überraschend die Schließung ihres gesamten Klinikbetriebs zum 30. September verkündet. Wie wir heute wissen, fiel der Vorhang für die Klinik dann schon zum 14. August, wenig später dann auch für die ambulante Versorgung im MVZ.
- Trotz der Parlamentsferien sind aus dem Kreis der Arbeitsgruppe heraus sofort Kontakte zur umfänglichen Sachlagenbewertung aufgenommen, Prämissen sowie Folgenszenarien mit Handlungsoptionen entwickelt worden. In gleicher Weise nutzte auch der Landrat seine Netzwerke bis hin zum Sozial- und Gesundheitsminister Andreas Philippi.
- Alle Beteiligten waren sich in der Zielsetzung einig, am Standort Brake ein ambulantes Gesundheitszentrum mit umfänglichem Leistungs- und Qualitätsangebot zu etablieren, und zwar als starke Achse zum Klinikstandort Esenshamm.
- Insoweit teilen wir nicht die Vorwürfe der Mieter aus dem Kompetenzzentrum, die sich einen Wettbewerb mit der Klinik Reinkenheide und der Medoplan gewünscht hätten. Langwierige Warteschleifen im Vergabeverfahren wären jedoch fatal in dieser ohnehin schwierigen Situation gewesen. Wir sind alle vielmehr erleichtert, dass Helios innerhalb von wenigen Wochen dem Kreistag und dem Ministerium ein aussagefähiges Konzept sowohl für den Ausbau der stationären Versorgung in Esenshamm als auch für den Standort Brake vorgelegt hat. Die zügige Vergabe der Arztsitze an die Heliosklinik für das MVZ in Brake durch den KVN unterstreicht das ambitioniertes Vorgehen.
- Als positiv bewerten wir auch die jüngst verkündeten Ambitionen der Heliosklinik zur Reaktivierung deren Geburtenstation, Gynäkologie und Frauenheilkunde. Bereits vor 1 ½ Jahren hatte es vom Regionalgeschäftsführer Rasche in dieser Richtung die ersten Signale gegenüber der Arbeitsgruppe gegeben.
- Als Kernbotschaft erwarten die Beschwerdeführer vom Landkreis, dass dieser der Stiftung per dato eine Zusage für den Kauf aller Liegenschaften auf dem ehemaligen Klinikareal erteilt. Derartige Erwartungshaltungen irritieren schon deshalb, als der Vorstand der Stiftung, Ingo Penner, und die Geschäftsführung der Heliosklinik den Sitzungsteilnehmern im Kreishaus in Anwesenheit des Gesundheitsministers erklärt hatten, dass man sich in den wesentlichen Modalitäten mit dem Ziel des Abschlusses eines Pachtvertrages geeinigt hätte.
- Für einen Kauf des vorstehenden Areals durch den Landkreis vermag ich auch keine Signale zu erkennen. Vielmehr sehen wir die Stiftung als ehemalige Gesellschafterin der St.Bernhard-Klinik gGmbH sowie als Eigentümerin der Immobilien in der Rolle, den zu recht besorgten Mietern des Kompetenzzentrum nunmehr direkte Mietverträge zur Sicherung ihrer Unternehmungen anzubieten. Ferner nehmen wir die Verantwortlichen der Stiftung sowie des Bistums Vechta beim Wort, nach der durch deren spontane Schließung ausgelöste Unruhe bei allen Beteiligten, besonders bei Mitarbeitern und Patienten, jetzt für verlässliche Regelungen zur Gestaltung geordneter Übergänge einzustehen. Die aus dem Kompetenzzentrum gegenüber dem Landkreis geäußerten Vorhaltungen entbehren jedenfalls jeglicher Grundlage.
Nordenham, 10.9.26 – Hans Francksen