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28.05.2026, Lokalredaktion
Wesermarsch bereitet sich vor: Zweiter Hochwasserschutztag rückt vulnerable Gruppen und Pflege stärker in den Fokus.
Wenn der Strom länger ausfällt, geraten Pflegebedürftige schnell in Not. Wichtige Medikamente können nicht gekühlt werden, Beatmungsgeräte funktionieren nur für eine gewisse Zeit, Fahrstühle und das Telefon fallen aus. Wie Betroffene und Angehörige vorsorgen können, wird beim Hochwasserschutztag gezeigt, der am Samstag, 27. Juni 2026, von 10 bis 17 Uhr, in Brake stattfindet. Besucherinnen und Besucher erwartet an der Kaje und auf dem Gelände des OOWV (Georgstraße 4) ein abwechslungsreiches Programm mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion, Vorträgen und Workshops. Zudem gibt es ein gastronomisches Angebot und Kinderkino.

Zwei Jahre nach dem ersten Hochwasserschutztag hat der Landkreis Wesermarsch am Mittwoch eine Pressekonferenz genutzt, um die inhaltlichen Schwerpunkte der diesjährigen Veranstaltung vorzustellen. Während beim ersten Termin vor allem Einsatzkräfte, Großgeräte und Katastrophenschutzübungen im Mittelpunkt standen, richtet sich der Fokus nun stärker auf vulnerable Gruppen, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. Organisiert wird die Veranstaltung im Rahmen des LifeGRID-Projekts, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. „Denn schließlich muss bedacht werden, dass es in der Wesermarsch rund 8.000 Pflegebedürftige gibt.“
Der erste Kreisrat Matthias Wenholt betonte, dass das Projekt „LiveGrid“ inzwischen deutlich gereift sei: „Wenn man heute in den Horizont schaut, sieht man bereits das Ende des Projekts am nächsten Jahresende aufscheinen. Wir sind inhaltlich weit vorangekommen.“ Die Steuerungsgruppe habe daher entschieden, den fachlichen Schwerpunkt stärker auf die Pflege auszurichten – ein Bereich, der im Katastrophenfall besondere Aufmerksamkeit benötigt. „Damit wollen wir die Bürgerinnen und Bürger in der Wesermarsch sensibilisieren, sich auf einen Katastrophenfall vorzubereiten“, unterstricht Kathleen Hirsch (DRK)
Wie bereits 2024 findet der Hochwasserschutztag erneut auf dem Gelände des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) statt. Matthias Wenholt lobte die enge Zusammenarbeit: „Der OOWV ist ein verlässlicher Vollpartner und leistet einen wichtigen inhaltlichen Beitrag – insbesondere durch seine starke Notstromversorgung.“ Auch bei der Planung von zwei Evakuierungszentren in der Wesermarsch spielt der Verband eine zentrale Rolle.
In diesem Jahr stehen inhaltliche Formate im Vordergrund: Workshops, Fachvorträge und niedrigschwellige Angebote für Familien, pflegende Angehörige und Interessierte.
Workshops für Pflegeeinrichtungen
Offene Angebote für pflegende Angehörige
Dunkelraum‑Erlebnis für Kinder und Jugendliche
Open Ship der Wasserschutzpolizei
Vorsorgeberatung der Johanniter
Ziel des Hochwasserschutztages ist es, Katastrophenvorsorge verständlich, alltagsnah und ohne Angst zu vermitteln.
In den Vorträgen geht es beispielsweise um Notstromversorgung, um die Funktion von Warn-Apps, um die Plattform „kein Notfall.de“, um eine Starkregensimulation für die Braker Sielacht aus dem EU-Projekt FIER und um die Vorteile des neuen Pflegeregisters, in das sich Interessierte vor Ort eintragen lassen können. Außerdem ist ein neuer Ratgeber mit Tipps zur Vorsorge und Checklisten zum Heraustrennen kostenlos erhältlich.
„Wir beleuchten alle Aspekte der Krisenvorsorge, Pflegestrukturen und lassen Fachleute zu Wort kommen“, erläutert Matthias Wenholt. So bildet eine 90-minütige Podiumsdiskussion einen Schwerpunkt, die um 11 Uhr in der Kantine des OOWV beginnt. Daran teilnehmen werden Dr. Jutta Freymuth (Bezirksverband Oldenburg), Prof. Peter Bradl (Institut Rettungswesen, Notfall- und Katastrophenmanagement), Jürgen Schreiber (ehem. Generalssekretär der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin), Jan Hoffmann (Geschäftsführer Sozialverband Wesermarsch/Ammerland) und Dr. Gesa Schirrmacher (Nds. Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung).
Pflegende Angehörige können außerdem an einem Workshop teilnehmen, der von 13.30 bis 15 Uhr in einem Zelt neben der Kantine des OOWV stattfinden wird. Dort gibt es Beratung, Möglichkeiten zum Austausch und konkrete Hinweise zur Vorbereitung auf Krisensituationen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (Text und Foto: Kerstin Seeland)
Titelfoto: v.l. – Kathleen Hirsch (DRK), Angela Kampe (OOWV), Matthias Wenhold (Landkreis), Prof. Dr. Frauke Koppelin (Jade Hochschule), Maren Groneveld (Landkreis) und Peter Deyle (DRK)
Wann: 27.06.2026, 10:00 Uhr
Wo: Georgstraße 4, 26919 Brake