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14.04.2026, Lokalredaktion
Carsten Hoffmeyer, Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst/ Oldenburg-Land/ Wesermarsch: „Der Anstieg der Unfallzahlen ist für mich nicht hinnehmbar – insbesondere dort, wo Menschen schwer verletzt oder getötet werden. Hinter jeder Zahl steht ein persönliches Schicksal, daher ist unser Anspruch ganz klar: Wir wollen schwere Verkehrsunfälle nachhaltig reduzieren.“
Die Polizeiinspektion Delmenhorst/ Oldenburg-Land/ Wesermarsch hat ein umfassendes, zielgerichtetes Konzept zur Verhütung schwerer Verkehrsunfälle entwickelt. Es setzt konsequent an den Hauptursachen an und bündelt unsere Maßnahmen dort, wo Risiken entstehen – bevor aus Fehlverhalten tragische Folgen werden. Ebenso klar ist aber: Prävention allein reicht nicht aus. Wer Regeln missachtet, gefährdet andere. Deshalb gehen wir auch weiterhin konsequent repressiv vor. Mit qualifizierter Verkehrsüberwachung erkennen wir gefährliches Verhalten frühzeitig, schreiten entschlossen ein und ahnden Verstöße ohne Ausnahme.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 7.922 Verkehrsunfälle im Inspektionsbereich registriert – gegenüber 7.764 im Vorjahr ein Anstieg von rund zwei Prozent. Damit bewegt sich das Unfallgeschehen weiterhin auf hohem Niveau und liegt über dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge im Zuständigkeitsbereich lag zum Jahresende bei 283.606 und ist damit leicht gesunken, sodass sich die Verkehrsdichte nur marginal verändert hat. Zu den häufigsten Unfallursachen zählten – wie bereits in den Vorjahren – fehlerhafte Fahrmanöver beim Rückwärtsfahren und Wenden, Abstandsverstöße, nicht angepasste Geschwindigkeit sowie die Missachtung der Vorfahrt.
Unfälle mit Personenschäden
Die Zahl der Unfälle mit verletzten Personen ist erneut gestiegen: Mit 1.322 Verkehrsunfällen wurde ein weiterer Anstieg gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Demgegenüber ist die Anzahl der schwer verletzten Personen geringfügig zurückgegangen und liegt nun bei 254. Trotz dieses positiven Signals kamen auch 2025 insgesamt 24 Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer auf unseren Straßen ums Leben – ein Wert, der zwar in etwa dem Vorjahresstand entspricht, den wir aber unter keinen Umständen als Normalzustand hinnehmen.
Kinder
Anders als im Vorjahr wurde im Jahr 2025 ein 14-jähriges Kind bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt. Die Zahl der schwer verletzten Kinder ist um einen Fall moderat zurückgegangen. Erfreulich ist außerdem der Rückgang bei den sogenannten Schulwegunfällen: 41 solcher Unfälle wurden registriert. Die häufigsten Ursachen waren die fehlerhafte Benutzung der Straße – etwa das Verwechseln von Geh- und Radweg –, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr sowie die Missachtung von Vorfahrtsregelungen. Die Verkehrssicherheitsberaterinnen und Verkehrssicherheitsberater sind weiterhin regelmäßig an Schulen präsent und vermitteln dort sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Fähigkeiten. Gleichzeitig gilt: Auch Eltern tragen durch ihr eigenes Verhalten im Straßenverkehr täglich dazu bei, ob ihre Kinder sicher unterwegs sind.
Junge Fahranfängerinnen und Fahranfänger
In der Risikogruppe der jungen Fahranfängerinnen und Fahranfänger gibt es eine deutlich erfreulichere Entwicklung: Während im Jahr 2024 noch fünf tödliche Verkehrsunfälle in dieser Gruppe zu beklagen waren, kam es 2025 zu keinem einzigen Todesfall. Auch die Zahl der Schwerverletzten ist leicht gesunken – von 32 auf nun 30. Als häufigste Unfallursachen wurden überhöhte Geschwindigkeit, unzureichender Sicherheitsabstand und Vorfahrtsmissachtung festgestellt. Diese Gruppe bleibt ein zentraler Schwerpunkt der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit.
Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren
Im Jahr 2025 wurden 1.641 Verkehrsunfälle unter Beteiligung älterer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer registriert – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Gleichwohl ist die Zahl der tödlich Verletzten in dieser Altersgruppe erneut gestiegen: nunmehr zwölf Personen kamen ums Leben. Die Zahl der Schwerverletzten ging hingegen deutlich zurück und liegt bei 53. Hauptursachen waren Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren, das Unterschreiten des Sicherheitsabstands sowie das Nichtbeachten vorfahrtregelnder Zeichen. Altersbedingte Einschränkungen in Wahrnehmung und Reaktion spielen hierbei häufig eine nicht zu unterschätzende Rolle. Rund 75 Prozent dieser Unfälle wurden durch Beteiligte dieser Altersgruppe selbst verursacht – eine Steigerung von fünf Prozentpunkten gegenüber 2024. Die Polizeiinspektion bietet in Kooperation mit Partnern regelmäßige Veranstaltungen an, etwa im Rahmen der Programme „Fit im Auto“ und „Fit auf dem Pedelec“.
Radfahrerinnen und Radfahrer (inkl. Pedelec)
Für das Jahr 2025 wurden 495 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrerinnen und Radfahrern erfasst, was einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insgesamt waren 528 Radfahrerinnen und Radfahrer an diesen Unfällen beteiligt – die höhere Zahl der Beteiligten gegenüber den Unfällen erklärt sich dadurch, dass an einzelnen Unfällen mehrere Radfahrerinnen und Radfahrer beteiligt waren. Von den Beteiligten wurden 49 schwer verletzt – gegenüber 57 im Vorjahr ein deutlicher Rückgang.
Keine getöteten Personen wurden außerhalb der Altersgruppe 65+ verzeichnet; insgesamt kamen fünf Personen bei Unfällen mit Radbeteiligung ums Leben. Alle Verstorbenen gehören der Altersgruppe 65+ an. Pedelecs spielen dabei nach wie vor eine wachsende Rolle: Ihre höhere Geschwindigkeit stellt viele Nutzerinnen und Nutzer vor neue Herausforderungen im Straßenverkehr. Die Polizeiinspektion verstärkt daher Präventionsmaßnahmen rund um den sicheren Umgang mit dem Pedelec sowie zu den Themen Sichtbarkeit und Beleuchtung. Ein weiterer zentraler Aspekt der Prävention betrifft das Tragen eines Fahrradhelms. Dieser kann im Sturzfall Kopfverletzungen deutlich mindern oder verhindern – besonders für Angehörige der Altersgruppe 65+ sowie für Pedelec-Nutzerinnern und Nutzer, bei denen höhere Geschwindigkeiten die Unfallschwere zusätzlich erhöhen. Die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch empfiehlt daher, bei jeder Fahrt einen korrekt angepassten Helm zu tragen.
E-Scooter
Seit der erstmaligen statistischen Erfassung im Jahr 2020 steigt die Zahl der Unfälle mit E-Scooter-Beteiligung kontinuierlich an. Im Jahr 2025 wurden 109 solcher Unfälle registriert; insgesamt waren 118 E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer beteiligt. Fünf Personen wurden dabei schwer, 86 leicht verletzt. Tödliche Unfälle mit E-Scooter-Beteiligung wurden im Jahr 2025 nicht verzeichnet. Wie beim Fahrrad gilt auch beim E-Scooter: Die Kenntnis der Verkehrsregeln und ein rücksichtsvolles Fahrverhalten sind keine Selbstverständlichkeit und müssen aktiv vermittelt werden – am Besten bereits im Elternhaus. Die Polizeiinspektion führt daher gezielte Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen im Bereich E-Scooter durch, um das Bewusstsein für regelkonformes Fahren zu stärken.
Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer
Im Jahr 2025 wurden 203 beteiligte Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer bei Verkehrsunfällen registriert – ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Schwerverletzten ist moderat auf 39 gestiegen; sechs Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer kamen ums Leben – mehr als im Vorjahr. Die Polizeiinspektion wird auch weiterhin auf relevanten Strecken verstärkte Verkehrsüberwachung und gezielte Geschwindigkeitsmessungen durchführen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Alkohol und Drogen
Im Jahr 2025 wurden 124 Verkehrsunfälle polizeilich aufgenommen, bei denen mindestens ein Beteiligter alkoholisiert gewesen ist. Diese Anzahl ist nahezu identisch mit dem Vorjahresniveau. Ähnlich stabil blieb die Situation im Bereich Drogen und Medikamente: Mit 23 erfassten Unfällen ist auch hier kaum eine Veränderung festzustellen. In diesen Unfällen wurden mehrere Personen verletzt; Angaben zur genauen Anzahl der Verletzten werden nach Abschluss der Auswertung ergänzt. Die Polizeiinspektion führt kontinuierlich anlassbezogene und präventive Kontrollen im Bereich Alkohol und Drogen im Straßenverkehr durch. Der Appell bleibt dennoch klar: Wer berauscht fährt, gefährdet sich und andere – und muss mit erheblichen rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten bewegte sich 2025 mit 1.648 Fällen auf dem Niveau des Vorjahres (2024: 1.641). In 128 Fällen war eine verletzte Person beteiligt. Positiv zu vermerken ist, dass die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten mit Personenschaden im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen ist; der genaue Prozentwert wird nach abschließender statistischer Auswertung ergänzt. Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin: Wer sich nach einem Unfall unerlaubt vom Ort entfernt, begeht eine Straftat – unabhängig von der Schadenshöhe. Im Falle einer Verurteilung drohen empfindliche Geldbußen, Punkte in Flensburg und unter Umständen der Entzug der Fahrerlaubnis. (pm/lr)