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11.06.2026, Lokalredaktion
Umweltausschuss befasste sich mit dem Transformationsprozess „Ipweger Moor“
Der Landkreis Wesermarsch treibt eines der bedeutendsten Moor- und Klimaschutzvorhaben der Region weiter voran: Im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft des Kreistages ist jetzt der aktuelle Stand des Projekts „Transformationsprozess Ipweger Moor – TIMo“ vorgestellt worden. Ziel ist es, bis zum Ende des Förderaufrufes am 30. Juni 2026 eine Projektskizze im Rahmen der ANK-Förderrichtlinie „Palu“ einzureichen und das Ipweger Moor als bundesweite Leuchtturmregion zu positionieren.
„Wir stehen vor der großen Aufgabe, Klimaschutz, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Biodiversität zusammenzuführen“, sagt Matthias Wenholt, Dezernent und Erster Kreisrat. „TIMo ist genau dieser Ansatz: kooperativ, sozialverträglich und mit dem klaren Ziel, für das Ipweger Moor eine tragfähige Zukunftsperspektive zu entwickeln.“
Das Ipweger Moor zählt mit einer Gesamtausdehnung von rund 8.400 Hektar zu den größten Moorgebieten Nordwestdeutschlands. Allein im Landkreis Wesermarsch umfasst die Kulisse rund 5.500 Hektar, davon werden etwa 5.100 Hektar landwirtschaftlich genutzt. Damit erfüllt das Gebiet die Voraussetzungen, um im Rahmen der neuen Förderrichtlinie als Leuchtturmregion in Betracht zu kommen. Für solche großräumigen Moorgebiete ist eine modulübergreifende Förderung über einen Zeitraum von bis zu 13 Jahren möglich.
Die im April veröffentlichte Förderrichtlinie „Palu“ des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz unterstützt Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden. Gefördert werden unter anderem Beratungsleistungen, Untersuchungen und Planungen zum Wassermanagement, Kompensation und Wertausgleich sowie Maßnahmen für eine angepasste land- und forstwirtschaftliche Nutzung wiedervernässter Flächen.
Entwässerte Moorböden gehören bundesweit zu den erheblichen Quellen von Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig prägen sie seit Jahrzehnten die Kulturlandschaft und die landwirtschaftliche Wertschöpfung in der Wesermarsch. Deshalb setzt der Landkreis nicht auf ordnungsrechtliche Vorgaben von oben, sondern auf einen gemeinsamen Transformationsprozess mit den Akteuren vor Ort. Ein zentrales Instrument soll dabei die vereinfachte Flurbereinigung sein. Sie kann helfen, Nutzungskonflikte sozialverträglich zu entflechten, Flächen neu zu ordnen und langfristig verlässliche Strukturen für die landwirtschaftlichen Betriebe zu schaffen, die zugleich Klima- und Naturschutzziele berücksichtigen. Bei Öffentlichkeitsveranstaltungen mit Eigentümerinnen, Eigentümern sowie Nutzerinnen und Nutzern war bereits ein positives Votum für das Vorverfahren zur Flurbereinigung im Ipweger Moor erreicht worden.
Getragen wird der Prozess von einem breiten regionalen Bündnis. Neben dem Landkreis Wesermarsch arbeiten unter anderem das Amt für regionale Landesentwicklung, das Niedersächsische Koordinierungszentrum Moorbodenschutz, der NLWKN, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Niedersächsischen Landesforsten, der Kreislandvolkverband Wesermarsch, das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände und der BUND mit. Wegen der grenzübergreifenden Lage des Moorgebietes werden auch der Landkreis Ammerland und die Stadt Oldenburg in die Abstimmungen einbezogen.
In den kommenden Wochen sollen Leitbild, Kostenkalkulation, Kartenmaterial und Antragsunterlagen weiter konkretisiert werden. Da grundlegende Förderbedingungen erst im Mai veröffentlicht wurden, sind noch fachliche Abstimmungen notwendig. Der Ausschuss sprach sich aber einstimmig dafür aus, dass der Landkreis in der ersten Antragsstufe eine Projektskizze beim Bundesministerium einreicht, um sich die Chance zu wahren, dass Ipweger Moor zum Leuchtturm in Sachen Moorentwicklung nach der Palu-Richtlinie zu machen. Nach einer möglichen positiven Rückmeldung zur Projektskizze würden die politischen Gremien des Landkreises vor Einreichung eines Vollantrags erneut beteiligt.
„Mit TIMo wollen wir zeigen, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Moorschutz gemeinsam gelingen können“, betont Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch. „Das Ipweger Moor kann zu einem Modell dafür werden, wie landwirtschaftliche Nutzung und Klimaschutz im ländlichen Raum praktisch, partnerschaftlich und wirtschaftlich verantwortbar zusammengebracht werden.“ (pm/lr – Foto: Landkreis Wesermarsch/Wiersbinski)
Titelfoto: Ein Blick über das Ipweger Moor. Es zählt mit einer Gesamtausdehnung von rund 8.400 Hektar zu den größten Moorgebieten Nordwestdeutschlands.