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07.01.2026, Lokalredaktion
Durch den großflächigen Stromausfall in Berlin bekommt LifeGRID eine praktische Bedeutung. Im Modellgebiet Wesermarsch für die „Lebensrettung in flut- und energiekritischen Gefährdungssituationen durch Realisierung von Insellösungen im Rahmen der Daseinsvorsorge (LifeGRID)“ wird theoretisch und praktisch simuliert, wie mit großen Schadensfällen umzugehen ist.
„Theoretisch könnte man unser Projektergebnis Berlin anbieten“, sagt Peter Deyle, Geschäftsführer des Kreisverbandes Wesermarsch des Deutschen Roten Kreuz (DRK). Und praktisch steht er in Kontakt z.B. mit dem DRK-Generalsekretariat und dem DRK-Kreisverband Berlin-Willmersdorf. Mit einigem Unverständnis verfolgen Deyle und DRK-Kreisvorsitzender Björn Thümler, wie schwer man sich in der Bundeshauptstadt mit der Bewältigung der Probleme nach dem großflächigen Stromausfall seit vergangenem Sonnabend im Bezirk Steglitz-Zehlendorf tut.
„Warum hat es keine Vorsorge gegeben, warum sind nicht genügend Notstromaggregate vorhanden?“, fragt Björn Thümler, der auch dem niedersächsischen Landtag angehört. „Wenn kein Strom da ist, ist das doof“, sagt Peter Deyle und verweist darauf, dass man sich seit 2023 in der Wesermarsch genau mit diesem Szenario beschäftigt. Der Landkreis Wesermarsch ist eine von fünf Modellregionen in Deutschland, in denen Konzepte zur Rettung und Versorgung von pflegebedürftigen Personen in Gefährdungssituationen erprobt werden. Projektpartner sind neben dem DRK der Landkreis, die Jade-Hochschule, die Landesvereinigung für Gesundheit, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), die Großleitstelle Oldenburg und das Institut für Gefahrenabwehr.
Verbundkoordinator ist Erster Kreisrat Matthias Wenholt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat für das Projekt LifeGRID die Wesermarsch als Modellregion ausgewählt, weil sie fast vollständig von Wasser umgeben ist, zum Teil unter dem Meeresspiegel liegt und durch eine starke Alterung der Bevölkerung gekennzeichnet ist. Ein vom DRK-Kreisverband erdachtes Pflegeregister war ein Baustein, der 2020 das Ministerium veranlasst hat, die Wesermarsch neben Dortmund, Freiburg, Hamburg und Meißen (Sachsen) damit zu beauftragen, innovative Lösungen zu erarbeiten, die alle relevanten Akteure einbeziehen.
Hatten bis dato Einsatzkräfte im Landkreis Wesermarsch keine Kenntnis, in welchen privaten Häusern und Wohnungen hilfe- und pflegebedürftige Personen in Schadensfällen wie Hochwasser, verbunden mit Stromausfall, auf Unterstützung warten, so schließt nun das freiwillige Pflegeregister diese Versorgungslücke. Pflegeeinrichtungen stehen in solchen Situationen vor gewaltigen Herausforderungen für den Schutz und gegebenenfalls die Rettung von hilfebedürftigen Menschen. Auch hier hilft LifeGRID bei dem Kontakt zu den Katastrohenschutzbehörden des Landkreises. DRK-Kreisvorsitzender Björn Thümler und Geschäftsführer Peter Deyle appellieren aber auch an die Bevölkerung, eigeninitiativ zur werden. Mit der Veranstaltungsreihe „Mach-Dich-Sicher-Mittwoch“ will das DRK ab Februar immer mittwochs Lehrgänge zum Thema Eigenvorsorge in Krisensituationen anbieten. „Das soll keine Panikmache sein, sondern ein Signal, sich selbst abzusichern“, sagt Björn Thümler.
Immer am ersten Mittwoch im Monat findet der „Mach-Dich-SicherMittwoch“ im DRK-Gebäude in Lemwerder, Schulstraße, statt. Am zweiten Mittwoch im Monat können sich Bürgerinnen und Bürger im DRK-Gebäude in der Braker Rönnelstraße 14 informieren, am dritten Mittwoch im DRK-Gebäude in Nordenham, Hafenstraße 47a. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 17.45 Uhr und dauern bis 20 Uhr. (pm/lr -Foto: KI generiert)