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05.07.2026, Lokalredaktion
Die Wesermarsch ist seit diesem Jahr flächendeckend vom Eichenprozessionsspinner betroffen. Darauf weist der Braker Gärtner und spezialisierte Schädlingsbekämpfer Stefan Döbbeke hin, der seit 2022 die ersten Fälle in Brake dokumentierte und inzwischen für mehrere Kommunen im Landkreis tätig ist. Die Ausbreitung habe sich seit 2024 deutlich beschleunigt und erreiche mittlerweile alle Gemeinden – von Lemwerder bis Nordenham.

Fachbetriebe im Einsatz für mehrere Kommunen
Stefan Döbbeke führt die Bekämpfung im Auftrag des Landkreises Wesermarsch, der Stadt Brake, der Stadt Nordenham sowie der Gemeinden Ovelgönne und Jade durch. Die Einsätze reichen von öffentlichen Grünflächen über Spielplätze bis hin zu Wald- und Straßenbereichen. Trotz des kalten Winters habe sich der Schädling massiv vermehrt – ein bekanntes Muster, da der Eichenprozessionsspinner kaum natürliche Feinde besitzt.
Warum sich der Schädling so stark ausbreitet
Der Falter stammt ursprünglich aus Südeuropa und breitet sich seit den 1990er‑Jahren kontinuierlich nach Norden aus. Die aktuelle Massenvermehrung erklärt Döbbeke so: es gibt nur fünf Vogelarten, die die Raupen oder Falter fressen, darunter Kohlmeise, Blaumeise, Kuckuck und Rotkehlchen.

Eine Raupe legt rund 100 bis 200 Eier, geschützt durch eine widerstandsfähige Wachsschicht. Die Tiere bevorzugen warme, sonnige Standorte und lichte Baumkronen. Die klimatischen Bedingungen der vergangenen Jahre begünstigen die Entwicklung.
Gesundheitsgefahr durch Brennhaare
Besonders gefährlich sind die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Raupen, die ab dem dritten Larvenstadium auftreten. Sie sind nur 0,1 Millimeter groß, besitzen Widerhaken und enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein. Stefan Döbbeke betont, dass die sichtbaren langen Haare ungefährlich sind – die unsichtbaren Brennhaare hingegen verursachen die Reaktionen. Die Haare können bis zu 500 Meter weit durch die Luft getragen werden. In den Nestern befinden sich Millionen Brennhaare, die auch nach Jahren gefährlich bleiben. Medizinisch handelt es sich nicht um eine Allergie, sondern um eine Vergiftungsreaktion.
Typische Symptome sind starker Hautausschlag, Blasen, Quaddeln und langanhaltender Juckreiz. Bei Kontakt mit den Haaren gilt: sofort ärztliche Behandlung, Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen, Augen mit klarem Wasser spülen.
Professionelle Bekämpfung – keine Experimente
Der Fachbetrieb Döbbeke wie auch seine Kollegen arbeiten ausschließlich mit zugelassenen mechanischen Verfahren: Das Absaugen der Nester mit einem Industriesauger der Schadstoffklasse H (Asbeststandard), das Verkleben der Nester mit Spezialkleber, um Brennhaare zu binden, der sicheren Entsorgung als Sondermüll in der Müllverbrennung sowie der Nachbehandlung der Baumrinde, um verbliebene Haare zu fixieren. Alle Einsätze erfolgen unter strengen Schutzmaßnahmen: Chemikalienschutzanzüge, abgeklettete Handschuhe, Atemschutzgeräte mit Umluftsystem.
Der Fachmann und ehrenamtliche Feuerwehrmann warnt eindringlich vor dem früher üblichen Abflammen der Nester: Es sei lebensgefährlich, löse Brände aus und verteile durch die entstehende Thermik die Brennhaare großflächig – oft noch bevor die Flamme das Nest erreicht.
Verhaltenstipps für die Bevölkerung
Stefan Döbbeke rät – wenn ein solches Nest bemerkt wird – zunächst Abstand zu halten und die Nester nicht zu berühren oder zu betreten. Raupen sollten niemals angefasst werden. Zudem sollten Verdachtsfälle der Kommune oder dem Landkreis umgehend gemeldet werden. Bei Symptomen sollte dringend ärztliche Hilfe aufgesucht werden.
Die Wesermarsch steht vor einer dauerhaften Herausforderung. Dank der Arbeit spezialisierter Betriebe können akute Gefahrenstellen jedoch schnell und fachgerecht beseitigt werden. Die Bevölkerung wird gebeten, aufmerksam zu bleiben und Hinweise ernst zu nehmen, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden. (Text: Kerstin Seeland, Fotos: Stefan Döbbeke)
Titelfoto von Iris Bredehorn – Eichenprozessionsspinner haben sich um einen Baum formatiert