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19.06.2026, Lokalredaktion
Absurdistan beim Verband der Ersatzkassen: Psychotherapeuten sollen bei weniger Honorar mehr Leistungen anbieten
KVN-Chef Barjenbruch: „Es kann keiner ernsthaft annehmen, dass eine Berufsgruppe, der man 4,5 Prozent des Honorars wegnimmt, so weiterarbeitet wie bisher oder gar noch mehr macht.“
„Absurdistan beim Verband der Ersatzkassen!“ Mit diesen Worten hat heute in Hannover der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, die aktuelle Forderung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) bezeichnet. Der vdek verlangt mehr Terminmeldungen der Psychotherapiepraxen für Akutpatienten. Sie sollen mindestens 50 Prozent ihrer Therapieplätze den Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zur Vermittlung von Patientinnen und Patienten melden.
„Auf Betreiben der Krankenkassen wurden vor einigen Tagen die Vergütungen der Psychotherapeuten um 4,5 Prozent gekürzt. Im Rahmen des ‚GKV-Spargesetzes‘ soll es zu weiteren Kürzungen kommen. Sparmaßnahmen führen zu Leistungseinschränkungen und nicht zur Ausweitung von Leistungen. Die Forderung des vdek ist absurd“, sagte Barjenbruch.
Der stellvertretende KVN-Vorstandsvorsitzende, Thorsten Schmidt, ergänzte: „Die Beschneidung von aktiven Honorarvereinbarungen war schon ein einzigartiger Vorgang. Das hat es bisher in der Form noch nie gegeben. Aber der vdek setzt noch einen ´drauf. Psychotherapeuten sollen mehr Termine anbieten. Dabei sind Wartezeiten für eine Akutbehandlung von zwei bis drei Wochen, die der vdek ermittelt hat, europaweit sehr kurz.“
Barjenbruch warnt: „Der vdek sollte wissen: Wenn es neben der Kürzung der Honorare weitere Forderungen und Reduktionen geben sollte, dann wird das Terminangebot bei den Psychotherapeuten auf das Maß zurückgeführt, für das eine Finanzierung da ist. Es werden drastische Honorareinbußen vorgenommen und gleichzeitig ein Mehr an Arbeit, schnellere Termine und vielerlei Wunschgedanken formuliert. Es kann keiner ernsthaft annehmen, dass eine Berufsgruppe, der man 4,5 Prozent des Honorars wegnimmt, so weiterarbeitet wie bisher oder gar noch mehr macht“, so Barjenbruch. (pm/lr – Foto: Symbolbild pixabay)