Sie können uns unterstützen

20.08.2026, Lokalredaktion
Frauennetzwerk Wesermarsch hat zum Austausch über Frauen- und Gleichstellungspolitik eingeladen – klare Forderung nach mehr weiblicher Repräsentanz in den Kommunalparlamenten
Rund 15 Frauen aus der gesamten Wesermarsch kamen am Donnerstagabend im Coworking Space in Brake zusammen, um über die Wahlprüfsteine zur Frauen- und Gleichstellungspolitik und deren Bedeutung für die Kommunalwahl am 13. September 2026 zu diskutieren. Unter den Teilnehmerinnen waren amtierende Kommunalpolitikerinnen, Kandidierende für die anstehende Wahl sowie interessierte Bürgerinnen.
Als Referentin war Maren Ozanna, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch, zu Gast. Sie stellte die Wahlprüfsteine zur Frauen- und Gleichstellungspolitik vor und verdeutlichte die einzelnen Themen mit Beispielen aus der Praxis.
Die Wahlprüfsteine des Landesfrauenrats Niedersachsen und der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen umfassen sieben zentrale Handlungsfelder: Gewaltschutz, Gesundheitsversorgung, Stadtplanung und Mobilität, Repräsentanz und Teilhabe, Vereinbarkeit und Carearbeit, Digitalisierung sowie Gender Budgeting. Die Wahlprüfsteine sind unter https://www.landesfrauenrat-nds.de/wp-content/uploads/LAG_LFRN_Wahlpruefsteine-Kommunalwahl-2026_final.pdf einsehbar.
Gemeinsam wurde darüber gesprochen, welche politischen Themen Frauen in der Wesermarsch bewegen und welche Forderungen in den kommenden Jahren auf kommunaler Ebene stärker berücksichtigt werden müssen. Der Abend machte vor allem deutlich: Diese Themen sind keine Randthemen. Sie betreffen den Alltag von Frauen unmittelbar und damit auch die Gestaltung unserer Kommunen.
So war beim Thema Gewaltschutz insbesondere die Beratungs- und Interventionsstelle LaWeGa ein wichtiger Gesprächspunkt. Diskutiert wurden die Möglichkeiten der Beratung von gewaltbetroffenen Frauen und Männern sowie die Frage, wie hoch der tatsächliche Bedarf im Landkreis ist. Dabei wurde deutlich, dass LaWeGa eine unabdingbare Anlaufstelle in der Wesermarsch ist und zunehmend an Bekanntheit gewinnen muss.
Beim Thema Gesundheitsversorgung richtete sich der Blick nicht nur auf die medizinische Versorgung selbst, sondern auch auf die Entscheidungs- und Diskussionsmechanismen in der kommunalen und kreispolitischen Politik. Wer kann mit wem ins Gespräch kommen? Wo werden Entscheidungen vorbereitet und getroffen? Und wie transparent sind diese Prozesse für die breite Öffentlichkeit?
Dabei wurde deutlich, dass Frauengesundheit nicht allein unter dem Gesichtspunkt der vorhandenen Angebote betrachtet werden darf. Auch die Qualität und Erreichbarkeit der fachärztlichen Versorgung müssen in den Blick genommen werden. Themen wie Endometriose, Perimenopause und Menopause wurden ebenso angesprochen wie die Notwendigkeit wohnortnaher Angebote rund um Schwangerschaft und Geburt, beispielsweise durch Geburtshäuser. Die Wahlprüfsteine selbst fordern unter anderem eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung, eine gute Hebammenversorgung und den Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung wohnortnaher Geburtsstationen.
Gerade in einem Flächenlandkreis wie der Wesermarsch ist Gesundheitspolitik eng mit Stadtplanung und Mobilität verbunden. Frauen und Menschen, die Care-Arbeit leisten, haben im Alltag häufig mehrere Stationen miteinander zu verbinden; etwa Arbeit, Kinderbetreuung, Schule, Einkauf, Arzttermine oder die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger. Wenn öffentliche Infrastruktur und Mobilitätsangebote nicht entsprechend ausgerichtet sind, entsteht dadurch ein vermeidbarer zusätzlicher Aufwand. Auch öffentliche Toiletten sowie ausreichende Still- und Wickelmöglichkeiten wurden als wichtige Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe von Frauen und Familien diskutiert. Die Wahlprüfsteine betonen ebenfalls, dass Mobilität den Zugang zu Bildung, Erwerbsarbeit sowie politischer und gesellschaftlicher Teilhabe ermöglicht.
Besonders intensiv wurde über die politische Repräsentanz von Frauen gesprochen. Die Wahlprüfsteine fordern ausdrücklich eine paritätische Besetzung kommunaler Vertretungen sowie bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und kommunalem Ehrenamt.
Auch die Strukturen kommunalpolitischer Arbeit selbst wurden kritisch betrachtet. Sitzungszeiten, Sitzungsformate und Kommunikationsstrukturen können darüber mitentscheiden, ob Frauen kommunalpolitisches Ehrenamt tatsächlich als realistische Möglichkeit wahrnehmen. Eine strukturelle Anpassung kommunaler Sitzungen und bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit könnten dazu beitragen, mehr Frauen für politische Verantwortung zu gewinnen.
„Frauen sind bereit, sich einzubringen. Sie wollen diskutieren, gestalten und Verantwortung übernehmen. Was uns aber noch fehlt, ist eine angemessene Repräsentanz in den politischen Gremien“, betont das Frauennetzwerk Wesermarsch als Fazit des Abends.
Der Austausch habe zudem gezeigt, wie groß das Interesse an Vernetzung und gemeinsamer Diskussion ist. Frauen aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen und mit unterschiedlichen persönlichen Hintergründen kamen miteinander ins Gespräch – nicht nur über Parteigrenzen hinweg, sondern auch zwischen bereits politisch aktiven Frauen und Bürgerinnen, die bislang selbst kein kommunalpolitisches Mandat innehaben.
Für das Frauennetzwerk Wesermarsch ist deshalb klar: Die weiblichen Kandidierenden brauchen jetzt Unterstützung und am 13. September 2026 vor allem Wählerstimmen. „Wir wollen nicht nur darüber sprechen, dass Frauen in den Räten fehlen. Wir wollen, dass sich das ändert. Deshalb müssen Frauen gewählt werden.“, so das Frauennetzwerk.
Das Frauennetzwerk Wesermarsch wird den Austausch fortsetzen und Frauen dazu ermutigen, ihre Interessen sichtbar zu machen und sich aktiv in die Kommunalpolitik einzubringen. Denn am Ende gilt: Frauen entscheiden die Wahl.
In den kommenden Tagen wird das Frauennetzwerk Wesermarsch außerdem über seine Social-Media-Kanäle die einzelnen Wahlprüfsteine genauer vorstellen und sich mit den darin enthaltenen Forderungen auseinandersetzen. Wer sich intensiver mit den Themen beschäftigen und genauer erfahren möchte, welche Fragen für eine geschlechtergerechte Kommunalpolitik auf der Agenda stehen, findet dort weitere Informationen und Anregungen zur Diskussion.
Über das Frauennetzwerk Wesermarsch
Das Frauennetzwerk Wesermarsch bringt Frauen aus der gesamten Wesermarsch miteinander in Kontakt und schafft Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsame politische und gesellschaftliche Aktivitäten. Ziel ist es, Frauen miteinander zu stärken, ihre Perspektiven sichtbar zu machen und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Region voranzubringen. (pm/lr)