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17.04.2026, Lokalredaktion
Bei der Frühjahrs‑Deichschau am Donnerstag, 16. April 2026, informierten Vertreter des I. Oldenburgischen Deichbandes, der Wasser- und Bodenverbände sowie Fachbehörden über den Stand zentraler Küstenschutz- und Entwässerungsprojekte entlang von Hunte und Weser. Die Vielzahl laufender und geplanter Maßnahmen zeigt: Der Küstenschutz in der Region steht vor einem Jahrzehnt intensiver Investitionen, komplexer Bauabläufe und enger Abstimmungsprozesse.
Lemwerder: Lückenschluss, Schaartsanierung und Verkehrsfreigabe
In der Ortslage Lemwerder wird der westliche Lückenschluss an der L885 gemeinsam mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr umgesetzt. Nach witterungsbedingten Verzögerungen laufen nun „die Betonierarbeiten an den kopfseitigen Stützpfeilern des Schaarts“.
Die Konstruktion zur künftigen Schaartschließung bei Hochwasser wird in den kommenden Wochen vorgestellt. Die Gesamtfertigstellung ist für Herbst 2026 vorgesehen. Geschäftsführer Rüdiger Wilken unterstrich die Bedeutung der Verkehrsfreigabe: „Die Durchgängigkeit für Fußgänger und Radfahrer hat für uns höchste Priorität. Die vollständige Öffnung kann aber nur die Landesbehörde terminieren.“
Verbandsingenieur Philipp Brüning stellte zudem klar, dass der Deichband zwar für die Deichsicherheit verantwortlich ist, nicht jedoch für das Sperrwerk: „Das Sperrwerk bleibt Eigentum der Straßenmeisterei. Wir übernehmen dort keine Betriebsverantwortung.“
Motzen – Bardenfleth: Deich soll auf 8,90 Meter wachsen
Für den rund 1,05 Kilometer langen Abschnitt vom Motzener Siel Richtung Süden werden die Planungen wieder aufgenommen. Brüning erläuterte: „Der Deich beim Motzener Siel soll von derzeit 7,20 bis 7,30 Metern auf 8,90 Meter erhöht werden. Das ist ein erheblicher Schritt für die Sicherheit.“
Die Maßnahme ist eng verzahnt mit zwei Großprojekten:
- einem geplanten Maststandort von Tennet,
- der Kohärenzmaßnahme Elsflether Sand des JadeWeserPorts.
„In Kooperation mit der JWP könnte so ein Bodenabbau für die Kohärenzmaßnahme und ein gleichzeitiger Bodeneinbau seitens des Deichbandes erfolgen.“ Eine Ausführung ab 2028 erscheint möglich.
Berne‑Ohrt – Huntesperrwerk: Varianten liegen vor
Für den 2,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Berne‑Ohrt und dem Huntesperrwerk wurden erste Varianten des neuen Deichquerschnitts vorgestellt. Derzeit laufen Baugrunduntersuchungen sowie die Abstimmung der umweltfachlichen Rahmenbedingungen.
Lichtenrader Siel: Schlüsselbauwerk mit enormem Sanierungsbedarf
Ein Schwerpunkt der Deichschau war die Besichtigung des Lichtenrader Siels, das als eines von drei Mündungsschöpfwerken rund 12.000 Hektar Land schützt.
Verbandsvorsteher Bernd Döhle schilderte die laufenden Abdämmmaßnahmen: „Wir verbauen hier aktuell 1,4 bis 1,5 Millionen Euro an Küstenschutzmitteln, um die Deichsicherheit zu gewährleisten.“ Der Bau im Altbestand ist anspruchsvoll: „Der Bau im Altbestand birgt Herausforderungen durch gefundene Reste eines alten Siels.“
Doch die aktuelle Maßnahme ist nur der Anfang. Döhle machte deutlich: „Für die kommenden Jahre brauchen wir weitere 2 bis 2,5 Millionen Euro für die Verschlussorgane und zusätzlich 3,6 Millionen Euro für den Binnenhochwasserschutz. Ohne politische Unterstützung wird das nicht gelingen.“ Er verwies auf die hohe Bedeutung des Bauwerks: „Das Schöpfwerk schützt 12.000 Hektar Land – das ist eine enorme Verantwortung.“
Profilierung des Ochtumdeiches: Planung läuft weiter
Für den 4. Bauabschnitt der Ochtumdeich‑Profilierung wurden die Planungen mit dem NLWKN und dem Planungsbüro fortgeführt. Der Entwurf für den ersten Teilabschnitt liegt vor, derzeit werden die umweltfachlichen Randbedingungen abgestimmt.
Die rund 1,6 Kilometer lange Deichbaumaßnahme am Kloster Blankenburg befindet sich in der Endphase. Unter der Projektleitung des NLWKN Brake‑Oldenburg wurden Erd-, Entwässerungs- und Wegearbeiten bereits abgeschlossen. Im Bericht heißt es: „Derzeit laufen die Arbeiten der Deichausstattung, darunter die Schafeinzäunung.“ Auch die ökologischen Begleitmaßnahmen sind weitgehend abgeschlossen: „Die Aufforstung und Geländemodellierung wurden unter Aufsicht der bodenkundlichen und naturschutzfachlichen Baubegleitung fertiggestellt.“
Philipp Brüning betonte die Bedeutung des Projekts für die Region: „Das Kloster‑Blankenburg‑Projekt ist unsere größte laufende Maßnahme. Wir liegen im Zeitplan und wollen im Sommer fertig werden.“ Nach dem Rückbau der Baustelleneinrichtungen wird die Verkehrssicherung an die Autobahn AG übergeben, da parallel Arbeiten an der A29‑Huntebrücke stattfinden. Zusätzlich wird die beschädigte Asphaltdecke des Deichbandes auf einem 1,2 Kilometer langen Abschnitt saniert.
Fazit: Küstenschutz bleibt Daueraufgabe – und Kraftakt
Die Deichschau machte deutlich, wie eng technische, ökologische und finanzielle Aspekte im Küstenschutz miteinander verwoben sind. Die Vielzahl paralleler Projekte – vom Kloster Blankenburg über Lemwerder bis zum Lichtenrader Siel – zeigt den hohen Modernisierungsbedarf der Infrastruktur.
Brüning fasste zusammen: „Wir haben viel erreicht, aber die kommenden Jahre werden anspruchsvoll. Küstenschutz ist eine Daueraufgabe, die nur gemeinsam gelingt.“ (Foto: der Deich bei Elsfleth und Text: Kerstin Seeland)