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18.07.2026, Lokalredaktion
Mit großer Sorge verfolgt das Frauennetzwerk Wesermarsch die Einberufung der Arbeitsgruppe „Masterplan Gesundheitsversorgung 2040“, die über die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Wesermarsch beraten soll.
Landrat Stephan Siefken betont in seiner Pressemitteilung die Bedeutung einer sachlichen Debatte und gemeinsamer Verantwortung. Diesem Anspruch stimmen wir ausdrücklich zu. Gerade deshalb ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass in einem Gremium, das über die gesundheitliche Zukunft einer ganzen Region beraten soll, ausschließlich Männer vertreten sind.
Wer von gemeinsamer Verantwortung spricht, sollte auch dafür sorgen, dass die Vielfalt der Gesellschaft am Beratungstisch vertreten ist. Ein Gremium ohne Frauen wird diesem Anspruch nicht gerecht.
Frauen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Sie arbeiten überdurchschnittlich häufig im Gesundheitswesen und in der Pflege, übernehmen den größten Teil der Sorgearbeit und erleben das Gesundheitssystem aus unterschiedlichen Perspektiven als Patientinnen, Angehörige und Beschäftigte. Diese Erfahrungen sind für tragfähige Entscheidungen unverzichtbar.
Die aktuelle Zusammensetzung der Arbeitsgruppe sendet deshalb ein falsches Signal. Über die Gesundheitsversorgung aller Menschen wird beraten, ohne dass Frauen an diesen Beratungen beteiligt sind.
Besonders irritierend ist dies vor dem Hintergrund, dass die angekündigte Schließung des St. Bernhard Hospitals vor allem die Beschäftigten trifft. Ein Großteil von ihnen sind Frauen. Wenn über ihre berufliche Zukunft, über neue Versorgungsstrukturen und über die medizinische Versorgung der Region beraten wird, müssen weibliche Perspektiven selbstverständlich vertreten sein.
Wir fordern deshalb, die Arbeitsgruppe kurzfristig um Frauen mit fachlicher, politischer oder gesellschaftlicher Expertise zu erweitern und ihre Beteiligung nicht auf eine Zuschauerrolle zu beschränken. Frauen müssen die Möglichkeit haben, ihre Perspektiven aktiv in die Beratungen einzubringen. Ziel muss eine gleichberechtigte Mitwirkung mit Rede und, wo dies möglich ist, auch Stimmrecht sein. Gute Gesundheitsversorgung entsteht durch unterschiedliche Erfahrungen, vielfältige Perspektiven und nachvollziehbare Entscheidungen.
Die Herausforderungen für die Wesermarsch sind groß. Umso wichtiger ist es, alle vorhandenen Kompetenzen einzubeziehen. Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung kann nur gemeinsam entwickelt werden. Frauen gehören deshalb selbstverständlich an den Entscheidungstisch. (pm/lr – Foto: Frauennetzwerk WM)