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04.07.2026, Lokalredaktion
Wenn das stumpfe Grau des Alltags vor den Toren der Werkstatt bleibt und der Duft von frisch gehobeltem Holz, von Eiche, Esche und Kiefer die Luft erfüllt, dann ist man angekommen im traditionellsten aller Gewerke. Das Tischlerhandwerk in der Wesermarsch lebt. Und wie es lebt: Zehn junge Handwerkerinnen und Handwerker haben an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Wesermarsch ihre Freisprechung erlangt. Sie haben den Hobel glühen lassen, den Schweiß nicht gescheut und mit tiefem Herzblut bewiesen, dass ein Gesellenstück weit mehr ist als die Summe seiner Einzelteile – es ist ein Seelenstück aus Holz.
Der Weg dorthin ist steinig und verzeiht keinen Millimeter Fehler. Vom ersten Riss auf dem rohen Holz bis hin zur finalen Oberflächenbehandlung fordert die dreijährige Lehrzeit den ganzen Menschen. Es gilt, das Holz in seinem Wuchs, seinen Spannungen und Eigenheiten zu verstehen. Konstruktiver Holzschutz, präzise Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen, das meisterhafte Zinken von Schubkästen auf klassischen Lauf-, Kipp- und Streifwänden – all das erfordert ein feines Zusammenspiel aus mathematischem Köpfchen und absolutem Fingerspitzengefühl.
Unsere zehn neuen Gesellinnen und Gesellen haben dieses Handwerk von der Pike auf gelernt. Sie stehen für eine Generation, die Tradition bewahrt und gleichzeitig mit moderner CNC-Technik und innovativen Oberflächenverfahren umzugehen weiß. Sie sind das neue, starke Fundament für die Betriebe zwischen Weser und Nordsee.
Drei Spitzenleistungen: Wenn Fleiß die Note „Sehr gut“ formt
Dass das Niveau dieses Jahrgangs außergewöhnlich hoch war, zeigte sich bei der Begutachtung durch den Prüfungsausschuss. Drei Absolventen lieferten Arbeiten ab, die handwerkliche Perfektion und kompromisslose Präzision widerspiegeln. Sie schlossen ihre Ausbildung mit Auszeichnung ab:


- Jolina den Dulk (Seyen GmbH Tischlerei und Bestattungen, Elsfleth) – eine Arbeit, die zeigt, wie pietätvolles Gespür und feines Handwerk Hand in Hand gehen.
- Jannis Brand (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder) – ein Beweis für die exzellente Ausbildungstradition an der Unterweser.
- Linnéa Kunstmann (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder) – Meisterklasse in Form und Funktion.


Auf dem Weg zum Olymp des Designs: „Die Gute Form“
Für zwei Ausnahmetalente ist die Reise mit dem Gesellenbrief in der Tasche noch nicht zu Ende. Linnéa Kunstmann (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder) und Darian Bauer (Günther Schultze GmbH, Butjadingen/Burhave) haben den Sprung auf die ganz große Bühne geschafft. Ihre Arbeiten wurden für den renommierten Wettbewerb „Die Gute Form“ nominiert.


Hier geht es nicht mehr nur um das fehlerfreie Handwerk, sondern um die hohe Kunst des Entwurfs. Gefragt sind zeitlose Ästhetik, der mutige, aber harmonische Mix von Materialien und eine Funktionalität, die begeistert. Dass die Wesermarsch gleich zwei Eisen im Feuer hat, erfüllt die hiesige Innung mit tiefem Stolz.


Ein starkes Band von Lemwerder bis Butjadingen
Wie tief verwurzelt das Gewerk in der Region ist, zeigt ein Blick auf die Riege der frischgebackenen Gesellen und ihre Ausbildungsbetriebe. Sie decken das gesamte Spektrum ab – vom anspruchsvollen Möbelbau über den exklusiven Innenausbau bis hin zum konstruktiven Hoch- und Tiefbau:


Benjamin Buck (Tischlerei Sommer Inh. Jan Wachtendorf e.K., Nordenham), Yannick Ellebrecht (Tischlerei Gerdes GmbH & Co. KG, Jade-Schweiburg), Jolina den Dulk (Seyen GmbH Tischlerei und Bestattungen, Elsfleth), Ben Dominik Jendroschek (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder), Jannis Brand (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder), Benjamin-Lennhard Pfeifer (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder), Linnéa Kunstmann (Tischlerei Klaus Rodiek GmbH, Lemwerder), Emely Theilen (Tischlerei Maik Gebauer, Brake), Charleen Warnick (Joachim Tiesler Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG, Elsfleth) und Darian Bauer (Günther Schultze GmbH, Butjadingen/Burhave).
„Wer einmal den Geruch der Werkstatt eingeatmet hat, wer die Transformation von einem rauen Stamm hin zu einem edlen Möbelstück mit eigenen Händen vollzogen hat, den lässt diese Leidenschaft ein Leben lang nicht mehr los“, heißt es ehrfürchtig aus den Reihen der Lehrmeister.
Mit dem fundierten Wissen der BBS Wesermarsch und dem handwerklichen Rüstzeug ihrer Meisterbetriebe im Rücken steht diesen jungen Handwerkern die Welt offen. Mögen ihre Hobel scharf bleiben, ihr Holz stets gerade und ihr Stolz auf das Erreichte ungebrochen. (pm/lr – Fotos: Kreishandwerkerschaft Wesermarsch – Titelfoto: Symbolbild pixabay)