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26.06.2026, Lokalredaktion
Die niedergelassenen Hausärzte aus der Wesermarsch wollen verhindern, dass die hausärztliche Versorgung durch das geplante GKV-Spargesetz geschwächt wird. Gerade im ländlichen Raum brauchen wir starke Hausarztpraxen, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Gleichzeitig soll künftig ein Primärarztsystem eingeführt werden. Mehr Verantwortung für Hausärzte und gleichzeitig weniger Geld pro Patient, das passt nicht zusammen.
„Für mehr Leistung soll weniger Geld bezahlt werden, das kann nicht sein“, sagt Wiebke Naujoks, „Und wer denkt, dass Tele-Medizin günstiger ist, dem sei versichert, dass auf lange Sicht hier die Kosten erheblich steigen werden. Denn wir sparen dem Gesundheitssystem, mit dem persönlichen Kontakt mit den Patienten, erheblich mehr Geld.“
Welche Auswirkungen des geplanten GKV-Spargeetzes befürchtet der Verband für Hausarztpraxen in Niedersachsen?
„Wir übernehmen immer Aufgaben von Fachärzten, auch ohne dafür mehr entschädigt zu werden“, betont Dr. med. Anne Schmitt.
Das Gesetz würde wichtige Verbesserungen der vergangenen Jahre teilweise zurückdrehen. Die Entbudgetierung würde wieder eingeschränkt und erfolgreiche Hausarztverträge finanziell ausgebremst. Besonders problematisch ist: Hausärzte sollen künftig mehr Patienten koordinieren und versorgen, gleichzeitig wird die Vergütung wieder gedeckelt. Wer mehr leisten soll, darf dafür nicht weniger bezahlt werden.
„Hinzu kommt die Digitalisierung und auch, dass im allgemeinen Betrieb neue Mitarbeitende eingestellt werden, die auch entlohnt werden müssen“, meint Merle Villis, „Das wird uns auch immer schwerer gemacht.“
Warum werden ausdrücklich auch Patientinnen und Patienten gebeten, Bundestagsabgeordnete anzuschreiben?
Weil die Folgen die Patienten direkt treffen würden. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten, steigen Wartezeiten, Aufnahmestopps werden wahrscheinlicher und im schlimmsten Fall schließen Praxen. Hausärzte und Patienten haben hier dasselbe Interesse: eine verlässliche wohnortnahe Versorgung. Hinzu kommt ein grundsätzlicher Aspekt der Fairness. Es ist schwer vermittelbar, warum die Versorgung eines 1.001. Patienten plötzlich weniger wert sein soll als die der 1.000 Patienten davor.
„Die Patienten müssen sich im Klaren darüber sein, dass auch sie die Reduzierungen zu spüren bekommen“, sagt Dr. med. Nils Jahn.
Welche Rückmeldungen erhält der Verband aus hausärztlichen Praxen im ländlichen Raum, insbesondere zu Terminlage, Aufnahmestopp, Personal, Bürokratie und wirtschaftlichem Druck?
„Wir können das einfach nicht mehr kompensieren bei gleicher Patientenzahl“, betont Dr. Olaf Hesper, „Fachärzte schreiben keine Befunde mehr, so dass unsere Mitarbeitenden auch da noch ständig nachhaken und zusätzliche Arbeit leisten müssen.“
Die Rückmeldungen sind eindeutig: Personalmangel, Bürokratie und steigende Kosten belasten nahezu alle Praxen. Zusätzliche Einsparungen würden die Situation weiter verschärfen. Besonders kleinere Praxen ım ländlichen Raum können solche Belastungen schwerer auffangen.
Gibt es aus Sicht des Verbandes besondere Risiken für Regionen wie die Wesermarsch?
Ja. Gerade ländliche Regionen wie bei uns die Wesermarsch verfügen oft über geringere Reserven im Versorgungssystem als Ballungsräume. Fällt dort eine einzelne Hausarztpraxis weg, kann das erhebliche Versorgungslücken verursachen. Die verbleibenden Praxen müssen dann zusätzliche Patientinnen und Patienten aufnehmen, obwohl sie selbst bereits ausgelastet sind.
Welche Rolle spielen Hausarztverträge, Entbudgetierung und Praxisnachfolge für eine stabile Versorgung?
Hausarztverträge stärken die koordinierte Versorgung und entlasten das Gesundheitssystem nachweislich. Die Entbudgetierung sorgt für Planungssicherheit und eine faire Vergütung erbrachter Leistungen. Beides
Ist extrem wichtig, damit Praxen wirtschaftlich stabil bleıben und Nachfolger für frei werdende Praxen gefunden werden.
Was müsste politisch kurzfristig geändert werden, damit Hausarztpraxen in Niedersachsen entlastet werden?
Die geplanten Kürzungen im hausärztlichen Bereıch müssen gestrichen werden. Die Entbudgetierung und die Hausarztverträge dürfen nicht wieder eingeschränkt werden. Gleichzeitig muss das im Koalitionsvertrag angekündigte Primärarztsystem endlich eingeführt werden. Was aber nicht funktionieren wird, ist ein System, das einerseits mehr sinnvolle Patientensteuerung und mehr Versorgungsverantwortung benötıgt, andererseits aber die Vergütung begrenzt. Wer mehr Patienten versorgt, braucht mehr Personal, mehr Zeit und mehr Ressourcen – aber nicht weniger Vergütung pro Patient.
Hausärztinnen und Hausärzte der Wesermarsch: Maik Lösekann, Dr. med. Julia von Bloh, Carolie Gruner, Dr. med. Björn Groenhagen, Dr. med. Robert Villis, Dr. med. Karl-Peter Neues, Dr. med. Nils Jahn, Dr. med. Olaf Hesper, Wiebke Naujoks, Katharina Heilhecker, Dr. med. Martin Kohne, Merle Villis, , Holger Kerstan, Dr. med. Julian Henderson, Dr. med. Samantha Henderson. Dr. med. Anne Schmitt, Christina Schädel, M. Akbar Dadfar, Julia Hübner. (pm/Kerstin Seeland, Foto: Kerstin Seeland)