Sie können uns unterstützen

27.01.2026, Lokalredaktion
Die Januar-Sitzung des Kreisbehindertenbeirates Wesermarsch (KBR) dauerte ausnahmsweise zwei Stunden und nicht eineinhalb, wie üblich. Das hatte einen guten Grund, denn die Gäste Maren Ozanna und Karin Logemann befassten sich mit wichtigen Themen, über die viel diskutiert werden kann. Maren Ozanna ist Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch und Karin Logemann direkt gewählte SPD-Landtagsabgeordnete für die Wesermarsch.
Deutlich mehr Fälle von häuslicher Gewalt
Maren Ozanna stellte das Schutzkonzept des Landkreises gegen häusliche Gewalt vor, das sie erarbeitet hat. Es besteht offenbar Handlungsbedarf. Das machten Zahlen klar: 2020 wurden 297 Fälle erfasst; 2025 waren es mit 559 deutlich mehr. Die Dunkelziffer gilt als hoch. 76 Prozent der von Gewalt Betroffenen sind Frauen. Das Schutzkonzept umfasst 14 Maßnahmen auf 25 Seiten. Am 11. Februar wird es im Sozialausschuss des Kreistages vorgestellt. Einer der Punkte: „Prävention muss schon im Kindesalter beginnen.“ Möglichkeiten zur Beweissicherung sollten geschaffen und auch die Arbeit mit Tätern berücksichtigt werden.
Damit Betroffenen von häuslicher Gewalt geholfen werden kann, braucht es ausreichende Plätze im Frauenhaus; die Kreise Wesermarsch und Ammerland betreiben ein gemeinsames Haus. Dort sind 12 Plätze für Frauen und 21 für Kinder verfügbar. Das sind nach Angaben von Maren Ozanna weniger als die Istanbul-Konvention vorschreibt; diese Konvention ist ein völkerrechtlich bindender Vertrag des Europarates. Geht es nach ihr, müssten es in der Wesermarsch und im Ammerland 22 Plätze für Frauen und 22 für Kinder sein.
Pro 10.000 Einwohner soll eine Familie aufgenommen werden können, wird vom Europarat empfohlen. Deutschland kann zurzeit eine Familie pro 11.800 Einwohner aufnehmen. Es steht somit unter 36 Ländern auf Platz 10.
Wohnbau kämpft um niedrigen Quadratmeter-Preis
Karin Logemann nahm vor allem wegen des Themas „bezahlbarer und barrierearmer Wohnraum“an der KBR-Sitzung teil. Die Landesregierung hat der SPD-Abgeordneten zufolge bereits wichtige Schritte unternommen, damit sich die landesweit sehr angespannte Situation verbessert. Unter anderem setzt sie auf den Wegfall von Vorschriften in der niedersächsischen Bauordnung sowie mehr Finanzmittel für die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „WohnRaum Niedersachsen“ und den Wohnraumförderfonds. Insgesamt 400 Millionen Euro will das Land für den sozialen Wohnungsbau bereit stellen.
Mit Blick auf die Wesermarsch lobte Karin Logemann die Arbeit der Wohnbau Wesermarsch. Sie sei „ein Glücksfall“ und eine „ganz tolle Institution“, weil sie versuche, den Quadratmeterpreis noch möglichst lange niedrig zu halten. Allerdings werde das voraussichtlich zukünftig immer schwieriger. 3.245 Wohnungen hat die Wohnbau Wesermarsch im Bestand; jährlich investiert sie 5,8 Millionen Euro. (Foto und Text: Freier Redakteur Thomas Klaus)
Titelfoto: von links – Hermann Noelcke, KBR; Karin Logemann; Lukas Handelshauser, KBR; Albert Mumme, KBR; Maren Ozanna; Anita Herrmann, Kreisbehindertenbeauftragte.