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16.02.2026, Lokalredaktion
Im Kinderschutz eine Sprache sprechen
Vom 4. bis 13. März 2026 stellt der Landkreis Wesermarsch den Schutz von Kindern und Jugendlichen bewusst in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Unter dem Leitgedanken „Im Kinderschutz eine Sprache sprechen“ laden die Kinderschutztage zu fachlichem Austausch, Begegnung und gemeinsamer Orientierung ein.
Ursprünglich war lediglich ein einzelner Fachtag geplant. Doch schon in der Vorbereitung zeigte sich, dass ein Tag alleine nicht reichen würde. Zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Jugendhilfe, Bildung, Gesundheitswesen, Beratung und Verwaltung brachten eigene Themen, Perspektiven und Beiträge ein. Aus dem Auftakt wurde deshalb eine mehrtägige Veranstaltungsreihe – die Kinderschutztage 2026.
„Es geht darum, zu sensibilisieren“, betont Kerstin Kreikenbohm vom Team „Frühe Hilfen“ des Landkreises Wesermarsch, die die Organisation koordiniert. Sensibilisierung bedeute dabei mehr als reine Information: Es gehe um Klarheit in der Einschätzung von Risiken und um Sicherheit im Handeln – gerade in Situationen, in denen Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung nicht eindeutig erscheinen.
Fachkräfte aus Kitas, Tagespflege, Schulen, dem medizinischen, therapeutischen und beratenden Bereich sowie dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) sollen miteinander ins Gespräch kommen, um Verständigung, Kooperation und professionelle Standards zu stärken. Denn auch wenn der gesetzliche Rahmen im Kinderschutz klar definiert ist, entstehen in der Praxis häufig Unsicherheiten – etwa durch unterschiedliche fachliche Perspektiven oder individuelle Erfahrungen. Genau hier setzen die Kinderschutztage an: Sie schaffen Orientierung für standardisierte Gefährdungseinschätzungen und fördern ein abgestimmtes Vorgehen.
„Während der Kinderschutztage möchten wir auch für alle Teilnehmenden klarer machen, welche Institution wofür zuständig ist. Dazu gehört auch, Missverständnisse rund ums Jugendamt abzubauen. Manchmal klaffen gesellschaftliche Erwartungen und tatsächliche Handlungsmöglichkeiten auseinander“, weiß Kreisrätin Sindy Nestler als zuständige Dezernentin.
Der Landkreis Wesermarsch ist im Bereich Kinderschutz bereits vergleichsweise gut aufgestellt. Ein Beispiel: Alle Kindertagespflegestellen verfügen über Kinderschutzkonzepte. Damit gehen sie über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Der Landkreis setzt somit ein deutliches Zeichen für Prävention und Qualität.
Die Kinderschutztage greifen das Thema Kinderschutz in seiner ganzen Breite auf. Dabei geht es nicht nur um den großen Teil von Kindeswohlgefährdungen, der aus Überforderung im familiären Kontext entstehen kann. Ebenso im Fokus steht der institutionelle Kinderschutz – also der Schutz von Kindern in Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder der Tagespflege. Fragen nach klaren Standards, nach professioneller Haltung und nach dem Umgang mit Grenzverletzungen oder Fehlverhalten werden ebenso thematisiert wie die Beteiligung von Kindern und Eltern.
„Mit den Kinderschutztagen wollen wir Begegnungen zwischen den Akteuren gewährleisten. Zudem möchten wir es schaffen, gemeinsam Wege aufzuzeigen, wie beispielsweise mit einem Verdacht auf Kindswohlgefährdung umgegangen werden kann“, so Kerstin Kreikenbohm.
Für fachliche Impulse sorgen hochkarätige Referentinnen und Referenten. So wird unter anderem Prof. Dr. Jörg Maywald, Honorarprofessor für Kinderrechte und Kinderschutz, erwartet, der sich mit einem kinderrechtsbasierten Verständnis von Kinderschutz befasst. Auch Brigitte und Colin Paterson, ausgewiesene Fachleute für Gefährdungseinschätzung und kooperative Praxis im Kinderschutz, bringen ihre langjährige Erfahrung ein. Sie alle tragen dazu bei, fachliche Klarheit mit praxisnaher Orientierung zu verbinden.
Der Titel der Veranstaltungsreihe bringt das Anliegen auf den Punkt: Wenn es gelingt, im Kinderschutz eine gemeinsame Sprache zu sprechen, können Entscheidungen schneller, sicherer und abgestimmter getroffen werden – zum Wohl der Kinder und ihrer Familien. Die Kinderschutztage verstehen sich daher als Investition in nachhaltige Netzwerke, in professionelle Standards und in ein starkes, verantwortungsbewusstes Miteinander in der Wesermarsch.
Für einzelne Veranstaltungen sind noch wenige Plätze für Fachleute und Eltern verfügbar. Anmeldungen sind online über die Website des Landkreises möglich unter: t1p.de/KST26 (pm/lr – Foto: Landkreis Wesermarsch/Matthias Wittschieben)
Titelfoto: Sie haben überlegt, organisiert und kontaktiert. Nun freuen Sie sich auf die anstehenden Kinderschutztage (v. l.): Kerstin Kreikenbohm, Heidrun Laatz (Leitung Fachdienst 51 – Jugend), Susanne Rehbock-Roolfs, Tanja Fisahn, Feeke Kruse (alle FD 51) sowie Gertrud Bölke (Koordinatorin Team der Familienhebammen).