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16.01.2026, Lokalredaktion
Forschungsprojekt „Future Proof Grasslands“ führt Infoveranstaltung nach Abschluss der ersten Projekthälfte an der Universität Oldenburg durch.
Höhere Winterniederschläge, sommerliche Dürren, Starkregen und ein steigender Meeresspiegel: Der Klimawandel fordert die niedersächsische Küstenregion heraus. Genau hier setzt das Projekt „Future Proof Grasslands“ (FPG) an, welches vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V. koordiniert wird. Im Verbund aus Wissenschaft und Praxis entwickeln zahlreiche beteiligte Akteure mögliche Lösungsszenarien für ein klimaangepasstes Wassermanagement auf Grünlandflächen, die für die norddeutsche Kulturlandschaft prägend sind. Zur Halbzeit der sechsjährigen Projektlaufzeit trafen sich jetzt die rund 60 Projektbeteiligten zu einer großen Infoveranstaltung im Bibliothekshörsaal der Universität Oldenburg.

Zukünftig gelte es, ein an Dürreperioden angepasstes Wassermanagement mit einem klimaangepassten Entwässerungsmanagement zu verknüpfen, betonte Mathias Paech vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V., der an diesem Tag durch die Veranstaltung führte. Prof. Ingo Mose von der Universität Oldenburg und gleichzeitig Projektsprecher hob die im Projekt entwickelten und getesteten Optionen für Wasserrückhaltestrategien in der Landschaft hervor. „Das Grünland im nordwestdeutschen Küstenraum prägt die Kulturlandschaft und bildet eine Grundlage für zahlreiche Koppelprodukte – sogenannte Ökosystemleistungen“, so der Oldenburger Professor für Angewandte Geografie und Umweltplanung.

Neben der Oldenburger Universität sind die Universität Göttingen, die Jade Hochschule, die Hochschule Osnabrück, das Thünen-Institut und das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Teil des Forschungsverbunds. Die Projektmittel wurden im Rahmen des Förderprogramms „zukunft.niedersachsen“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung ermöglicht.
Nutzen für Mensch und Umwelt
„Future Proof Grasslands“ ist ein Forschungsvorhaben, das schon jetzt Anwendung in der Fläche findet: In angestauten Gräben und Grüppen wird Wasser zu Zeiten des Wasserüberschusses aktiv zurückgehalten und in Sommermonaten zusätzlich zugeführt. Dieses an den Klimawandel angepasste Wassermanagement sichert während der Sommermonate die Wasserversorgung des Grünlandes auch in Trockenperioden. „Der Rückhalt des Wassers wird wichtiger denn je, um die Ökosystemleistungen in der Region und damit den Nutzen für Mensch und Umwelt zu stärken“, sagte Projektleiter Paech. Um Auswirkungen auf diese Koppelprodukte zu untersuchen, werden in zwei Untersuchungsgebieten in den Sielachten Brake (Wesermarsch) und Moormerland (Leer) Feldversuche durchgeführt.

Archivbild: Grünlandzentrum.
Den Abschluss der Konferenz bildete eine Podiumsdiskussion, bei der Synergien und Konfliktfelder im zukünftigen Umgang mit einem klimaangepassten Wassermanagement diskutiert wurden. Zu den Teilnehmenden zählten Matthias Wenholt (Umweltdezernent, Landkreis Wesermarsch), Jakob Spekker (Verbandsvorsteher Sielacht Moormerland), Heiko Holthusen (Verbandsvorsteher Braker Sielacht), Jan Spiekermann (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Aurich) und Uwe Schröder (Leiter Koordinierungszentrum Moor).
Wasser als Schlüsselelement
Der Braker Verbandsvorsteher Heiko Holthusen beschrieb die stark schwankenden Niederschlagsmengen als eine riesige Herausforderung für das Wassermanagement: „Die Ressource Wasser ist ein Schlüsselelement für den Erhalt der Agrarökosysteme der dort wirtschaftenden Grünlandbetriebe sowie der zahlreichen verbundenen Ökosystemleistungen.“
Umweltdezernent Matthias Wenholt stellte in der Podiumsdiskussion die große Einigkeit der im Projekt beteiligten Akteure heraus, in Anbetracht zurückliegender Extremereignisse den Lebensraum und die Landwirtschaft resilienter zu gestalten: „Es braucht Maßnahmen, die dabei helfen, sich an die klimatisch bedingten Veränderungen anzupassen. Eine zentrale Rolle spielt die Einbindung der Erfahrungswerte lokaler Akteure.“ Dabei werde deutlich, wie wichtig die Kommunikation untereinander für den Erfolg des Vorhabens ist. „Das Grünlandzentrum dient hier als wichtige Plattform für die Vernetzung aller Beteiligten mit ihren spezifischen Betroffenheiten“, ergänzte Wenholt.
Das Projekt bringt aber auch den Forschern Vorteile. „Wir müssen bedenken, dass wir nicht nur die Faktenlage verbessern können, sondern auch die Qualifikation von Studierenden und Promovierenden“, hob der Oldenburger Prof. Ingo Mose hervor. So seien an diesem wissenschaftlich ausgerichteten Projekt zahlreiche Doktoranden und Doktorandinnen sowie etliche studentische Hilfskräfte beteiligt.
Über das Projekt Future Proof Grasslands (FPG)
Das vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium im Zeitraum von 2022 bis 2028 geförderte Verbundprojekt FPG zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten ebenso wie Konfliktfelder eines klimaangepassten Wassermanagements zu betrachten. Zu den Projektpartnern des Grünlandzentrums zählen die Universitäten Oldenburg und Göttingen, die Hochschulen Jade und Osnabrück sowie das Thünen-Institut und das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).
In zwei Sielachten – Brake (Wesermarsch) und Moormerland (Leer) – wird derzeit je eine Akteursgemeinschaft in die zukünftige Gestaltung eines integrierten Wassermanagements einbezogen. Neben der Land- und Wasserwirtschaft sind die Gemeinden, die unteren Behörden der Landkreise, Landesfachbehörden sowie auch eine Molkerei und verbandliche Vertreter aus dem Naturschutz und dem Tourismus vertreten. Angestrebt wird eine Gemeinschaft, die auch über das Wirken des Projekts hinaus aktiv die Zukunft des Wassermanagements gestaltet und Ansätze auf andere Regionen abgeleitet werden können. (pm/lr – Fotos: Grünlandzentrum)
Titelfoto: Eine Podiumsdiskussion war Teil der Konferenz. Dabei wurden Synergien und Konfliktfelder im zukünftigen Umgang mit einem klimaangepassten Wassermanagement diskutiert. Die Teilnehmenden der Diskussion (von links): Uwe Schröder, Heiko Holthusen, Matthias Wenholt, Jakob Spekker, Jan Spiekermann und Mathias Paech.