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01.07.2026, Lokalredaktion
Der Kreistag hat sich am Montag intensiv mit der Lage der Küstenfischerei in der Wesermarsch befasst und eine fraktionsübergreifende Resolution zur Sicherung der regionalen Fischereibetriebe beschlossen. Ausgangspunkt war der „Hilferuf der Fischer“, der – wie Torsten Lange (CDU) betonte – seit Wochen aus Butjadingen an die Politik herangetragen wird.
Im Mittelpunkt der Debatte standen die geplanten Schutzgebiete des Landes Niedersachsen, die nach Einschätzung aller Kreistagsmitglieder erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Grundlage der Krabbenfischerei hätten. Bereits heute sei der nutzbare Fangraum durch Offshore‑Windenergie, Schifffahrt und Leitungsinfrastruktur stark eingeschränkt. Weitere Flächenverluste würden die Existenz vieler Betriebe gefährden und ein wichtiges Stück regionaler Identität sowie touristischer Attraktivität bedrohen.
Johann Evers (CDU) kritisierte deutlich den bisherigen „Fischereidialog“, der aus seiner Sicht kaum echte Beteiligung ermöglicht habe. Informationsveranstaltungen ohne Austausch seien für ein so weitreichendes Vorhaben unzureichend. Er verwies zudem auf die bundesweite Abwrackprämie, die bereits zu einem deutlichen Rückgang der Kutterflotte geführt habe – ein Trend, der die Situation zusätzlich verschärfe.
Christina‑Johanne Schröder (Bündnis 90/Die Grünen) hob hervor, dass die Küstenfischerei nicht nur kulturell bedeutsam sei, sondern auch zur regionalen Eiweißversorgung beitrage. Sie erinnerte an die europäische Vorgabe, zehn Prozent der Meeresflächen streng zu schützen, und kritisierte, dass die betroffenen Verbände viel zu spät über die konkreten Pläne informiert worden seien. Schröder sprach sich dafür aus, die Fischerei künftig stärker im Landwirtschaftsausschuss zu verankern, um bewährte Dialogstrukturen zu nutzen.
Hans Francksen (SPD) warnte vor einem „Kulturbruch“, sollte die regionale Flotte weiter schrumpfen. Die mittelständische Fischerei sei eng mit der Geschichte der Wesermarsch verbunden und präge bis heute das touristische Bild der Region. Er betonte, dass Naturschutz und menschliche Nutzung gemeinsam gedacht werden müssten.
MdL Björn Thümler (CDU) stellte die langfristige Dimension heraus: Viele Betriebe arbeiteten seit Generationen in der Fischerei, doch durch stetige Flächenverluste drohe ein schleichendes Ende dieser Tradition. Er verwies auf Unterschiede zu den Niederlanden, wo Schutzgebiete anders ausgewiesen würden und die dortige Flotte weiterhin in deutschen Gewässern fischen könne – ein Wettbewerbsnachteil für die hiesigen Fischer.
Die Resolution des Kreistages fordert unter anderem:
- Transparente Verfahren bei der Ausweisung von Schutzgebieten und Offenlegung der Datengrundlagen.
- Verbindliche Beteiligung der Fischereibetriebe sowie regionaler Akteure aus Wirtschaft und Tourismus.
- Überprüfung und Anpassung der Datengrundlagen, um tatsächliche Nutzung und wirtschaftliche Bedeutung korrekt abzubilden.
- Berücksichtigung wirtschaftlicher, sozialer und touristischer Folgen bei allen Entscheidungen.
- Einen ausgewogenen Interessenausgleich, der Naturschutz und traditionelle Erwerbsstrukturen gleichermaßen berücksichtigt.
- Fortführung genehmigter Baggerarbeiten bis 2031 ohne zusätzliche Einschränkungen für die Fischerei.
Der Kreistag sendet damit ein geschlossenes Signal nach Hannover: Die Küstenfischerei ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Wesermarsch – wirtschaftlich, kulturell und für kommende Generationen. Die Politik auf Landes- und Bundesebene wird aufgefordert, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass diese Tradition eine Zukunft hat.
Die Resolution kann hier heruntergeladen werden: https://wesermarsch.de/2023/06/27/resolution-zum-erhalt-der-krabbenfischerei/ (Foto und Text: Kerstin Seeland)