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23.01.2026, Lokalredaktion
Die Zukunft eines der erfolgreichsten EU-Förderprogramme für ländliche Räume steht auf dem Spiel: Die geplante Neuordnung der EU-Fördersystematik ab 2028 könnte auch für die Wesermarsch das Ende einer über 20-jährigen Erfolgsgeschichte bedeuten. Im Rahmen der Grünen Woche in Berlin hat die niedersächsische Landesregierung daher ein Positionspapier an Bundesagrarminister Alois Rainer überreicht, das die verlässliche Finanzierung der ländlichen Entwicklung einfordert.
„LEADER ist ein starkes Programm, eine starke Unterstützung für den ländlichen Raum. Auch bei uns in der Wesermarsch konnten nur aufgrund der finanziellen Stütze wichtige Projekte umgesetzt werden“, betont die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann.

Seit 2003 ist die Wesermarsch Teil der LEADER-Region und hat seitdem eine beeindruckende Entwicklung genommen: Rund 100 Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung wurden in dieser Zeit umgesetzt. Beispiele aus der Region zeigen die Vielfalt der Förderung: der Erhalt des Kulturzentrums Centraltheater Brake, der Mehrgenerationen-Fitnessparcours am Weserstrand Nordenham, der Erhalt des Traditionsgasthofes „König von Griechenland“ in Ovelgönne oder der Jugend-Abenteuerplatz Lemwerder. Die Projekte verbessern die Lebensqualität i den Bereichen Tourismus, Kultur, Natur, Dorfleben und regionale Produkte nachhaltig.
Für die aktuelle Förderperiode 2023-2027 stehen der LEADER-Region „Wesermarsch in Bewegung“ insgesamt 2,58 Millionen Euro zur Verfügung. Mit einer Förderquote von bis zu 65 Prozent und einer maximalen Förderhöhe von 200.000 Euro pro Projekt können wichtige Vorhaben realisiert werden, die sonst nicht finanzierbar wären.
Die Europäische Kommission plant jedoch mit dem Start der neuen Förderperiode ab 2028 eine grundlegende Neuordnung: Statt wie bisher thematischer Einzelfonds sollen die Gelder künftig in einem zentralen Fonds zusammengefasst werden. Während die Einkommensunterstützung in der Agrarförderung mit einem festen Budget ausgestattet werden soll, droht für das LEADER-Programm eine Absenkung des EU-Anteils von derzeit 80 auf 40 Prozent – eine Halbierung, die viele Projektideen vor Ort im Keim ersticken würde.
„Die geplante Absenkung der EU-Beteiligung von 80 auf 40 Prozent wäre fatal für unsere Region“, warnt Logemann. „Gerade in Flächenlandkreisen wie der Wesermarsch brauchen wir verlässliche Förderinstrumente, um die Daseinsvorsorge zu sichern und die Lebensqualität in unseren Dörfern und Gemeinden zu erhalten.“
Das Positionspapier der Landesregierung fordert den Bund nachdrücklich auf, sich in Brüssel für eine verlässliche Finanzierung einzusetzen.
LEADER steht für „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ – die Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft. Das Besondere: Die Menschen vor Ort entscheiden selbst, welche Projekte gefördert werden. Die Lokale Aktionsgruppe „Wesermarsch in Bewegung“ bewertet eingereichte Projektideen nach klaren Kriterien und beschließt über die Mittelvergabe.
„Das Programm lebt vom Engagement der Menschen vor Ort“, so Logemann. „Es sind die Bürgerinnen und Bürger, die Vereine, die Kommunen, die mit ihren Ideen unsere Region voranbringen. Dieses Instrument dürfen wir nicht verlieren.“
Hintergrund: LEADER ist ein EU-Förderprogramm zur Entwicklung ländlicher Räume, das seit über 30 Jahren in Europa erfolgreich umgesetzt wird. In Niedersachsen gibt es aktuell 68 LEADER-Regionen, die nahezu die gesamte Landesfläche abdecken. Die Wesermarsch ist seit der Förderperiode 2000-2006 dabei und hat seitdem kontinuierlich von dem Programm profitiert. (pm/lr)