Sie können uns unterstützen

07.05.2026, Lokalredaktion
In der Wesermarsch spitzt sich die Lage für Schafhalterinnen und Schafhalter weiter zu. Innerhalb einer Woche wurden rund 30 Wolfsübergriffe registriert. Der jüngste Vorfall ereignete sich in Strückhausen, wo am frühen Morgen mehrere tote Tiere gefunden wurden. Alke Feise‑Addicks, die betroffene Tierhalterin, wurde unmittelbar informiert und leitete umgehend die vorgeschriebenen Maßnahmen ein. Ein Gutachter der Landwirtschaftskammer dokumentierte die Schäden, nahm Proben und veranlasste die Abholung der verendeten Tiere. Die überlebenden Tiere nahm sie mit nach Hause, um sie dort, auf Anweisung des Tierarztes weiter behandeln zu können.
Vor Ort verschafften sich auch Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Landvolks Wesermarsch, sowie Karin Logemann (SPD), agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, ein Bild der Lage. Logemann zeigte sich beeindruckt von der schnellen Reaktion der Landwirtschaftskammer und appellierte an alle Züchterinnen und Züchter, Risse und Sichtungen auch dann zu melden, wenn kein vollständiger Herdenschutz vorhanden ist.
Alke Feise‑Addicks schilderte die zunehmende emotionale und wirtschaftliche Belastung, die wiederholte Übergriffe mit sich bringen. Bereits am 8. Mai 2023 wurde Schafe von ihr durch den Wolf gerissen. Trotz ihrer tiefen Verbundenheit zu den Tieren denkt sie angesichts der aktuellen Entwicklungen über einen möglichen Rückzug aus der Tierhaltung nach.
Auch Bettina Knutzen von Land schafft Verbindung Wesermarsch warnt eindringlich vor der aktuellen Dynamik. Seit vergangenem Montag seien rund 30 Risse bekannt geworden, darunter drei tote Schafe, ein verendetes Lamm und mindestens ein verletztes Jungtier, allein in Strückhausen. In den vergangenen Tagen wurden zudem mehrfach drei Wölfe gesichtet – unter anderem in Ovelgönne‑Frieschenmoor, an der Winterbahn und in Oldenbrok.
Bettina Knutzen betont, dass viele Tierhalter die Vorfälle zunächst nicht öffentlich gemacht hätten, da die Situation emotional belastend sei. Die aktuellen Funde zeigten jedoch, wie ernst die Lage sei. Sie ruft daher ebenfalls alle Tierhalterinnen und Tierhalter dazu auf, Sichtungen und Risse konsequent über die app „Wolfsrisse Niedersachsen“ oder das offizielle Wolfsmonitoring zu melden – auch mehrfach, wenn mehrere Personen Beobachtungen gemacht haben. Nur eine vollständige Dokumentation ermögliche ein realistisches Lagebild und angemessene behördliche Reaktionen. (Text: Kerstin Seeland, Foto: Symbolbild pixabay)