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03.08.2026, Lokalredaktion
Sehr geehrter Herr Landrat Siefken,
vielen Dank für die Übersendung der Resolution des Kreistages Wesermarsch zur Sicherung der Küstenfischerei. Ich stehe uneingeschränkt an der Seite unserer Fischerinnen und Fischer. Die Küstenfischerei ist für die Wesermarsch weit mehr als ein Wirtschaftszweig: Sie sichert Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette, prägt unsere regionale Identität und ist ein gutes Stück gelebter Tradition und Kultur an unserer Küste – und nicht zuletzt ein Aushängeschild für den Tourismus.
Dieses Thema begleitet mich nicht erst seit der Resolution des Kreistages. Als fischereipolitische Sprecherin meiner Fraktion und als Kreistagsabgeordnete aus der Wesermarsch ist mir die Zukunft unserer Kutter von Anfang an ein persönliches Anliegen. Bereits im Mai habe ich im Landtag eine Neubewertung der geplanten Suchräume gefordert. Familienbetriebe, die seit Generationen auf denselben Gründen fischen und kleine Kutter, die nur in Küstennähe überhaupt fahren können, brauchen bei jeder Entscheidung besonderes Gewicht – das war meine Position im Mai und das ist sie heute genauso.
Zur Einordnung ist mir wichtig zu sagen: Dass zehn Prozent unseres Küstenmeeres streng geschützt werden sollen, ist keine niedersächsische Erfindung, sondern eine verbindliche Vorgabe der europäischen Biodiversitätsstrategie, an der auch Niedersachsen als Küstenland nicht vorbeikommt. Ermessen hat das Land nicht darüber, ob diese Fläche kommt, wohl aber darüber, wo genau sie verläuft und wie stark die Betriebe vor Ort dabei mitreden können. Genau deshalb läuft seit April 2025 der Niedersächsische Fischereidialog – damit diese Abwägung nicht am grünen Tisch in Hannover, sondern gemeinsam mit Fischereibetrieben, Hafenkommunen und Umweltverbänden getroffen wird.
Dass dieser Weg keine Formsache ist, zeigt sich auch in der Wesermarsch: Nach zwei Regionalkonferenzen und gezielten Abfragen bei den Fischern kleiner Krabbenkutter wurden Teile der Außenweser um Butjadingen aus der weiteren Prüfung für fischereifreie Gebiete herausgenommen und das Land hat zusätzliche Unterstützung von mehr als einer Million Euro für die Krabbenfischerei zugesagt. Gleichzeitig will ich nichts schönreden: Bei weiteren Gesprächen haben Fischereiverbände zu Recht deutlich gemacht, dass an anderer Stelle genau die Fanggründe betroffen sind, von denen Betriebe wirtschaftlich leben und dass der Dialog damit noch nicht abgeschlossen ist. Diese Sorge nehme ich sehr ernst.
Am Ende entscheidet ohnehin nicht die Verwaltung allein, sondern der Landtag, wenn die fischereifreien Gebiete ins Nationalparkgesetz überführt werden. Genau dort werde ich mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Flächenauswahl auf einer nachvollziehbaren, offengelegten und fachlich überprüfbaren Datengrundlage beruht, dass die Fischereibetriebe und regionale Wirtschafts- und Tourismusakteure verbindlich eingebunden bleiben und dass wirtschaftliche, soziale und touristische Folgen ebenso zählen wie ökologische Kriterien. Ein tragfähiger Interessenausgleich zwischen Naturschutz und der Sicherung unserer Fangbetriebe – nicht weniger und nicht mehr – muss das Ziel bleiben.
Ebenso setze ich mich dafür ein, dass die vorgesehenen Wind-auf-See-Mittel vollständig und zeitnah bei den Küstenfischereibetrieben ankommen und die Modernisierung der Flotte spürbar vorankommt. Auch Ihren Hinweis auf die Baggerarbeiten im Fedderwardersieler Priel unterstütze ich ausdrücklich: Die Erreichbarkeit des Landeshafens Fedderwardersiel und die Entwässerung des Binnenlandes dürfen durch die Schutzgebietsplanung nicht gefährdet werden. Die Anliegen Ihrer Resolution werde ich im Landtag und in den Gesprächen mit der Landesregierung, sowie auch bei der Informations- und Koordinierungsstelle Transformation Fischerei (IKTF) weiter mit Nachdruck vertreten. Für Rückfragen und den weiteren Austausch stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. (pm/lr – Foto: Büro Logemann)