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21.11.2025, Lokalredaktion
Für Schwangere in der Wesermarsch ist die Lage alles andere als rosig. „Es gibt keine Geburtsklinik im Landkreis. Frauen müssen zur Entbindung in benachbarte Kommunen ausweichen“, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler. Und selbst in der Wesermarsch gibt es einen Hebammenmangel.
Die Familienpraxen in der Wesermarsch bieten zwar seit 2008 Familienhilfe von der Schwangerschaft bis zum ersten Lebensjahr des Kindes an, die Hebammen in der Region werden aber immer weniger. Der Landkreis hatte daher eine eigene ambulante Hebammenpraxis in Brake und Nordenham eingerichtet, um diesen Mangel zu kompensieren.
Die CDU-Landtagsfraktion hat jetzt über ihre Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann eine Dringliche Anfrage an die Landesregierung gestellt, um die Auswirkungen des neuen Hebammenhilfevertrags (HHV) auf die geburtshilfliche Versorgung in Niedersachsen zu beleuchten.
Seit dem 1. November 2025 gilt der überarbeitete Hebammenhilfevertrag (HHV), der unter anderem die Vergütung freiberuflicher Hebammen neu regelt. Besonders betroffen sind Beleghebammen, die Geburten in Krankenhäusern begleiten: Sie befürchten Einkommensverluste von bis zu 30 Prozent. Der Vertrag sieht eine minutengenaue Rechnung vor mit höherem Dokumentationsaufwand und unklaren Auswirkungen auf die Versorgungspraxis.
„Wenn Hebammen aufgeben, weil sich ihre Arbeit nicht mehr lohnt, dann ist das nicht nur für die Hebammen selbst ein Alarmsignal, sondern für die gesamte Geburtshilfe“, warnt Thümler. Laut Hebammenverband Niedersachsen geben derzeit zwei bis vier Hebammen täglich ihre Tätigkeit auf. In mehreren Kliniken – darunter Braunschweig, Winsen, Göttingen und Vechta – liegen bereits Kündigungen von Beleghebammen vor. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, drohen weitere Kreißsaalschließungen mit gravierenden Folgen für Schwangere und junge Familien.
„Die Landesregierung muss jetzt handeln“, fordert Thümler. „Wir wollen wissen, welche Kenntnisse sie über die aktuelle Entwicklung hat, wo bereits eine Unterversorgung droht und welche Maßnahmen sie ergreifen will, um die flächendeckende geburtshilfliche Versorgung in Niedersachsen zu sichern.“ Besonders in ländlichen Regionen wie der Wesermarsch sei die Lage bereits heute angespannt. Geburtshilfe dürfe keine Frage des Wohnorts sein. (pm/lr – Foto: Symbolbild)