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24.08.2026, Lokalredaktion
Assistenzhunde sind für viele Menschen mit Behinderungen unverzichtbar. Aber ihre Besitzerinnen und Besitzer haben mit einigen Herausforderungen und Problemen zu kämpfen. Welche das sind, machte Dena Bartz auf der jüngsten Sitzung des Kreisbehindertenbeirates Wesermarsch (KBR) deutlich. Die junge Frau aus der Wesermarsch hat einen Assistenzhund. Sie klärt regional, aber auch bundesweit über Assistenzhunde auf. Für die Wesermarsch strebt Dena Bartz eine Vernetzung der Assistenzhunde-Halter an.
Nach Zahlen der Bundesregierung aus dem vergangenen Jahr sind hierzulande rund 1.700 anerkannte Assistenzhunde im Einsatz. Hinzu kommen die ausgebildeten Tiere ohne staatliche Anerkennung – deren Zahl niemand kennt.
„Assistenzhund ist ein medizinisches Hilfsmittel“
„Ein Assistenzhund“, hob Dena Bartz hervor, „bedeutet Teilhabe. Und Teilhabe ist Menschenrecht.“ Eines der Hauptprobleme für Assistenzhunde-Halter seien die Zutrittsrechte vor allem zu Geschäften und Arztpraxen. Dena Bartz stellte klar: „Ein Assistenzhund ist ein medizinisches Hilfsmittel.“ Trotz eindeutiger gesetzlicher Regelungen hätten es Assistenzhunde-Halter oft noch schwer, wenn sie ihren Hund zum Beispiel zum Einkaufen mitnehmen wollten. Hier wünscht sich Dena Bartz mehr Schulungen für Mitarbeiter des Lebensmitteleinzelhandels.
Die Ausbildung eines Assistenzhundes kostet nach Angaben der Referentin zwischen 17.000 und 38.000 Euro. Doch nur die Ausbildung von Blindenführhunden werde von Krankenkassen übernommen. In den anderen Fällen springen unter Umständen Hilfsorganisationen ein oder es müssen Spenden gesammelt werden – für Dena Bartz „ein unzumutbarer und unhaltbarer Zustand“.
Gegenwärtig keine zertifizierten Ausbildungsstätten
Dena Bartz kam auch auf die zurzeit bestehenden Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Assistenzhunden zu sprechen. Die bundesweite Assistenzhundeverordnung (AHundV) ist am 1. März 2023 in Kraft getreten. Die Assistenzhundeverordnung sieht vor, dass Assistenzhunde ausschließlich über zertifizierte Ausbildungsstätten ausgebildet werden dürfen. Seit dem 1. Juli 2024 besteht das Problem, dass neu ausgebildete Hunde faktisch keine zertifizierte Prüfung mehr ablegen können. Denn zu diesem Stichtag liefen die vorherigen Übergangsregeln aus, während die neue Akkreditierungsstruktur für Prüfstellen und Ausbildungsstätten bis heute blockiert ist. Zurzeit gibt es keine Prüfungen im Sinne der Assistenzhundeverordnung.
Fährverbindungs-Aus verschärft die Situation
Bevor Dena Bartz über Assistenzhunde berichtete, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sitzung intensiv über die Schließung des St. Bernhard Hospitals in Brake und die Gesundheitsversorgung in der Wesermarsch.
Der KBR-Vorsitzende Albert Mumme warnte vor erheblichen negativen Folgen für die Bürger im Kreisgebiet und besonders für Menschen mit Behinderungen. Die Situation werde sich durch den drohenden Wegfall von Fährverbindungen während der Nachtstunden noch weiter verschärfen, befürchtete der Vorsitzende.
Er bedauerte, dass die Demonstration gegen das Aus für das Braker Krankenhaus „in die Hose gegangen“ sei. Bekanntlich hatte sie ein Braker Bürgermeisterkandidat organisiert. Mumme: „Es wäre viel besser gewesen, wenn die Gewerkschaft Verdi die Demo auf die Beine gestellt hätte.“
Nächste Sitzung am 28. September 2026
Der stellvertretende KBR-Vorsitzende Lukas Handelshauser, der hauptberuflich im Pflegebereich tätig ist, betonte: „Die Notfallversorgung ist in Brake aktuell nicht gewährleistet.“ Außerdem seien die Notfallambulanzen zum Beispiel in Oldenburg und Bremerhaven stark überlaufen, weil viele Personen sie in Anspruch nehmen wollten, die gar keine Notfälle seien. An dieser Stelle müsse die Aufklärungsarbeit verbessert werden, meinte Handelshauser.
KBR-Mitglied Hermann Noelcke, Vorsitzender des Senioren- und Behindertenbeirates der Stadt Nordenham, forderte, der Kreisbehindertenbeirat müsse zur Mitarbeit in der Arbeitsgruppe des Landkreises zur Gesundheitsversorgung eingeladen werden. Das sahen die anderen Mitglieder des Gremiums genau so.
Die nächste Sitzung des KBR findet am 28. September (Montag) um 16.30 Uhr im Kreishaus Brake, Poggenburger Straße 15, statt. Sie ist öffentlich; Gäste sind wie immer willkommen. (Foto und Text: Thomas Klaus)
Titelfoto: v.l.n.r.: Kreisbehindertenbeauftragte Anita Herrmann, Hermann Noelcke, Albert Mumme, Dena Bartz, Lukas Handelshauser