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07.06.2026, Lokalredaktion
Am heutigen Tag der Apotheke machen Apotheken bundesweit auf ihre wachsenden Herausforderungen aufmerksam. Unter dem Motto der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – steht in diesem Jahr die Rolle der Apotheken in der Primärversorgung im Mittelpunkt. Die ABDA betont, dass Apotheken „eine entscheidende Säule der wohnortnahen Gesundheitsversorgung“ darstellen und künftig noch stärker in die Primärversorgung eingebunden werden sollen .
Doch während die Bedeutung der Apotheken steigt, verschärft sich ihre wirtschaftliche Lage weiter. Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist 2025 auf 16.601 Standorte gesunken – der niedrigste Wert seit Ende der 1970er‑Jahre. Ursachen sind stagnierende Honorare, steigende Kosten und fehlende politische Reformen.
Situation in der Wesermarsch: Schließungen im ländlichen Raum
Besonders betroffen ist Niedersachsen: Allein im Jahr 2025 wurden 49 Apotheken geschlossen, die Zahl sank von 1.671 auf 1.622 Standorte.
Für den Landkreis Wesermarsch ist die Lage besonders kritisch. Im gesamten Kreisgebiet gibt es nur noch 15 Apotheken. Einige davon von Inhaberinnen und Inhabern geführt werden, die bereits „weit über das Rentenalter hinaus“ arbeiten.
Besonders problematisch sei die Notdienstsituation: Patientinnen und Patienten müssten teilweise bis zu 40 Kilometer fahren, um nachts oder am Wochenende Medikamente zu erhalten. Für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen ist das kaum zumutbar.
Warum Apotheken schließen – und warum es die Wesermarsch besonders trifft
Die Gründe für die Schließungswelle sind bundesweit ähnlich, treffen ländliche Regionen jedoch härter:
- Stagnierende Honorare: Das Fixhonorar von 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Medikament wurde seit 2013 nicht erhöht. Die Apothekerschaft fordert eine Anhebung auf 12 Euro, um wirtschaftlich arbeiten zu können .
- Fachkräftemangel: In der Wesermarsch fehlen Nachfolgerinnen und Nachfolger für bestehende Apothekenstandorte.
- Hohe Belastung durch Notdienste: Weniger Apotheken bedeuten mehr Dienste für die verbleibenden Teams.
- Steigende Betriebskosten: Energie, Personal und Logistik werden teurer, ohne dass die Vergütung angepasst wird.
Tag der Apotheke 2026: Forderungen und Ausblick
Zum Tag der Apotheke legt die ABDA ein neues Positionspapier vor, das die zukünftige Rolle der Apotheken in der Primärversorgung beschreibt. Ziel ist es, Apotheken stärker in die Erstversorgung einzubinden – etwa durch:
- erweiterte pharmazeutische Dienstleistungen
- Medikationsanalysen
- Präventionsangebote
- engere Zusammenarbeit mit Hausärzten und Pflege
Der Tag der Apotheke macht deutlich: Die wohnortnahe Arzneimittelversorgung in der Wesermarsch ist akut gefährdet. Mit nur noch 15 Apotheken, langen Wegen im Notdienst und fehlendem Nachwuchs steht die Region vor großen Herausforderungen.
Wir informieren unsere Leserinnen und Leser regelmäßig über die Apotheken-Notdienste in der Wesermarsch unter: https://wesermarsch-aktuell.de/service/apotheken/ (Text: Kerstin Seeland, Foto: Symbolbild pixabay)