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12.02.2026, Lokalredaktion
Öffentliche Diskussionsrunde zur Zukunft der Krankenhausversorgung in der Wesermarsch
Wie geht es weiter mit der stationären Versorgung in der Wesermarsch? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde, zu der der ver.di Ortsverein Wesermarsch Vertreterinnen und Vertreter der Belegschaften der Helios Klinik in Nordenham und des St. Bernhard Hospitals in Brake sowie Bürgerinnen und Bürger und gewerkschaftlich Engagierte eingeladen hatte. Die Veranstaltung bei „Michi und Holger“, in Ovelgönne, machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf ist – und wie sehr die Region unter der seit Jahren anhaltenden Unsicherheit leidet. Moderiert wurde die Runde von Oliver Barth, Gewerkschaftssekretär ver.di und Matthias Herrmann, Vorsitzender des Ortsvereins Wesermarsch.
Zehn Jahre Schwebezustand – und kein Ende in Sicht
Seit den 1990er‑Jahren wird über die Zukunft der beiden Klinikstandorte Brake und Nordenham verhandelt. Doch bis heute gibt es keine verbindliche Entscheidung. Die Gespräche zwischen Land, Geschäftsführungen und Trägern finden weitgehend hinter verschlossenen Türen statt. Beschäftigte, Interessenvertretungen und Bevölkerung bleiben außen vor. Ein Teilnehmer brachte die Situation auf den Punkt: „Es dringt kaum etwas nach draußen“ .
Besonders kritisch gesehen wird, dass die Landespolitik weiterhin an der Position festhält, langfristig könne nur ein Krankenhaus im Landkreis bestehen. Diese Aussage sorgt für Verunsicherung – sowohl bei den Beschäftigten als auch in der Bevölkerung.
Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit im Fokus
Rund 700 Arbeitsplätze hängen an den beiden Klinikstandorten. Die Beschäftigten betonten ihre starke Bindung an ihre Häuser und die Bedeutung der Kliniken als Arbeitgeber in der Region. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein möglicher Zusammenschluss oder eine Standortentscheidung ohne klare Überleitungs- und Beschäftigungssicherungen nicht akzeptabel wäre.
Auch die Bürgerperspektive spielte eine zentrale Rolle: Die Wege in der weitläufigen Wesermarsch sind lang, Fachärzte fehlen zunehmend, und viele Menschen sind auf eine wohnortnahe Grund- und Regelversorgung angewiesen. Ein Bürger schilderte eindrücklich: „Ich habe Angst, dass eines der beiden Häuser oder vielleicht auch beide Häuser irgendwann nicht mehr existieren.“
Fachliche Anforderungen statt Kirchturmdenken
Die Diskutierenden waren sich einig: Die Entscheidung über die künftige Struktur darf nicht von kommunalpolitischen Rivalitäten oder wirtschaftlichen Einzelinteressen geprägt sein. Entscheidend müsse die medizinische Qualität sein.
Gefordert wird eine solide Grund- und Regelversorgung – mit Innerer Medizin, Allgemein- und Unfallchirurgie, Notfallversorgung sowie ausgewählten Spezialisierungen, die sinnvoll ergänzt werden können. Hochkomplexe Eingriffe sollten weiterhin in spezialisierten Zentren stattfinden.
Transparenz, Beteiligung und klare politische Verantwortung
Die Runde formulierte deutliche Erwartungen an die Landes- und Kommunalpolitik:
- Einbindung der Beschäftigtenvertretungen beider Häuser in alle Verhandlungen
- Transparente Entscheidungsprozesse statt vertraulicher Gespräche
- Klare Aussagen zur Zukunft der rund 700 Arbeitsplätze
- Ein gemeinsames medizinisches Konzept für die gesamte Wesermarsch
- Aktive Rolle des Landrats, um die Interessen des Landkreises gegenüber dem Land zu vertreten
Mehrfach wurde betont, dass die Kommunalpolitik die Verantwortung nicht an das Land delegieren dürfe. Die anstehenden Kommunalwahlen seien ein geeigneter Zeitpunkt, das Thema endlich verbindlich auf die Agenda zu setzen.
Ein gemeinsames Ziel: Versorgung sichern – Zukunft gestalten
Trotz unterschiedlicher Perspektiven wurde eines deutlich: Die Region will eine Lösung, die die Versorgung langfristig sichert, die Beschäftigten schützt und die Wesermarsch als Lebens- und Arbeitsraum stärkt. Die Diskussionsrunde war ein wichtiger Schritt, um den öffentlichen Druck zu erhöhen. (Foto und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: von links: Oliver Barth, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Helios Klinik, Heike Trüper, Betriebsratsvorsitzender Helios Klinik Ralf Feierabend und Matthias Herrmann, Vorsitzender ver.di Ortsverein Wesermarsch