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29.03.2026, Lokalredaktion
Thorben Schöne, Kreisjugendfeuerwehrwart der Kreisjugendfeuerwehr Wesermarsch blickte bei der Kreisverbandsversammlung, am Freitag, im Eventhaus Großenmeer, auf eine stabile Mitgliederentwicklung im Jahr 2025 zurück. Gleichzeitig steht die Kreisjugendfeuerwehr vor strukturellen Herausforderungen, die die Nachwuchssicherung der Feuerwehren langfristig beeinflussen. Kreisjugendfeuerwehrwart Thorben Schöne machte in seinem Bericht deutlich, dass die Organisation trotz positiver Zahlen an entscheidenden Stellen unter Druck steht – insbesondere bei der frühzeitigen Nachwuchsgewinnung und der Verlässlichkeit organisatorischer Abläufe.
Mit insgesamt 652 Mitgliedern verzeichnet die Kreisjugendfeuerwehr einen leichten Zuwachs (+5). Die 19 Jugendfeuerwehren steigerten ihre Mitgliederzahl auf 382 Jugendliche (+12), während die 13 Kinderfeuerwehren einen Rückgang auf 270 Kinder (–7) hinnehmen mussten.
Besonders kritisch ist der Rückgang der Übergänge aus den Kinderfeuerwehren: Nur 24 Kinder wechselten in die Jugendfeuerwehr, sieben weniger als im Vorjahr. Die Übergänge in die Einsatzabteilungen bleiben mit 30 Übertritten nahezu stabil. Damit zeigt sich eine klare Tendenz: Die obere Pipeline – der Weg von der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst – funktioniert, während die frühe Bindung im Kindesalter an Kraft verliert. Der Anteil der Mädchen liegt weiterhin auf einem hohen Niveau: 32,7 Prozent in der Jugendfeuerwehr (+3 Prozentpunkte) und 34,1 Prozent in der Kinderfeuerwehr (–1,6 Punkte).
Die Leistungs- und Wettbewerbsstruktur bleibt ein zentraler Motor für Motivation, Teamgeist und öffentliche Wahrnehmung. Orientierungsmarsch, Bundeswettbewerb, Kuppel- und Leichtathletikpokal sowie das Hallensportturnier sorgten für eine hohe Aktivität in den Jugendfeuerwehren. Ein Höhepunkt war das OFV-Zeltlager in Delmenhorst mit rund 1.003 Teilnehmenden aus 58 Jugendfeuerwehren. Gleichzeitig offenbarte die Leistungsspange einen deutlichen organisatorischen Engpass: Von 38 gemeldeten Gruppen erschienen lediglich 18, wenngleich alle erfolgreich bestanden haben.
Neu im Vorstand der Kreisjugendfeuerwehr ist Regina Rotter, die die Nachfolge von Torben Siewert als stellvertretender Kreisjugendfeuerwehrwart antritt, da er nicht weiter für das Amt zur Verfügung steht.
Nach dem Weggang von Fenja Rohde war der Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit nur noch mit einer Person besetzt. Schöne betonte, dass ohne ausreichende PR-Kapazitäten weder Mitgliedergewinnung noch Sichtbarkeit im Gemeindeleben gewährleistet werden können. Bei den anschließenden Wahlen konnte neben Louisa Albertzard auch Kaya Kramer gewonnen werden.
Die Kreisjugendfeuerwehr versteht sich als Nachwuchsorganisation der Feuerwehren – und damit als Fundament der künftigen Einsatzstärke. Schöne formulierte es klar: Ohne stabile Übergänge aus den Kinderfeuerwehren und ohne professionelle Öffentlichkeitsarbeit wird die Mitgliederbasis mittelfristig schrumpfen.
Die Betreuerinnen und Betreuer leisten enorme Arbeit, oft neben Beruf und Familie. Sie vermitteln nicht nur feuerwehrtechnisches Wissen, sondern auch Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz und Integration – und schaffen damit Bindung weit über den Dienst hinaus.
Geehrt wurden im Laufe der Versammlung Jan Ahlers (Großenmeer) und Christian Ennen (Brake) mit dem Ehrenzeichen der niedersächsischen Kinder- und Jugendfeuerwehr und Gudula Thevißen (Eckwarden) mit der Florian-Medaille. Klaus Fischer, Sprecher der Jugendfeuerwehren des OFV, ehrte Thorben Schöne (Lemwerder) und Timo Würdemann (Neuenkoop-Köternende) mit dem Jugendehrenabzeichen des OFV in Bronze.
Grußworte sprachen Ovelgönnes Bürgermeister Sascha Stolorz, der stellvertretende Landrat Dieter Kohlmann und Kreisbrandmeister Ralf Hoyer.
Bürgermeister Sascha Stolorz hob hervor, dass die Kinder- und Jugendfeuerwehren der entscheidende Hebel sind, um Einsatzbereitschaft und soziales Gefüge in Ovelgönne langfristig zu sichern. Die freiwillige Mehrarbeit der Betreuer – oft unsichtbar und zusätzlich zu Beruf und Privatleben – hält die Nachwuchsarbeit stabil und muss politisch anerkannt und abgesichert werden, um künftige Lücken zu vermeiden.
Der stellvertretende Landrat Dieter Kohlmann beschreibt die Jugendfeuerwehr als doppelte Infrastruktur: Sie liefert verlässlich Nachwuchs für die aktive Wehr und wirkt gleichzeitig als Werte- und Gemeinschaftsschmiede gegen Vereinsamung und digitale Ablenkung. Wettbewerbe, Lehrgänge und Zeltlager stärken Bindung und Motivation. Kreistag und Kommunen sichern Rückhalt zu – denn ohne Anerkennung des Ehrenamts bricht die Nachwuchskette und damit die Einsatzfähigkeit.
Kreisbrandmeister Ralf Hoyer betonte die sichtbaren Erfolge der Jugendfeuerwehr Wesermarsch: stabile Übergänge in die Einsatzabteilungen, starke Wettbewerbsleistungen und ein Zeltlager, das sicher durchgeführt wurde. Verantwortlich dafür sind engagierte Jugendwarte, ein funktionierender Vorstand und verlässliche Schiedsrichterteams. Die Führung steht für Kontinuität und für die Haltung, dass äußere Faktoren nicht steuerbar sind – wohl aber Disziplin, Organisation und Verlässlichkeit. (Foto und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: von links: Torben Siewert, Timo Würdemann, Thorben Schöne, Gudula Thevißen, Louisa Albertzard, Anna Stührenberg (Kreisjugendsprecherin), Jan Ahlers, Christian Ennen und Klaus Fischer