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05.01.2026, Lokalredaktion
KVN: KVN-Vorstand sieht Termingarantie innerhalb von vier Wochen oder ein Online-Terminportal kritisch
Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat sich heute in Hannover kritisch über Vorschläge des Niedersächsischen Gesundheitsministers, Dr. Andreas Philippi und des GKV-Spitzenverbandes über die Verkürzung von Wartezeiten auf Facharzttermine geäußert.
„Lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärztinnen und Fachärzten entstehen durch eine Kombination aus Fachärztemangel, insbesondere in ländlichen Gebieten, die Budgetierung des Facharzthonorars durch die Krankenkassen und eine steigende Nachfrage nach Terminen durch eine ältere Bevölkerung sowie höhere Ansprüche der Patientinnen und Patienten. Zusätzliche Faktoren für knappe Arzttermine sind die ausufernde Bürokratie und der Mangel an Praxisnachfolgerinnen und -nachfolgern aufgrund zu wenig Medizinstudienplätzen“, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende, Mark Barjenbruch, heute in Hannover.
Ein garantierter Facharzttermin binnen vier Wochen wie von Minister Philippi gefordert – oder eine gesetzliche Regelung nach der alle Arztpraxen einen festzulegenden Anteil ihrer Kassentermine tagesaktuell auf einem Onlineportal zur Verfügung stellen müssen, wie es der GKV-Spitzenverband vorschlägt –, greife zu kurz und setze die Praxen zusätzlich unter Druck.
Barjenbruch weiter: „Das Problem ist komplex. Gesetzliche Krankenkassen budgetieren die Leistungen von Fachärztinnen und Fachärzten, wodurch Praxen pro Quartal nur eine begrenzte Anzahl von Patientinnen und Patienten auf Kassenkosten behandeln können, was die Annahme neuer Patienten erschwert. Die Entbudgetierung der Facharzthonorare muss daher kommen. Gleichzeitig gibt es zu wenig Fachärztinnen und Fachärzte. Viele Praxen finden keine Nachfolger, was besonders in ländlichen Regionen zu großen Lücken führt. Wir müssen also mehr Fachärztinnen und Fachärzte an den medizinischen Fakultäten ausbilden. Die Bevölkerung wird älter und hat höhere Erwartungen an die Gesundheitsversorgung, was die Nachfrage nach Terminen erhöht, nur die Zahl der verfügbaren Ärzte wächst derzeit nicht proportional mit. Daher ist eine Förderung von Niederlassungen in ländlichen Regionen unerlässlich. Und es muss endlich zu einem echten Bürokratieabbau in den Praxen kommen. Administrative Belastungen binden die Zeit der Ärztinnen und Ärzte, die für die Patientenversorgung fehlt.“ (pm/lr – Foto: Symbolbild pixabay)